St.-Franziskus-Schule: Keine Auswahl nach Herkunft
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 16.09.2009 - 07:56Düsseldorf (RPO). Eltern warfen der St.-Franziskus-Schule vor, eine fast reine Migrantenklasse gebildet zu haben, die Schulleitung bestreitet das. Zwar gibt es eine solche Klasse tatsächlich nicht. Unglücklich agiert hat die Schule dennoch.
Der Vorwurf klang nach einer Ungeheuerlichkeit: An der katholischen Grundschule St. Franziskus in Mörsenbroich sollte es bei der Klassenbildung der i-Dötzchen zu zwei deutschen und einer Migrantenklasse gekommen sein. Bewahrheitet hat sich der Vorwurf nicht. Doch wie konnte es zu der Unruhe überhaupt kommen?
Einige Eltern der vermeintlichen Migrantenklasse, der 1c, hatten den Vorwurf formuliert. Bei der Schuleingangsfeier habe man sehen können, dass 1a und 1b aus blonden deutschen Kindern bestehe, die eigene Klasse sei aber besetzt mit dunkelhäutigen und dunkelhaarigen Schulanfängern. In ihr seien die Kinder mit eingewanderten Eltern nahezu komplett unter sich – Integration ade.
"Wir möchten aber, dass unsere Kinder mit Deutschen unterrichtet werden, auch der Sprache wegen", sagten die Eltern. Ein legitimer Anspruch. Sie wollten eine neue Zusammenstellung der Klassen erreichen. Als die Schulleitung dem nicht nachkam, wurden zwei Kinder von der Schule abgemeldet, drei weitere Familien überlegen, diesen Schritt auch zu gehen.
Nach den Namenslisten der Klassen, die der RP vorliegen, haben in der 1a zwölf von 26 Kindern eine Zuwanderungsgeschichte. In der 1b sind es 13 Kinder. Nahezu halbe-halbe, von deutschen Klassen kann keine Rede sein. In der 1c deuten 15 von 25 Namen auf einen Migrationshintergrund. Laut Bezirksregierung sind es 18 – was bedeutet, dass drei Kinder keinen ausländisch anmutenden Namen, aber eine Migrationsgeschichte haben.
Den "Überhang" von zwei bis fünf Kindern in der 1c erklärte die Schulleiterin auf Anfrage der Rheinischen Post unter anderem mit den Wünschen der Kinder, denen sie versucht hat, nachzukommen. So wollten einige "Migrantenkinder", die sich kannten, in der Schule zusammenbleiben. Zudem seien nur sieben Kinder der 1c im Sprachförder-Unterricht der Kita gewesen – alle anderen seien fit in Deutsch. Diese Quote gilt als sehr gut. Auch der Düsseldorfer Integrationsexperte Michael Kiefer von der Aktion Gemeinwesen und Beratung (AGB), mit den Zahlen konfrontiert, sieht in den Klassen-Konstellationen keine Diskriminierung und nennt die Zusammenstellung unproblematisch. Einen Grund, die Klassen auseinanderzunehmen und anders zusammenzusetzen, sahen weder die Schulleitung noch die Bezirksregierung: Nicht allen Kindern aus Einwandererfamilien merke man ihre Herkunft an, auch deuten nicht alle Namen darauf hin – wie etwa bei skandinavischen Familien. So versuchte die Bezirksregierung das "Gefühl" zu erklären, das die Eltern beschlichen hatte. Klärende Gespräche gab es nicht.
In diesem Zusammenhang schwierig zu beantworten ist ganz sicher die Frage, wann ein Kind als "Migrant" gelistet wird und ab wann es als deutsches Kind gilt. Ein Vater, der zu den aufgebrachten Eltern gehört hatte, hat nach einem Blick auf die Namenslisten jedenfalls eingelenkt: Ganz offensichtlich seien auch in den anderen Klassen Kinder aus Einwanderer-Familien – und eben nicht nur in der 1c. Der Schulleiterin sei kein Vorwurf zu machen, sagt der Vater heute.
Doch wirft gerade das späte Einlenken ein Licht auf das eigentliche Problem. Möglich, dass die Schulleitung bei der Zusammenstellung der Klassen ein "unglückliches Händchen" hatte, wie Schulausschuss-Vorsitzender Wolfgang Scheffler es formuliert. Sicher ist aber, dass die Schulleiterin es versäumt hat, ausführlich aufzuklären. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat sie nicht die Initiative ergriffen und sich erklärt. Die Eltern fühlten sich zu keinem Zeitpunkt ernst genommen und vor allem fühlten sie sich in ihren Befürchtungen bestätigt. Die Spirale drehte sich in immer unerwünschtere Höhen.
Ein Lehrstück ist St.-Franziskus aber aus einem anderen Grunde. Es hat offensichtlich gemacht, dass auch "Migranten-Eltern" sensibler und selbstbewusster geworden sind, ihre Interessen notfalls drastisch durchsetzen. Die Rektoren sind laut Scheffler ohnehin gut beraten, ihre Anmelde- und Aufnahmeverfahren transparent zu machen – auch an den weiterführenden Schulen. Es gebe immer wieder Eltern, die eine Übervorteilung oder Diskriminierung ihrer Kinder befürchteten; dem könnten die Schulen zuvorkommen.
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