Berliner im RP-Test: Süßen Ballen geht’s an den Kragen
VON S. ROLLMANN, F. VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 14.02.2007 - 09:40Düsseldorf (RPO). Gleichmäßige Kruste, breite, helle „Bauchbinde“, ein locker-luftiger Hefeteig, der noch dazu entsprechend duftet - so sollte er sein, der perfekte Berliner. Doch die Unterschiede sind groß. Die Rheinische Post hat die Berliner von sieben Bäckereien getestet. Zweimal gab’s für den Geschmack die Note „mangelhaft“.
In den närrischen Tagen kommen sie in Massen über uns: Rundlich, goldbraun und zuckerverziert fordern sie in den Auslagen der Bäckereien zum Reinbeißen auf. Zu Zehntausenden wandern sie Karneval in knurrende Narrenmägen und schaffen die gehaltvolle Grundlage für alles, was folgt.
Wer aber schaut schon genauer hin, wo er da hineinbeißt? Wer hält seine Nase in den Teig, befühlt die Oberfläche und begutachtet die Kalorienbombe ganz genau? Rund 250 Filialen von etwa 60 Bäckerbetrieben gibt es in Düsseldorf. Wir haben sieben ausgewählt und die Probe aufs Exempel gemacht. Weil die Ballen einander zwar nicht gleichen wie ein Ei dem anderen, weil aber dem ungeschulten Auge die kleinen Unterschiede leicht entgehen, haben wir professionellen Rat gesucht: Josef Hinkel, Obermeister der Bäckerinnung, und Bäckermeister Christoph Pass gaben Tipps, was den erstklassigen Berliner ausmacht.
Das fängt bei der Optik an und hört bei der Marmeladenfüllung noch lange nicht auf: Wichtiges Qualitätsmerkmal für den Profi ist der Kragen, also die helle „Bauchbinde“ des Berliners (s. Interview). Und ein frischer Hefeteig sollte natürlich auch entsprechend duften. Fettstreifen im Innern sind nicht gern gesehen, und wenn sich die Kruste vom Teig trennt, tut auch das dem Krapfen-Genuss Abbruch.
Nach knapp zwei Stunden stand ein klarer Sieger fest: Thomas Puppe aus Oberkassel backt die besten Ballen. Wir konnten kaum etwas aussetzen (s.unten): Für Berliner mit diesem Volumen hätte es lediglich ein bisschen mehr Marmelade sein dürfen. Auf den Plätzen folgen die Kollegen Behmer, Oehme und - Großbäcker Kamps, der ebenfalls ein „gutes“ Ergebnis erreichte.
Weniger erfreuliche Ergebnisse gab es auch. Besonders überraschend: Terbuykens Berliner fallen im Geschmackstest durch. Eine Fettschicht machte die untere Hälfte fast ungenießbar. Wer’s sich leisten kann, sollte sich auf den oberen Teil beschränken. Der Kragen war eingefallen - direkt nach dem Backen müsste das Exemplar noch einen stattlichen Anblick geboten haben. Am späten Vormittag war davon aber nicht viel übrig. Positiv: die leckere Erdbeer-Füllung.
Eindeutiger Testverlierer sind die Berliner des Discount-Produzenten Backwerk. Zwar unschlagbar preiswert, bieten sie optisch ein eher mickriges Bild. Berliner-Duft war kaum festzustellen, eine Fettschicht zerstört den Geschmack, der Teig ist zu fest - für den Rosenmontag eher ein Wurfgeschoss als eine Narrenspeise.
Fast außer Konkurrenz liefen die Bio-Berliner der Vollkornbäckerei Hercules. Mit Dinkel ein ordentliches Volumen zu erzielen, sei extrem schwierig, sagt Fachmann Josef Hinkel. Fürs Auge und für die Zunge seien die Ergebnisse da zwangsläufig ganz andere. Geschmackssache also. Trotzdem hat uns das Resultat nicht wirklich überzeugt. Und 1,20 Euro für einen Berliner dieser Größe ist mehr als reichlich.
Ein positives Fazit gab’s zum Schluss dennoch: Die Berliner der Spitzengruppe liegen allesamt dicht beieinander. Wenn das närrische Fieber seinen Höhepunkt erreicht, stehen die Chancen für die Jecken also gut, beim Karnevalsgebäck Nummer eins keine herbe Enttäuschung zu erleben.
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