Rosenmontag in Düsseldorf: Ein berauschend bunter Zoch
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 20:04Düsseldorf (RPO). Ausgelassenheit im Farbenmeer: Der Zoch erfindet sich jedes Jahr eine Stückchen neu. Mehr junge Menschen gehen mit, die Musikkapellen spielen neben Karnevals- jetzt auch Partyhits. Menschen aus aller Welt würzen den Jecken-Cocktail: Europäer, Bolivianer, Amis auch Bayern sind dabei.
Die einfache Pappnase reicht nicht mehr zum Fröhlichsein. Es muss schon ein tolles, ausgefallenes Kostüm sein, bunt, schrill, und am besten einzigartig. Vor allem junge Jecken wollen auffallen während sie beim Zoch mitlaufen, mitschunkeln, mitfeiern.
Fünf Kilometer Rosenmontagszug gestern bewiesen: Die schnöde Pappnase hat ausgedient, die Party mit allem Pomp ist in. Wer den Venetienwagen in Rosa mit den verdammten Magermodels sah, wer das unverschämt schöne rote Erdbeeren-Meer der Garde des Kinderprinzenpaars sah, wen das sinnliche Blau-Weiss der Prinzengarde blendete, der muss gestehen: Der Zoch in Düsseldorf ist mehr als bunt. Er ist berauschend.
Der Düsseldorfer Rosenmontagszug machte sich gestern pünktlich um 12.35 Uhr auf den Weg. Und dabei erfindet sich der Zoch immer wieder ein Stückchen neu. Viele junge Menschen machen mittlerweile mit, vor allem bei den Kapellen und Fußtruppen. Guggenmusik Chapf-Chläpfler Engelburg oder kurz GMCC, die Band aus der Baseler Fasnacht begeisterte zum Beispiel mit Power und einem Bigband-Sound, dass es stehenden Applaus beim Publikum gab.
Stehende Ovationen für die Guggenmusik Chapf-Chläpfler aus Basel
Ob bayerische Tuba-Bläser oder englisch angehauchte Marching-Band: die Vielfalt macht immer mehr Spaß. Statt nur abgenudelter Karnevalshits sind jetzt auch Party-Hits aus Diskos im Zoch gern gehört. Da fühlen sich die Swinging Fanfares auf ihrem Wagen so richtig wohl.
Da kann der Tilly ruhig provozierende Mottowagen, Frauen können immer noch am besten zicken: Der Ventienclub wetterte gegen Mager-Models. Recht haben sie: Wer bei der Kälte ein bisschen mehr auf den Rippen hat, friert nicht so schnell.
Richtig Dampf wie die Musikband am, Boden machte Stefan Friedel, Präsident der Gerresheimer Bürgerwehr. Der Mann beherrscht die große Geste, zumindest schon mal hoch oben auf dem Wagen.
Prinz Dirk und seine Janine mochten da kaum nachstehen. Das Prinzenpaar präsidierte auf ihrem Wagen: der laaanggezogene Oldtimer in Blau-Weiss. Wohlgemerkt einer der Marke des Prinzen-Arbeitgeber BMW. Da mochte der Sponsor des Comitée Düsseldorfer Carnevals, Mercedes, nicht abgehängt werden: Kurzerhand nahmen sie das Motto auf die Schippe und ließen einen Wagen eines Oldtimers mit Stern in Pappmaché bauen. Rache ist, wenn man trotzdem mitfährt.
So macht ein Auto-Duell im Zoch mal richtig Spaß. Was wäre das ganze Spektakel wert, wenn nur die Düsseldorfer dran beteiligt wären. Seit einigen Jahren spazieren immer mehr Gäste aus dem Ausland mit im Zoch.
Bolivianos (ohne Panflöte), US-Amis, Holländer, Schreckgespenster von der Baseler Fastnacht, aus Spanien, Italien, Frankreich, ja und auch aus Bayern. Allein die nackten Waden gingen bei der Kälte als Mutprobe durch.
„Tills Freunde entdeckten noch mal die Abwrackprämie. Mal schauen, ob der OB den Jecken beim Zerstören ihrer Wagen heute morgen auch die satten 2500 Euro bar auf die Hand gibt. Müssten sie eigentlich kriegen, immerhin haben sie versprochen, mit einen neuen Wagen zu starten im nächsten Jahr, an gleicher Stelle, wieder um 12.35 Uhr ab Rheinufer.
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