Margot Sonne kommentiert für RP Online die Karnevals-Session 2003/04: Orden sind das halbe Leben
zuletzt aktualisiert: 20.01.2004 - 13:24Düsseldorf (dto). Wenn Sie sich schon mal zufällig oder absichtlich auf eine der Düsseldorfer Sitzungen verirrt haben, dann ist es Ihnen sicher schon aufgefallen: Der Jeck an sich trägt gerne einen Orden. So weit, so gut! Schon im Jahr 1887 schmückten sich die Mitglieder von Düsseldorfs ältestem Karnevalsverein, dem AVDK, mit einem jecken Umhängsel. Und weil ja im Karneval alles, was dreimal passiert ist, als Tradition gefeiert und hochgehalten wird, darf man wohl davon ausgehen, dass sich schon kurze Zeit später das Ordenverleihen und -tragen bei den Jecken etabliert haben dürfte.
Doch während es früher oft schlichtere Zierstücke waren, haben sich die Karnevalisten heute weit von der Basis entfernt. Nicht selten ähnelt das, was der Jeck an der stolzgeschwellten Brust zur Schau trägt, einer Rheinkirmes im Kleinformat: es blitzt und blinkt dank des Einsatzes von Leuchtdioden oder Glitzersteinen. Es rotiert oder es reflektiert auf eine vermutlich von Nasa-Ingenieuren in jahrelanger intensiver Forschungstätigkeit ausgetüftelte Art und Weise so sehr, dass der Betrachter oftmals verzweifelt in Jacke oder Mantel nach seiner Sonnenbrille sucht.
Die kann dann gleich in zweifacher Weise als Sichtschutz diesen. Oft ist nämlich das, was der Verein als Orden ausgibt, eher eine optische Scheußlichkeit, die nach dem Erhalt schnellstmöglich wieder abgenommen wird und entweder bei einem bekannten Internet-Auktionshaus verramscht wird oder auf dem Flohmarkt allenfalls bei unseren sehbehinderten Mitbürgern Anklang findet.
Auch Prinz Rüdiger ist aufgefallen, dass mit den Düsseldorfer Orden nicht mehr alles zum Besten steht. Rüdiger, als Doktor der Orthopädie, denkt natürlich in diesem Zusammenhang weniger an die Augen, sondern mehr an die Knochen: Der Sessionsorden der Prinzengarde Rot-Weiss hat zwar ein ansprechendes Design, aber leider den Durchmesser eines Suppentellers und ein entsprechendes Gewicht. Insider wissen bereits von bleibenden Wundmalen an durchgescheuerten Karnevalistenhälsen zu berichten.
Rüdiger dagegen freut sich, rechnet er doch bei fortgesetztem Tragen der Session mit vielen neuen Patienten nach der Session: „Da können wir dann in aller Ruhe noch mal drüber sprechen, wie schön die Session war!“ Und natürlich darüber, wie schön die Orden waren, vermutet …
Ihre Margot Sonne
(Margot Sonne kommentiert jeden Dienstag bei RP Online das Geschehen im Düsseldorfer Karneval. Das nächste Mal am 27. Januar)
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