Ein Tag mit dem Prinzenpaar: "Ja, wo bleiben sie denn?"
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 13:21Düsseldorf (RPO). Niemand wird je so sehnsüchtig erwartet, wie das Düsseldorfer Prinzenpaar. Jeder Verein will Dirk und Janine auf seiner Bühne haben. Das erfordert einen Zeitplan, der alles andere als jeck ist. Die Adjutantur und die Fahrer sorgen dafür, dass er eingehalten wird. Und vor allem dafür, dass sich die Hoheiten um nichts zu sorgen brauchen.
Der Tag beginnt am Mittag mit sehnsüchtigen Blicken. Erst sind es die Gerresheimer Jecken, die erwartungsvoll um die Ecke linsen. "Sind sie schon da?" Und dann steht Prinz Dirk neben der Basilika und guckt den weißen Mercedes herbei. "Wo bleibt meine Venetia?"
Dabei sind sie kurz zuvor gemeinsam losgefahren. Aber irgendwas hat Venetien-Fahrer Heinz Hirsch dann wohl aufgehalten. Er bleibt locker: "Vor dem Prinzen dürfen wir sowieso nicht ankommen, das will das Protokoll." Hirsch weiß Bescheid, er fährt die Venetia schon seit 16 Jahren.
"Helau zusammen", heißt es dann um 12.11 Uhr. Das Prinzenpaar der Stadt Düsseldorf macht sich auf den Weg zur Bühne der Gerresheimer Bürgerwehr, auf der es schon vor elf Minuten hätte stehen sollen. Und bis es auf den Brettern steht, dauert's noch. Bützchen müssen verteilt und Bilder gemacht werden – Prinzenalltag.
13 Termine hat die Adjutantur auf dem Zettel. Wolfgang Kühn hat heute den Chef-Hut auf (das ist der mit den großen, rot-weißen Puscheln), und er hat überhaupt keine Zeit. "Wir ziehen das ganz straff durch", sagt er. Und schon gleitet der Prinzen-Tross nach Unterrath. Die KG Elf vom Dörp wartet schon. "Helau zusammen." Bützchen. Sessionslied. Orden. Blümchen. Bützchen. Helau. Und ab in den Wagen, in einer halben Stunde stehen die Hoheiten in der Innenstadt beim Nette-Leut-Biwak.
Rolf Herklotz zuppelt noch rasch den Prinzenkragen zurecht. Der Fahrer kennt die Kleiderordnung bestens, Dirk ist schon sein 18. Prinz. Der freut sich: "Heute ist klasse – wir haben bloß eine Stunde Pause. Da kommt man erst gar nicht wieder runter." Der Zeitplan ist so eng, dass Janine ihr blaues Venetien-Kleid zu Ehren ihrer Leibgarde schon beim ersten Auftritt trägt – obwohl es doch noch siebeneinhalb Stunden bis zur Gala der Blau-Weißen sind. Zum Umziehen ist keine Zeit. Höchstens für einen schnellen Wechsel vom langen, blauschwarzen Nerz in das kurze weiße Felljäckchen.
Vor dem Päuschen stehen noch der Kinderkarneval der Kakaju und die Feier der Diakonie in Garath an. Ein bisschen essen, ein bisschen ruhen und eben noch mal nachschminken – dann ist Zeit fürs Abendprogramm. Tills Freunde feiern im Radschlägersaal. Vom engen Zeitplan des Prinzenpaars merkt keiner was, so entspannt, wie Dirk und Janine auf der Bühne tanzen, schunkeln und Bützchen verteilen.
