Ärger mit der Nachbarschaft: Kassenärzte verteidigen Methadon-Praxis
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 13.09.2009 - 10:45Düsseldorf (RPO). Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein verteidigt die drei Düsseldorfer Schwerpunktpraxen, in denen mehrere hundert Drogenkranke mit Methadon versorgt werden. Die hätten sich "dieser Aufgabe angenommen, wohl wissend, dass diese Patientengruppe einer besonderen Betreuung bedarf".
Dass der Betrieb dieser Großpraxen erhebliche Störungen für ihre Nachbarn mit sich bringt, ficht die KV nicht an: "Für die öffentliche Ordnung jedoch sind die Kollegen nicht zuständig", erklärte KV-Vorstand Klaus Enderer. Das sei Sache von Ordnungsamt und Polizei.
Zugleich griff Enderer den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses an: Wolfgang Janetzki (CDU) hatte im Gespräch mit der RP das Methadon-Abgabeverfahren für gescheitert erklärt. Das Prozedere habe dazu geführt, dass einige Praxen zu viele Patienten annähmen und die soziale Betreuung dabei auf der Strecke bleibe. Solche Äußerungen, konterte der KV-Chef Freitag, zeugten von "Unwissenheit".
Studien belegten, dass sich durch die Substitution mit Methadon der Gesundheitszustand der Suchtkranken bessere und Beschaffungskriminalität zurückgehe. Im Umfeld der Großpraxen, die bei Experten in der Suchtkrankenhilfe als "Tankstellen" verschrien sind, in denen es mehr um Gewinn als um den Drogenausstieg gehe, klagen Nachbarn täglich über Verunreinigungen und Lärm durch alkoholisierte Methadon-Empfänger.
Bei einer "ordentlichen sozialen Betreuung", sind sich die Fachleute einig, "gäbe es diese Begleiterscheinungen nicht". Beispielhaft seien die städtischen Ausgabestellen und die Ärzte, die weniger Substituierte betreuen.
Die KV, in deren Vorstand auch die Betreiberin einer der Großpraxen sitzt, erklärte jedoch, auch in diesen Praxen sei "die psychosoziale Betreuung gewährleistet".
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