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Karneval: Büttenreden? Nein, danke!

VON WOLFGANG BERNEY UND HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 15.02.2009 - 10:37

Düsseldorf (RPO). Wer eine Karnevals-Sitzung organisiert und Büttenredner verpflichtet, der kann nicht sicher sein, dass denen auch zugehört wird. Manche Gäste wollen nur feiern – das Programm ignorieren sie. Und manchmal stören sie es sogar. Prinzen-Club-Chef Driessen: Guten Rednern passiert das nicht!

Gehört zu den Top-Leuten im Karneval: Marc Metzger alias Da Blötschkopp  Foto: rpo, Urs Lamm
Gehört zu den Top-Leuten im Karneval: Marc Metzger alias Da Blötschkopp Foto: rpo, Urs Lamm

Pänz in de Bütt, das ist seit zwei Jahren das große Anliegen des Comitees Düsseldorfer Carneval. Doch nun fragen sich manche Jecken: "Wozu brauchen wir überhaupt Nachwuchsredner für den Karneval, wenn im Saal bei Büttenreden sowieso kaum noch einer zuhört?" Sie haben in den vergangenen Wochen feststellen müssen: Sitzungen sind gelegentlich nur noch ausgelassene Partys mit überlauter Musik und Gästen, die abfeiern wollen. Dirk Kronauer, Präsident der Rheinischen Garde Blau-Weiss, spricht da klare Worte: "Fröhlichkeit und tolle Stimmung, das ist zwar prima. Aber dann brauche ich mir keine Mühe mit einem ausgewogenen Programm zu geben und kann von vornherein nur noch Musikgruppen engagieren. Die kommen immer an. Und dafür haben wir schließlich die großen Kostümbälle." Sein Präsidentenkollege Burkart Brings von den Weißfräcken: "Der Karneval geht dadurch zwar nicht kaputt. Aber er verändert sich radikal."

Das Nachsehen haben dadurch diejenigen Besucher der Sitzungen, die den klassischen Karneval mögen, gern eine pfiffige gereimte Büttenrede hören oder sich über einen Gesangsvortrag mit kritisch-satirischem Inhalt freuen. In den vergangenen Wochen konnte man es öfters erleben: Wortbeiträge auf der Bühne wurden kaum beachtet. Egal, ob es andere störte oder nicht – an den Tischen gab es laute Unterhaltungen, sobald die Musikbands als Stimmungeinheizer ihre Instrumente einpackten. Wenn schon nicht "die Hände zum Himmel", dann auf jeden Fall fröhlich palavern. Es kommt mittlerweile sogar vor, dass Büttenredner ihren Vortrag einfach abbrechen, weil kaum einer zuhört. Jürgen Hilger-Höltges, der als "Fimännchen" auftritt: "Da stehst du da oben ziemlich einsam da. Dabei ist doch der Kontakt zum Publikum für uns enorm wichtig." Er malt schwarz für die Zukunft: "So geht der Karneval kaputt." Nur die vom Fernsehen bekannten Star-Entertainer können auf der Jeckenbühne offenbar noch mit Aufmerksamkeit rechnen.

Kronauer über die Gründe zum Trend "Party total": "Da kaufen Firmen oft ganze Tische für die Sitzungen unserer Karnevalsgesellschaften, laden ihre Mitarbeiter zu einem fröhlichen Gratis-Abend inklusive Getränken ein. Und da sind dann viele Gäste dabei, denen ist der Karneval völlig wurscht. Die wollen nur feiern und trinken."

Das hat selbst das Comitee Düsseldorfer Carneval zu spüren bekommen. Bei der ARD-Sitzung im vergangenen Jahr benahm sich eine von einer Bank eingeladene große Gruppe so laut und ungeniert, dass sie fast die Sitzung kaputt gemacht hätte. Was allerdings, wie die Verantwortlichen nachher zugaben, auch an der Qualität der Künstler in der Bütt lag.

Exakt dort liegt das Problem, sagt Prinzenclub-Chef Jobsi Driessen. Bei gerade genannter TV-Sitzung war er der leidgeprüfte Sitzungspräsident. Für Driessen hängt alles an der Qualität der Büttenredner. "Das Publikum ist sehr anspruchsvoll geworden." Wenn da einer vorne stehe und nur uralte, dumme Witze reiße, dann höre halt keiner hin. "Aber Top-Leute wie Gudio Cantz, Bernd Stelter oder auch der ,Blötschkopp' aus dem Kölner Umland – solche Redner packen den kompletten Saal in Sekunden. Und dann wird da unten auch nicht dazwischen geredet", weiß Driessen.

Schlimmer sind für ihn die Ehrengäste, die traditionell in der ersten Reihe sitzen. Driessen: "Die haben für die Karten nicht bezahlt, sehen das Programm zum 30.-mal und gucken gelangweilt – da musst du als Sitzungspräsident erst mal drüber weg gucken und in die zweite Reihe kommen!" Generell rät er den Organisatoren, im Zweifel gute Leute anzuheuern und das Programm mit Bedacht zu staffeln. Am Anfang brauche es einen erstklassigen Eisbrecher, sagt Driessen. Und ab zehn Uhr rät er zum reinen Musikprogramm: Dann wollen die Leute tanzen oder schunkeln.

Quelle: RP

 
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