Rosenmontagszüge: Köln gegen Düsseldorf - der ewige Streit
VON EVA FIEDLER - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 15:55Die Kölner verstehen im Karneval keinen Spaß, sind neidisch auf die frechen Wagen der Landeshauptstadt. Der Düsseldorfer Zoch, so der Gegenvorwurf, lebt allein von der Provokation. Der Knatsch rund um die Rosenmontagszüge ist nicht neu. Ein kleiner Rückblick.
Auch in diesem Jahr gab es wieder Knatsch. Der Düsseldorfer Rosenmontagszug schaffte es mit einer nackten Angela Merkel auch in die überregionalen Tageszeitungen. Die Kölner Karnevalisten hatten das Nachsehen. Das veranlasste den Kölner Zugleiter Christoph Kuckelkorn in der Tagesschau zu sagen: „Der Zug muss nicht allein über die Provokation leben. Das tun Menschen im Norden von Köln. Ich kenne die Stadt nicht genau, es muss irgendein Dorf sein“, was wiederum in Düsseldorf nicht besonders gut ankam.
Die Hassliebe zwischen Kölnern und Düsseldorfern, sie ist mal mehr und mal weniger ausgeprägt. Zu Karneval, insbesondere rund um die Rosenmontagszüge eskaliert das Gekebbel allerdings regelmäßig. So gab es beispielsweise 2005 Ärger, weil der WDR nicht, wie versprochen, nach der ARD-Übertragung den Rest des Düsseldorfer Zuges im Dritten Programm übertragen hatte. Statt dessen sendete der „Landessender“ weiter Bilder aus der Domstadt. Manni Breuckmann redete vor dem Düsseldorfer Rathaus ins Leere.
Kardinal Meisner als Inquisitor
Argumentation beim WDR: Der Kölner Zug habe Verspätung gehabt und man habe sich nicht getraut, vor dem Ende abzubrechen. Die Düsseldorfer waren empört, was wiederum Kölner zu dem hämischen Satz veranlasste, sie würden sich „ihren“ Zug live angucken und nicht am Fernseher.
Dabei sorgten die Düsseldorfer 2005 auch in Köln für Aufregung. Jacques Tilly hatte Kardinal Meisner als Inquisitor bei der Hexenverbrennung gezeigt. Eine Provokation, die nicht bei allen schlecht ankam. Eine Kölner Zeitung lobte den Düsseldorfer Zug als bissiger. Spätestens seitdem scheint die Gefühlslage der Kölner zum Düsseldorfer Zug eine Mischung aus Ärger und Neid zu sein.
Wie sonst ist zu erklären, dass die Kölner vor zwei Jahren versuchten, den Düsseldorfer Wagenbauer Tilly für den Kölner Zug zu gewinnen. Damals sagte der Kölner Zugleiter Kuckelkorn der Rheinischen Post: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir gemeinsam ein Projekt verwirklichen“. Auf der anderen Seite werden die Kölner nicht Müde zu betonen, dass sie Tillys Provokationen in Köln nicht nötig hätten. Öffentlichkeit um jeden Preis, das sei nicht das Ding der Allaf-Rufer.
Historisches Missverständnis
Auch abseits des Rosenmontagszuges sparen Düsseldorfer und Kölner im Karneval nicht mit halb-humorvollen Seitenhieben. So starb die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz am Aschermittwoch natürlich an einem … Kölsch! Und ein großer Hit ist immer wieder das Lied "Da schwimmt 'ne Kölner am Schloßturm vorbei!" Dafür ist in Köln das Vorurteil weit verbreitet, in der "verbotenen Stadt im Norden Kölns" gehe man nur im Frack und mit Lackschuhen Karneval feiern.
Der Knatsch zwischen Kölnern und Düsseldorfern, wenn er dann tatsächlich so alt ist, geht angeblich auf ein historisches Missverständnis zurück. Bei der Schlacht bei Worringen 1288 siegte die weltliche Macht rund um den Grafen Adolf von Berg über den Kölner Erzbischof mit Hilfe der Düsseldorfer Bürger. Zum Dank wurde Düsseldorf zur Stadt erhoben. Vergessen wird dabei, dass die Kölner Bürger damals nicht auf der Seite des Erzbischofs standen.
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