Rosenmontag in Düsseldorf: Ein Prinz im Glück
VON ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 21.02.2012 - 07:21Düsseldorf (RP). Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt im karnevalistischen Leben – vor allem des Prinzenpaares. Thomas Puppe kann nach diesem Tag seine Gefühle noch nicht wirklich formulieren. Für ihn wie für die Venetia Anke Conti Mica ist es einer der schönsten Tage in ihrem jecken Leben.
Es ist 16.44 Uhr, die letzten Sonnenstrahlen sind an der Ecke Merowinger/Karolinger Straße zu spüren. Der Prinz steht oben auf seinem Wagen und bedankt sich. "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als Prinz mit Euch zu sein." Seine Dankesrede hält er an die Adjutantur, die sich unten auf der Straße vor ihm aufgebaut hat und stolz das Riesen-Dankeschön entgegennimmt. Danach ist dann wirklich Schluss, steigen Prinz Thomas Puppe und Venetia Anke Conti Mica fröhlich, aber leicht geschafft, in ihre Autos. Thomas: "Ich glaub', ich hab' Muskelkater an den Stimmbändern".
Es geht nach Hause. Alle ziehen sich um, um dann am Abend "in Zivil" in die Dorfschänke nach Niederkassel (Venetia) oder in die Schumacher Brauerei (Prinz) zu gehen und einen Absacker nach dem anderen zu trinken. "Ich muss jetzt erst mal die Bilder an mir vorbeiziehen lassen", sagt der Prinz, der seine Gefühle nur schwer beschreiben kann. "Es ist so überwältigend. Diese Menschenmassen. Diese Thomas-Thomas-Rufe. Diese Sympathien." Immer wieder fällt das Wort "Rausch". "Wahrscheinlich bin ich im Karnevalsrausch", vermutet Thomas Puppe. Dabei hatte der Tag ganz ruhig und bequem angefangen.
9.15 Uhr Beim Prinzen zu Hause in Oberkassel. Der Mischlingsrüde Aimi begrüßt jeden Gast mit kräftigem Gebell, Tochter Katharina liegt im Schlafanzug und Morgenmantel auf dem Sofa und will vom Papa wissen, welche Rosenmontagszüge sie in welchem Sender aufzeichnen soll. "Ich will alles sehen", sagt er. Ehefrau Petra ist schon im Tonnenbauern-Outfit und fertig zur Abfahrt. Sie bleibt heute bei ihrem Mann, geht mit auf den Prinzenwagen. Ihre Mutter bleibt im Haus der Familie und passt auf. "Kann ja schon mal sein, dass eingebrochen wird." Der Prinz läuft durch die Wohnung, hat aber erst seine weiße Strumpfhose und ein T-Shirt an. Nach und nach schlüpft der Prinz in sein Outfit. Es klingelt, Aimi bellt, die Adjutantur kommt, um den Prinzen abzuholen. Ne, erst mal einen Kaffee und eine rauchen. Dann ab ins Auto, Abfahrt zum großen Tag.
10.30 Uhr Empfang im Rathaus, OB Dirk Elbers und seine Frau Astrid heißen Prinz Thomas und Venetia Anke willkommen. Mit den anderen Gästen im Rathaus wird gesungen und geschunkelt, dann gibt's Erbsensuppe. "Eine gute Stärkung", freut sich der Prinz, "kann ich bestimmt heute gut gebrauchen."
12.30 Uhr Der Rosenmontagszug hat sich bereits am Rheinufer aufgestellt, Prinz Thomas und Venetia Anke werden in ihren Autos mit Polizeieskorte zu ihrem Wagen gebracht, fahren langsam an den Menschenmassen vorbei, die sich dort schon getroffen haben, um einen ersten Blick auf die Wagen zu werfen. "Da habe ich zum ersten Mal meine Glückshormone gemerkt", erzählt Prinz Thomas. "Als alle uns gesehen und lautstark begrüßt haben." Immer wieder sagt er den Satz: "Ich habe das ja alles noch nie mit gemacht." Ständig muss er in irgendeine Handykamera lächeln. "Ich komm' mir vor wie ein Popstar."
13 Uhr Das Prinzenpaar und die Adjutantur klettern in den Wagen, der mit vielen Brezeln und Berlinern bemalt wunderschön und bunt aussieht. Viel Platz hat das Prinzenpaar in der ersten Etage nicht: Ein guter Quadratmeter muss für die nächsten drei bis vier Stunden ausreichen.
13.20 Uhr Auch der Prinzenwagen setzt sich in Bewegung, nachdem alle anderen 32 Wagen davor schon Richtung Rathaus rollen. Der Prinzenwagen hat immer die Nummer 33, die Prinzengarde Rot-Weiß rollt davor mit der 32, die Blau-Weißen danach mit der 34.
13.45 Uhr Der Wagen rollt am Ratinger Tor lang. Und genau jetzt fängt es wohl an, dieses später unbeschreibliche Gefühl, dieses Glück, dieser Rausch. Hinterher sagt Thomas nur: "Diese Menschen, immer wieder diese Menschen, die sich freuen, wenn wir was geworfen haben."
14.05 Uhr Der Prinzenwagen rollt am Rathaus vorbei, der WDR filmt, die Gäste auf der Tribüne bejubeln das Prinzenpaar. Düsseldorf Helau.
14.45 Uhr Der Wagen fährt in die Hohe Straße – nachdem er sich durch die viel zu enge Mittelstraße gezwängt hat, wo die Zuschauer eigentlich zu dicht an den Wagen stehen. Aber Prinz und Venetia können ihre Snickers, Mars und Bountys direkt in die Plastiktüten der fröhlichen Kinder werfen. Vor der Bäckerei Hinkel dann das allergrößte Hallo und Helau: "Wir sind eben gut befreundet", sagt Thomas Puppe, selber Bäcker. Denn normalerweise steht er vor der Bäckerei Hinkel und moderiert den Zug, sagt alle Wagen an und ermuntert die Zaungäste zum immer wieder großen Helau.
15.05 Uhr Der Prinzenwagen biegt in die Königsallee ein. "Noch mal soooo viele Menschen", denkt Prinz Thomas und mag sein Glück kaum fassen. Alle rufen "Thomas, Thomas" oder "Anke, Anke" und freuen sich über das Prinzenpaar, das das sensationelle Wetter durchaus verdient hat.
15.40 Uhr Es geht Richtung Kirchplatz. Immer noch Menschenmassen am Fahrbahnrand. Und immer noch hat das Prinzenpaar ganz viele Süßigkeiten an Bord, die es mit Wonne ins Volk wirft. Es geht noch ein Stück durch Friedrichstadt hoch nach Bilk, mittlerweile lichten sich die Reihen der Zuschauer. Und langsam kommt auch der Adrenalinspiegel des Prinzen auf Normalmaß – so normal er auch sein kann.
16.30 Uhr Vor den Arcaden in Bilk stehen noch einmal viele, die dem Prinzenpaar zujubeln.
16.44 Uhr Ecke Merowinger/Karolinger Straße. Prinz Thomas hält seine Dankesrede an die Adjutanten und klettert langsam vom Wagen. Seine Diagnose steht jetzt doch fest: "Das ist einfach nur ein Rausch, ein Karnevalsrausch."
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