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Bilanz Karneval: Mini-Session: Kürze mit Würze

zuletzt aktualisiert: 06.02.2008 - 08:20

Düsseldorf (RPO). Nicht nur wegen des verregneten Rosenmontags wird diese Session so schnell nicht vergessen werden. Das Prinzenpaar wurde bejubelt, vor allem die kleinen Vereine präsentierten gute Sitzungen und der Lackschuhkarneval feierte sich auf prächtigen Bällen. Tiefpunkt: Die TV-Sitzung.

Diese Session wird aus mehreren Gründen unvergesslich bleiben - hier eine Bilanz. Wobei vorneweg ganz klar dieses Fazit gehört: Das Positive überwiegt. Eindeutig! Hat die Kürze der Session geschadet? Nein. Im Gegenteil - das Sprichwort „In der Kürze liegt die Würze“ hat sich bewahrheitet. Das Ganze war hochkonzentriert, für einige sicher anstrengend, aber unterm Strich konnte kein Gefühl von Übersättigung aufkommen.

Hat man das Problem mit den Flaschenscherben beim Straßenkarneval in den Griff bekommen?Nein. Mag sein, dass es weniger zerbrochenes Glas auf den Straßen gab. Aber solange sich nur die Büdchen daran beteiligen und das Pfand kassieren, geht die Maßnahme ins Leere. Denn die benachbarten Supermärkte haben natürlich weiter Wein, Schnaps und Bier verkauft und wussten angeblich nicht einmal von dieser Aktion. Und fliegenden Händlern, die - wie so häufig - den Trubel nutzen, um schnelles Geld zu verdienen, vertickten ebenfalls ungehindert ihr Hochprozentiges. Kurz: An dem Problem wird man weiter arbeiten müssen.

Hat die TV-Sitzung in dieser Form eine Chance? Mit Sicherheit nicht. Diese Sitzung war gewiss der Tiefpunkt der Session, daran konnte auch der Schnitt in den Studios des WDR nichts ändern. Mehr denn je zeigte sich, dass es nicht gelingt, an Kölner Niveau heranzukommen. Weder bei den Büttenrednern noch bei der Musik. Entweder wird man künftig von außen Künstler einkaufen oder weiter auf diesem Niveau vor sich hin dümpeln. Und ein „Bundeswehrsoldaten“, der es witzig findet, unappetitliche und nur peinlich platte Zoten aus Sohle7 zu erzählen, gehört im karnevalistischen Nirwana verklappt. Dass es auch in Mainz und Aachen nicht wirklich klappt, kann kein Trost sein. Es zeigt aber, wie schwer es ist, Humor im TV zu präsentieren.

Ist der Düsseldorfer Karneval also schlechter als der Kölner? Nein, er ist anders. Und das sollte man pflegen - hier hat man die prachtvollen Bälle des Prinzenclubs, der Garde Blau-Weiss und den Ball Mediterranée. Außerdem sind die kleinen Veranstaltungen wie z.B. der Rather Funken, der Ferkesköpp, der KG Regenbogen witzig, spritzig, unterhaltsam, daher gut besucht und meistens ausverkauft. Aus gutem Grund.

Und: Unser Rosenmontagszug ist nicht nur dank Jacques Tilly unschlagbar (s. auch den Bericht auf der nebenan liegenden Seite), sondern lebt auch von der Fantasie der Fußgruppen und Vereine. Beispielsweise hatten die Kittelbacher Blumenkinder einen pfiffigen Wagen zum Thema Kö-Bogen („Man kann och alles överdrieve - auch die Bau-Wut). Leider lief der ganz am Ende des Zuges. Aber vielleicht wollte man den OB nicht verärgern. . .

Hat es Hermann Schmitz geschafft, seine Schrottgala zu altem Glanz zu bringen? Ja. Nach einer schwachen Vorstellung 2007 hat es Hermann Schmitz erneut verstanden, einen kleinen, aber dafür umso besseren Höhepunkt im Karneval zu setzen. Lachkrampf verursachende Künstler (allerdings von außerhalb eingekauft!), gute Musik, und am Ende die ebenso unvermeidliche wie unschlagbare Gaby Maibaum als schräger Star der Nacht.

Wie sah die Polizei diese Session? Mit 3259 Einsätzen von Altweiber bis Rosenmontag hatten die Beamten ein bisschen weniger zu tun als im vergangenen Jahr (3311 Einsätze). Das habe auch am Einsatzkonzept gelegen: Mehr als 200 Polizisten waren täglich in der Innenstadt präsent, achteten vor allem auf alkoholisierte Jugendliche und potenzielle Randalierer im Auge, griffen rechtzeitig ein. So kam es zu deutlich weniger Körperverletzungen im Karneval: 95 gegenüber 195 im vergangenen Jahr, auch Schlägereien eskalierten seltener: 61 mal griff die Polizei ein (2007: 83). Öfter dagegen blieb’s beim Streit (184 Einsätze, 155 im Vorjahr.)

333 Einsätze fuhr der Rettungsdienst der Feuerwehr allein am Rosenmontag, 94 davon waren „karnevalstypisch: zu viel Alkohol, Kreislaufschwächen, Sturzverletzungen. 283 Sanitäter und sieben Notärzte waren bis zum Abend im Einsatz.

Wie kam die neue Route des Rosenmontagszuges an? Schwer zu sagen, vor allem am Ende (Hofgarten, Kaiserstraße) fuhren die Wagen vor wenig oder gar keinem Publikum. Das jedoch kann am Regen gelegen haben. Die Route wird eh noch diskutiert werden - schließlich lief der Zug früher durch Teile von Bilk und mehr Anwohner konnten ihn sehen.

Quelle: RP

 
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