Rosenmontagszug im Vergleich: Jeckes Duell: Düsseldorf - Köln
zuletzt aktualisiert: 20.02.2007 - 10:42Düsseldorf (RPO). Das Erste hat beide Rosenmontagsumzüge jeweils 90 Minuten lang live übertragen. Wir haben das närrische Treiben am Bildschirm bewertet. Drei Punkte bedeuten Topleistungen, zwei sind gut, ein Punkt ist mau.
DÜSSELDORF: „NÄRRISCHE ILLUSIONEN“
Kameraführung/Ton: Die Begrüßungsworte kamen noch gedämpft - wie unter einer Käseglocke - im Fernsehsessel an. Ein paar Mal knisterte und knackte der Ton, dann fluppte es. Die Kameraleute hingegen waren von Beginn an auf Zack: mittendrin, hin und her, auf der Ehrentribüne, in Wagenhöhe, aus der Luft. Und sie bewiesen ein Auge für die netten Randszenen: kreischende Japaner, strahlende Kinder und Kamellevolltreffer mitten ins Gesicht. Kleines Minus: ein bisschen viele Bauch- und Dekolleté-Aufnahmen.
2 Punkte
Moderatoren-Kostüme: Rokoko: Manni Breuckmann blau, Jürgen Hilger-Höltgen gold. Dazu weiße Perücken, Pudergesichter, Handschuhe, Rüschen und sogar Rouge und ein Schönheitsfleck. Schick und originell.
3 Punkte
Jeckes Wissen: Was ist die Düsseldorfer Bürgerwehr? Wie lange dauert die Zug-Vorbereitung? Warum gab’s Knatsch um welchen Mottowagen? Welcher Ehrengast ist da gerade im Bild? Wessen Vereinshaus ist abgebrannt? Vor allen Dingen Hilger-Höltgen hat unglaublich viel Insiderwissen, kommt aber nie altklug rüber.
3 Punkte
Humor: Die beiden nehmen sich nicht so ernst und sind ansteckend albern. Aber: Die üblichen Köln-Seitenhiebe („Wir haben sie gern, so lange sie bleiben, wo sie sind“) nerven. Ebenso die anzüglichen Bemerkungen des Testosteron-überladenen Manni Breuckmann. Aber er riss es raus mit Charme: „Ich entschuldige mich jetzt schon für sämtliche frauenfeindlichen Äußerungen!“
2 Punkte
Stimmung/Laune: Manni Breuckmann (Alt) und Jürgen Hilger-Höltgen (Weißwein) sind rheinisch-begeistert, ohne sich anzubiedern, witzig, ohne einstudiert rüberzukommen, und frech, ohne zu beleidigen. Dazu spontane Gesangs- und Dialekteinlagen - da wurde einfach jeder jeck!
3 Punkte
KÖLN: „MIR ALL SIN KÖLLE“
Kameraführung/Ton: Start misslungen: Los ging’s mit der offiziellen Eröffnungsszene auf dem Balkon, im Hintergrund gedämpfte Musik. Öde. Aber bald kamen Ton und Bild in Schwung: laute Musik, viele Perspektiven, winkende Narren in Fenstern und am Straßenrand, prominente Narren wie Jürgen Rüttgers, Mariele Millowitsch und Fritz Pleitgen. Aber zu viele Aufnahmen von oben. Die waren gut für den Überblick, aber wenig stimmungsvoll.
2 Punkte
Moderatoren-Kostüme: Kostüme? Gisbert Baltes im Zirkusdirektoren-Jackett mit Wappen und Herz auf den Wangen. Willibert Paules mit Hütchen und Pappnase. Jochen Hilgers, der Straßenreporter, hatte wenigstens in der Karnevalskiste gegrabbelt: pinke Perücke, rote Boa, Brille, Ringelhose - zusammengewürfelt, aber bunt.
1 Punkt
Jeckes Wissen: Liederbrauchtum, Wolfgang Niedeckens Geburtshaus, religiöse Hintergründe - alles solide, aber selbst ein VHS-Seminar ist unterhaltsamer. Wenn Willibert Paules dann doch mal etwas lockerer mit der Historie umging („Das war 1800 und ein paar Gequetschte - ist doch ejaaal!“), wurde er umgehend von Gisbert Baltes belehrt. Oder noch schlimmer: abgefragt. Wie unlustig!
1 Punkt
Humor: „Wie heißt der chinesische Verkehrsminister? Um Lei Tung.“ Autsch! Oder: „Wir haben Spaß in den Backen, und die Sonne scheint uns aus dem Hintern!“ Naja, das kam beim Zuschauer ganz anders rüber. Baltes und Paules gingen überhaupt nicht aufeinander ein, waren komplett unspontan und lachten selbst am lautesten über die eigenen doofen Witze.
1 Punkt
Stimmung/Laune: Dezent. Und als Gisbert Baltes (Wasser) und Willibert Paules (Wasser) auch noch die Alkohol-Moral-Keule auspackten, war’s ganz vorbei. Da half nur noch: Ton aus und die tollen Kölner Jecken im Zug und am Straßenrand für sich sprechen lassen.
1 Punkt
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