Margot Sonne kommentiert für RP Online den Düsseldorfer Karneval: Der Karnevals-Klau liegt voll im Trend
zuletzt aktualisiert: 04.02.2005 - 15:25Düsseldorf (dto). Also dass Büttenredner sich gegenseitig ganz gerne mal ein Witzchen klauen, ist ja hinreichend bekannt. Dass manchem im Rahmen einer zunächst verbalen Auseinandersetzung in Folge die Hand ausrutscht, hat sich vermutlich auch schon herumgesprochen, aber dass im Düsseldorfer Karneval jetzt die „feindliche Liedgutübernahme“ Konjunktur hat, das ist neu!
Es begann alles ganz harmlos mit dem „Rheinische Jong“. Halve Hahn-Produzent Achim Wolf und Swinging Fanfares-Leiter Stefan Kleinehr – früher „ganz dicke“ – beschuldigten sich gegenseitig des Plagiats. Wer denn nun vom wem geklaut hat oder sich inspirieren ließ, ist da nie so ganz klar geworden. Tatsächlich kommen sich die beiden Titel überhaupt nicht in die Quere: der fünfjährige Jan Marco und Peter V. müssen nicht miteinander wetteifern. Kleinehr und Wolf reden trotzdem nicht mehr miteinander.
Schade eigentlich, hätten die beiden doch ein bisschen über einen aktuellen Fall plaudern können: ein holländischer Produzent behauptet, die Düsseldorfer Band Alt-Schuss hätte sich bei ihm bedient: das Lied "An der längsten Theke der Welt" kommt möglicherweise also nicht aus der Altbierhochburg, sondern von der Käsetheke.
Damit rutscht Alt-Schuss-Macher Rainer Lieverscheidt erneut ins Rampenlicht – wenn auch anders, als dem Gemüsehändler lieb ist, ist dies doch schon der zweite Griff in fremde Töne, die Insider dem Alt-Schuss-Frontmann vorwerfen: auch der WDR-Siegertitel „Es is wie et is“ stammt nicht aus eigener Feder, die Streitigkeiten mit „Der letzte Schrei“ sind aber zwischenzeitlich beigelegt.
Der Streit mit dem niederländischen Komponisten und Texter Quinn Warmerdam kommt wohl erst noch. Diesmal geht es um den Titel „Die längste Theke der Welt“. Alt-Schuss feiert damit Erfolge, Quinn behauptet allerdings, der Titel erinnere stark an sein eigenes Lied "Höf de Glazer in de Loch". Nun soll geprüft werden, ob es tatsächlich Ähnlichkeiten gibt und ob Warmerdams Lied überhaupt bei einer Verwertungsgesellschaft eingetragen sei. Heißt auf Deutsch: auch bei offensichtlichem Klau bekommt Warmerdam nur dann sein Recht, wenn sein Liedchen angemeldet ist. Seitdem man im Karneval viel Geld verdienen kann, bleibt die Tugend halt auf der Strecke, findet ...
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