Der Mann, der Merkel nackt zeigt: Jacques Tilly - der Provokateur
VON BIRGIT WANNINGER - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010 - 07:44Düsseldorf (RPO). Der Wagenbauer schaut sich seit Jahren den Rosenmontagszug auf der Leiter an. Sein Stammplatz: am Marktplatz/Ecke Marktstraße. Dort fotografiert er für sein Archiv alle Wagen, die er entworfen und gebaut hat – immerhin zwei Drittel des närrischen Lindwurms.
Sein Lieblingswagen heißt: "Wer zuletzt lacht..." Das erzählt Jacques Tilly, bevor der Zoch losgeht. Dabei geht es um den Karikaturenstreit in Dänemark. Zwar nicht mehr ganz aktuell. Aber für den Satiriker ein wichtiges Thema. Eine Hommage an den Kollegen. "Ich finde, was er gemacht hat, war richtig und gut." Zehn politische Mottowagen haben Tilly und sein Team gebaut. Bis zum Montagmorgen wurden sie wie ein Staatsgeheimnis gehütet.
Jetzt, als Zugleiter Hermann Schmitz mit seiner Lokomotive um die Ecke fährt und dem Wagenbauer freundlich zuwinkt, wird dieser hektisch. "Ich muss auf die Leiter." Sein erster Mottowagen ist zu sehen. Obama – der Erlöser, ein gefallener Engel. "Das Grinsen ist verschwunden", sagt Tilly und drückt auf den Auslöser.
Hunderte von Fotos wird er heute noch schießen. Denn jeden Wagen, den er gebaut oder entworfen hat – immerhin zwei Drittel des närrischen Lindwurms – will er dokumentieren. Dafür steht er, wie jedes Jahr, dick eingepackt auf einer Leiter direkt an der Ecke Marktplatz/Marktstraße. Sein Stammplatz.
Kölner bekommen ihr Fett weg
Begeistert ist er vom nächsten Wagen, dem der Sportstadt Düsseldorf. Vor allem, weil die Kölner ihr Fett weg bekommen. Und das ist nicht das einzige Mal. Es folgt eine Erwiderung auf einen Kölner Wagen. Dieses Mal küsst ein Kölner Jeck die kölsche Jungfrau, deren nackter Männerhintern deutlich zu sehen ist. Bis Sonntagnacht hat das Tilly-Team daran gearbeitet. Denn die beiden Kölner stehen auf brüchigem Boden – U-Bahn-Pfusch. Sigmar Gabriel als kleiner, dicker Napoleon und die alte SPD nur noch ein Kadaver – ein Pferde-Skelett. "Die berappelt sich nicht mehr."
Der paradiesische Sündenfall tritt dagegen bei Angela Merkel ein: Eine üppige nackte Kanzlerin greift nach der Steuer-Flucht-CD, die eine Schlange ihr anbietet. Eine nackte Angie, zum fünften Mal. "Die Narren wollen Kanzlerfleisch sehen", sagt Tilly grinsend und erinnert daran, dass die Kölner Merkel an den heiklen Stellen (vor ein paar Jahren) zensiert haben.
Berlusconi in Mafia-Nähe, mit der Aufschrift "Homo Ehe italienisch" im engen "Kontakt" mit einem Mafia-Boss. Für den Wagenbauer die lächerlichste Figur der Weltpolitik. "Wir haben ihm Playboy-Öhrchen aufgesetzt", erklärt er. Aus Plüsch. Der Stoff sei richtig teuer gewesen. Dann die hirnlose Linke ohne Lafontaines Kopf: "Endlich habe ich das Comitée überzeugt, auch die Linke in den Zug zu bringen." Großes Lob für Buddha Elbers. "Der ist so ähnlich, der ist ähnlicher als er selbst", meint Tilly lachend: "Den darf ich so loben, den hat eine Mitarbeiterin gebaut."
Stolz ist er auf den Wagen der Rather Aape mit den Krokussen. "Das war richtig Arbeit, da haben wir uns echt Mühe gegeben – für jedes einzelne Krokus-Blatt." Besonders mag er den Wagen des Prinzenclubs mit den verunstalteten Prinzen – ob sie Haugust heißen oder von Anhalt. Letzterer hat sich übrigens beim Prinzenclub bedankt. "Was Satire ist, hat er nicht kapiert", sagt Tilly und steigt von der Leiter.
Mehr zum Karneval lesen Sie in unserem großen Special.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







