Fernsehsitzung: Gelungene Premiere mit Kleinehr
VON HANS RUSINEK - zuletzt aktualisiert: 09.01.2009 - 08:41Jecken unter Beobachtung: Bei der Fernsehsitzung fangen die Kameras und Mikrofone jeden Versprecher, jeden misslungenen Witz und jedes Glas Alt zu viel ein. Doch der Stimmung in der Stadthalle tat das keinen Abbruch: Das Comitee Düsseldorfer Carneval zeigte nach mehreren eher durchwachsenen Sitzungen in den vergangenen Jahren: Wir können es doch.
„Eine Fernsehsitzung ist schon etwas ganz anderes als eine gewöhnliche Sitzung“, erklärte auch CC-Sprecher Hans-Peter Suchand.
Die Bühne war ein Augenschmaus. In alter Tradition war Jacques Tilly am Werke gewesen und hat die leicht angestaubte Stadthalle in ein uriges Brauhaus verwandelt. In solcher Optik konnte der Abend doch nur gelingen - oder?
Dass die Düsseldorfer Karnevalisten reinste Vorzeige-Jecken sind, ist unbestritten. Aber wie ist die Stimmung, wenn zwischen Närrinnen und Narren nervöse Kabelträger herumwuseln, Kamerakräne auf und nieder gehen und unzählige Mikrofone aufgebaut sind? Kann man noch Schnaps und Alt trinken, und davon manchmal ein bisschen zuviel, närrisch auf den Stühlen tanzen, wenn man weiß, dass Millionen von Fernsehzuschauern werden Auf- und manchmal auch Fehltritte verfolgen?
„Ja man kann“, sagt Suchand zufrieden. Der Beweis liege auf der Hand, „schauen Sie sich den Abend an!“
So ganz reibungslos ist das in den letzten Jahren nicht verlaufen. Ein Blick zurück: Im vergangenen Jahr trat das Publikum in erster Linie durch „Aufhören“-Rufe hervor. Dass es nicht zu einer Blamage auf den bundesweiten Fernsehschirmen kam, war einzig und allein den Tontechnikern und Cuttern des WDR zu verdanken.
Doch zurück in die Gegenwart: Das Publikum war nun alles andere als unzufrieden. Beim Auftritt der "Fetzer“ strömte die erste Polonaise durch die Stadthalle und machte die ohnehin nervösen Kameramänner noch nervöser. Sie wurden nämlich unweigerlich in den karnevalistischen Bann gezogen und mussten sich mitsamt Ausrüstung einreihen.
Das humoristische Highlight war ohne Zweifel die „Putzfrau Achnes Kasulke“. Die Büttenrede über ihren Mann, den ewigen Krampf ihrer Urlaube, den ewigen Kämpfe gegen die Schwerkraft und für „Dat Astralkörper“ hielt das Publikum bei bester Laune.
Dieser „Shooting-Star des Kölner Karnevals“ wurde erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen. Die Veranstalter bewiesen mit der Wahl der Kaldenkirchnerin, dass sie auch über den Düsseldorfer Tellerrand hinausschauen können.
Nicht über, sondern unter dem Tellerrand lag jedoch der sächselnde „Edno Bommel“. „Für diese Ossi-Witze ist es nun wirklich fast zwei Jahrzehnte zu spät“, findet Karnevalist Heinz Peters. Ossi-Witze reißen heute wohl niemanden mehr vom Hocker.
Die Tanzgarde der Katholischen Jugend gehörten weniger zum humoristischen als zum ästhetischen Teil des Programms. Der Auftritt riss das Publikum von den Stühlen. Geradezu explosiv dann die Choreographie der „Flotten Frauen“. Kein Wunder, dass diese Gruppe eine der (wenigen) guten Erinnerungen aus den vergangenen Jahren ist.
Doch dieses Jahr war die Sitzung deutlich besser, lockerer und vor allem authentischer. „Wir haben uns überlegt, wie wir die Fernsehsitzung optimieren können und sind zu dem Schluss gekommen, die Kapazität der Halle zu reduzieren“, sagt Hans-Peter Suchand über sein Konzept. Zudem engagierten die Karnevalisten diesmal nicht nur lokale Kräfte, sondern auch überregional bekannte Künstler.
Sitzungspräsident Kleinehr: gelungene Premiere
Besonderes Augenmerk lag auf Stefan Kleinehr. Der Literat des CC und AVDK-Präsident (Allgemeiner Verein der Karnevalsfreunde Düsseldorf e.V.) musste an dem Abend seine Feuerprobe bestehen: Zum ersten Mal moderierte er die TV-Sitzung. Mit maximalem Charme und minimaler Nervosität hielt er das Publikum vor der Bühne bei Laune und, wenn es dann ausgestrahlt wird, auch hoffentlich vor den Bildschirmen.
Natürlich gab es zwischen aller Ausgelassenheit auch das ein oder andere Problemchen: Mal der Ton weg, mal Knistern aus den Boxen, und gegen gelegentliche Verhaspler war keiner der Acts geschützt. „Das ist eben live. Man darf nicht vergessen: Wir sind keine Profis und machen das alles ehrenamtlich“, so Suchand. Und kam es einem zu einem Fauxpas, so kann man beruhigt sein: Die technischen Nothelfer vom Fernsehen werden solche Fehler fein säuberlich herausschneiden.
Aus der Aufzeichnung werden zwei Sitzungen „gecuttet“: Einmal für die ARD-Sendung „Düsseldorf Helau“, und für den WDR werden Teile in der Sitzung für „Alles unter einer Kappe“ verwendet.
Bis 2010 gilt der Vertrag des CC für die Veranstaltung der TV-Sitzungen. Ob man auf eine Verlängerung hoffen kann? „Nach diesem Abend kann man es definitiv!“, meint Hans-Peter Suchand.
Mehr Berichte und Infos rund um die jecke Zeit finden Sie in unserem Karnevalsspecial.
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