Interview mit Monsignore Robert Klein: „Mundart ja, aber in Grenzen“
zuletzt aktualisiert: 18.01.2008 - 08:21Monsignore Robert Klein vom Erzbistum Köln über Messen auf Platt und Kostüme in der Kirche. Weil Gottesdienst keine Folklore ist, muss in den wesentlichen Teilen Hochdeutsch gesprochen werden.
Die in Düsseldorf sehr populären Messen auf Platt sollen so nicht mehr stattfinden, meint das Erzbistum Köln. Mundart sei zwar erlaubt und auch erwünscht, aber nicht in allen Teilen des Gottesdienstes. In einer „Handreichung“ an alle Pfarren wies das Erzbistum nun nochmals auf die schon lange bestehenden Regeln hin. Sowohl in Eller wie auch in Bilk und in der Altstadt werden regelmäßig Messen auf Platt gelesen. Nicht nur zur Karnevalszeit. Wir sprachen darüber mit Monsignore Robert Kleine (44) vom Erzbistum Köln. Er ist dort Leiter der Hauptabteilung Seelsorge.
Was war der Anlass für die Handreichung?
Kleine Es hatte einzelne Beschwerden im Raum Köln über allzu viel karnevalistische Elemente in Messen gegeben. „Bei uns ist es wie in einer Sitzung“, hieß es. Daraufhin haben wir uns entschlossen, nochmals auf Grenzen hinzuweisen.
Wann ist denn nun die Mundart akzeptabel?
Kleine Grundsätzlich ist Mundart etwas Positives. Aber die Messe ist keine private Feier, sondern eingebettet in die Weltkirche. Sie soll einheitsstiftend sein, daher sind die offiziellen Gebete überall gleich und sollen nicht verändert werden.
Und in Mundart werden sie verändert?
Kleine Ja, denn sie werden ja übersetzt. Und das meist nicht wörtlich, das jedoch widerspricht der Einheit im Beten. Deshalb haben wir uns ja auch auf eine einheitliche Übersetzung der Bibel festgelegt.
Wie ist es mit Dialekt?
Kleine Wenn man der Stimme eines Pfarrers anhört, dass er aus einer bestimmten Region kommt, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Es ist uns ganz wichtig zu betonen, dass der Kardinal keinem einen Riegel vorschiebt, sondern dass ihm sehr an regionalen Eigenarten liegt.
Welche Teile der Messe dürfen nicht auf Platt gesprochen werden?
Kleine Alle offiziellen Gebete, auch das Hochgebet nicht, und auch das Evangelium. Man muss doch bedenken: In der Messe begegnen wir Gott, und er begegnet uns. Da muss die Sprache angemessen sein. Es handelt sich hier schließlich nicht um ein Stück Folklore, sondern um einen konkreten Gottesdienst, in dem wir Gott ansprechen. Aber wir lassen heute Mundart weitaus umfassender zu als nach den bisher geltenden Richtlinien von 1979. Es können sogar Kirchenlieder auf Mundart gesungen werden.
Wie unterscheidet die Kirche denn nun Kostüme und Uniformen? Uniformen in der Kirche akzeptieren sie, Kostüme nicht.
Kleine Uniformen, wie sie Schützen, Feuerwehrleute, aber auch die Garden im Karneval tragen, sind Teil eines Brauchtums, das meist übers gesamte Jahr gelebt wird. Die Menschen präsentieren sich darin als Gemeinschaft, die das Gemeinleben mitgestaltet.
Und Kostüme?
Kleine Das Kostüm ist ja auf den Karneval beschränkt. Wer es trägt, der spielt einen anderen. Aber wenn wir vor Gott treten, sind wir wir selbst. Daher ist ein Kostüm besonders für Erwachsene unangebracht.
Und wie ist das mit der Jungfrau des Kölner Dreigestirns? Die wird von einem Mann gespielt - und dennoch ist das Dreigestirn im Gottesdienst im Dom kein Problem?
Kleine Das Kölner Dreigestirn ist für uns ein Repräsentant des Volkes, und von daher ist sein Mitfeiern im Gottesdienst nicht zu beanstanden. Das Ornat des Dreigestirns hat eine lange Tradition. Das Ganze gilt natürlich auch für Prinz und Venetia.
Die Düsseldorfer Mundartfreunde und Karnevalisten, die Messen auf Platt zelebrieren, fühlen sich jetzt vom Erzbistum bevormundet. Was würden sie denen nun sagen?
Kleine Ich würde ihnen sagen „Schön, dass Sie das Brauchtum hochhalten!“ Mundart hat ihren Platz, auch im Gottesdienst. Aber es ist ein Gottesdienst - und da gibt es den Vorrang für die liturgische Bedeutung. Daher muss die Mundart im Gottesdienst auf bestimmte Bereiche beschränkt werden.
In Düsseldorf wurden Tagesgebet, Kyrie, Evangelium und Glaubensbekenntnis auf Platt gesprochen - geht das?
Kleine Das verstößt gegen unsere Regeln.
Hans Onkelbach führte das Gespräch
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