Karneval: Prinz zu sein kostet 75.000 Euro
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 16.11.2010 - 07:13Düsseldorf (RPO). Wer in Düsseldorf eine Session lang im Karneval die Mütze mit den ganz langen Federn tragen und sich im Rosenmontagszug bejubeln lassen will, muss tief in die eigene Tasche greifen. Der Wagen im Zoch, Orden, Empfänge, das Kostüm gehen ins Geld. Nicht jeder wird von Sponsoren unterstützt.
Buchstäblich ein teures Vergnüggen: In Düsseldorf eine Session lang Prinz Karneval zu sein, kostet im Durchschnitt 75.000 Euro. Manche schaffen es ein bisschen preiswerter, andere machen es wie beim Autokauf, leisten sich noch ein paar schöne Extras – und knacken locker die 100.000-Euro-Grenze. Drei Prinzen aus den letzten 14 Jahren, mit denen die RP gestern sprach, bestätigen das. Mit Namen genannt werden wollen sie lieber nicht.
CC-Geschäftsführer Jürgen Rieck hat damit dagegen kein Problem: Er bestätigte die Kalkulation und machte auch klar, dass diese Summen keineswegs ein Hinderungsgrund für Bewerber sind. Rieck: "Uns liegen schon mehrere Bewerbungen für das nächste Jahr vor. Wir haben jeweils darauf hingewiesen, dass das Ganze ab 60 000 Euro kosten wird. Aber das war für keinen ein Problem!"
Teure Würde
Auch anderen Würdenträger im Karneval ist dieser Auftritt lieb und teuer. Ein Beispiel: Wer bei der Garde Blau-Weiss als General à la Suite genannt werden und auftreten will, ist schnell mit einer fünfstelligen Summe dabei: Sektempfang, Gästebewirtung, ein Abendessen für die Garde und die Uniform kosten viel Geld.
Der Venetia geht es da übrigens deutlich besser. Ihre Kleider werden zur Verfügung gestellt (von Eickhoff), der Pelz ist eine Leihgabe von Slupinski – allerdings muss sie ihre Schuhe selbst kaufen. Und ihre Gard Blau-Weiss einmal zum Essen einladen. Das ist so üblich und kostet, je nach Angebot, zwischen 3000 und 5000 Euro.
Ganz anders beim Prinzen.
Die Robe Mütze mit langen Fasanenfedern, das reichlich bestickte Wams, die aufgepluderte, kurze Hose, die weiße Strumpfhose und die roten Schuhe sind am Ende für rund 5500 Euro auf der Rechnung.
Die Orden Kein Prinz kann ohne diese Blech-Auszeichungen Helau-Rufe ernten. Bei vielen sind sie heiß begehrt – und bestimmte Leute nicht damit zu behängen gilt als arger Frevel. Rund 2000 Stück braucht man pro Saison – unter dem Strich kosten sie, da standesgemäß gestaltet, rund 25.000 bis 30.000 Euro.
Der Wagen Das Gefährt des Prinzen im Rosenmontagszug ist der Höhepunkt des Umzuges, der Wagen hat prächtig zu sein. Wagenbauer Jacques Tilly gibt sich daher auch die größte Mühe – und lässt sich das entsprechend bezahlen. Am Ende kassiert er vom Prinzen etwa 15 000 Euro dafür.
Das Wurfmaterial Will der Prinz was Besonderes, darf er das kaufen – und dafür zwischen 5000 und 10.000 Euro bezahlen.
Das Stammquartier Fahrer, Adjutantur, und Prinzenführer haben zwischen Prinzenkürung und Aschermittwoch eine feste Anlaufstelle in einer Kneipe. Getränke und Essen gehen zu Lasten des Chefs: Pro Abend sind das schnell 200 Euro, je nach Länge der Session macht das einige tausend.
Das Garde-Essen Auch der Prinz hat seine eigene Leib-Garde: Rot-Weiss ist für ihn zuständig. Dafür bedankt er sich mit mindestens einem Abendessen und begleicht am Ende die Rechnung von 3000 bis 5000 Euro.
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