Wie Fluchtautos vor einer Bank stehen unterdessen die Prinzen-Wagen abfahrbereit vor der Rheinterrasse, Mit Sondererlaubnis, versteht sich. Der weiße Benz der Venetia hat das Kennzeichen VJ-2010, der schwarze von Prinz Dirk PD- 2010. Ein Glücksfall. Nicht immer sind die Nummernschilder passend zu Namen und Jahr frei. Während die Hoheiten noch singen, blicken oben im Maritim-Hotel die Organisiatoren auf die Uhr. "Wo bleiben sie denn?" Die Weißfräcke, bei denen Dirk Kemmer im normalen Leben Senator ist, stehen geduldig für ihren Prinzen Spalier. Eine Viertelstunde später ziehen sie gemeinsam in den Saal und werfen Blumensträuße ins Gala-Publikum.
Leibgarde der Venetia hin oder her – länger als die anderen bekommen auch die Blau-Weissen das Prinzenpaar nicht zu sehen. Das trifft um 20.55 Uhr am Kolpinghaus ein, wo die Stimmung bei der KG Närrische Welthus schon hohe Wellen schlägt. Rasch das Hütchen richten (Venetia ) und noch mal die Fasanenfedern in Positur bringen (Prinz) – dann geht's unter Beifall in den Saal. Drei Musiker, die später dort auftreten, schleppen dieweil ihre Instrumente zu Fuß durch die Carlstadt – das Prinzenpaar parkt in der Einfahrt. "Ausgerechnet jetzt", murrt der Mann mit dem Schlagzeug.
Von wegen "jetzt" – im Zelt in Unterrath hätte "jetzt" schon vor zehn Minuten sein sollen. Hermann Schmitz begrüßt deshalb schon mal das Zweigestirn auf der Bühne, das musikalisch die deutsche Promi-Welt aufs Korn nimmt. Gerade ist es bei der dritten Strophe, als das Prinzenpaar eintrifft. Das muss nun warten. Offizier Mahauer zählt noch mal die Orden der Venetia durch. Das wird nicht reichen. "Wir brauchen die zweite Tasche." 44 Orden hat Janine heute zu vergeben, die erste Hälfte ist schon weg. 2500 verteilt das Prinzenpaar in der Session.
Im Retematäng-Zelt gönnt sich der Prinz das erste Alt des Tages. Die Venetia stößt mit einem Gläschen Weißwein an. "Wer von euch darf Bier?", fragt ein Kellner grinsend die Adjutantur. Dabei hätten die das neulich verhängte Alkoholverbot gar nicht gebraucht – alle Offiziere trinken nämlich Wasser. "Dirk und Scha-niee-ne" ruft Sitzungspräsident Hermann Schmitz nach zehn Minuten die Regenten auf die Bühne. "Sind sie nicht ein schmuckes Paar?" Frenetischer Applaus. Wenn hier eben noch wer sauer wegen der Verspätung war – jetzt sind alle wieder glücklich. Es wird gesungen, geschunkelt und gebützt. Und schon sind sie wieder weg. In der Philippshalle warten nämlich die Weißfräcke schon wieder – für den gemeinsamen Einzug in die Vallourec + Mannesmann-Sitzung.
Im Meilenwerk tagen derweil die Knaasköpp und auch sie warten aufs Prinzenpaar – schon seit einer halben Stunde. Da ist sie wieder, diese Sehnsucht. Muss toll sein, überall so sehr erwünscht zu sein wie ein Düsseldorfer Prinzenpaar.
Das ziemlich genau zwölf Stunden nach dem Gerresheimer Biwak vor der Rheinterrasse ankommt. Diesmal werden sie im Rheingoldsaal erwartet (und: ja, die Weißfräcke sind auch schon da).
Dass zwölf Stunden winken, singen, schunkeln und bützen hinter ihnen liegen, ist weder Janine noch Dirk anzusehen. Obwohl der zugibt: "Ich hab noch nie so viel Creme gebraucht wie in dieser Session." Aber wahrscheinlich ist es vor allem der Spaß an der Sache, der sie so entspannt sein lässt, bis zum letzten Helau, das weit nach Mitternacht gerufen wird. Dann setzt der Prinz die Feierabend-Mütze (ohne Federn) auf – und gönnt sich noch ein Alt.
Mehr zum Karneval in Düsseldorf lesen Sie in unserem Special.
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