Tochter aus Wut die Haare abgeschnitten: Kinder jahrelang grausam gequält
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 06.12.2007 - 08:44Düsseldorf (RPO). Zu Prozessbeginn gegen ein Elternpaar, das seine drei Kinder jahrelang misshandelt und grausam gequält haben soll, wies die 37-jährige Mutter gestern vor dem Landgericht fast alle Vorwürfe zurück. Ihr Mann sagte kein Wort zu den Anklagepunkten wegen „roher Misshandlungen“.
Sie wusste, für ihre 13-jährige Tochter waren ihre schönen Haare „ihr Ein und Alles“. Gerade deshalb hat die 37-jährige Mutter ihrem Kind die Haare aus Wut einfach abgeschnitten. Das gab sie als Angeklagte gestern vor dem Landgericht zu. Doch nach den Vorwürfen des Staatsanwalts sollen die Frau und ihr 40-jähriger Mann ihren insgesamt drei Kindern noch viel Schlimmeres angetan haben. In neun Anklagepunkten wird dem Ehepaar vorgeworfen, alle drei Kinder über Jahre in einem Klima von Gewalt und Angst grausam gequält zu haben. Die Mutter wies das gestern empört zurück. Der Vater schwieg sich zu Prozessbeginn aus.
„Gewalt!“ Die rothaarige Angeklagte im rosafarbenen Pulli zuckte mit den Schultern. „Das Wort verstehe ich gar nicht!“ Die Anklageliste voller roher Misshandlungen Schutzbefohlener, gefährlicher Körperverletzung der Eltern an ihren Kindern, Freiheitsberaubung, Bedrohung - „das ist ein Horror für mich“, so die Mutter. Warum die Kinder jedoch Lügen erzählen, ihre Eltern zu Unrecht belasten sollten, konnte sie nicht erklären.
So soll die Frau ihre älteste Tochter, als sie 14 war, mit einem Gürtel quer durch die Wohnung gepeitscht haben - weil das Mädchen angeblich Drogen genommen hatte. Ihrer jüngeren Tochter soll sie nicht nur die Haare gestutzt, sondern sie mit Fäusten traktiert, mit einem Gürtel gewürgt, gemeinsam mit ihrem Mann das Kind eine Stunde lang verprügelt haben - und dann sollen beide Eltern auf dem Mädchen herumgetrampelt haben. Der Mann habe dem Kind mit einem Fleischklopfer auf Hände, Knie und Kopf geschlagen.
Kopfschüttelnd hörte die Mutter zu, als der Staatsanwalt diese Vorwürfe vorlas. „Ich hab’ da kein Wort dafür“, so die 37-Jährige. „Gut, ich habe mit den Kindern viel geschrieen, hab’ getobt, gebrüllt.“ Auch habe sie „zwanzigmal am Tag gedroht, ich bring’ dich um“. Aber das sei in der bosnischen Heimat von ihr und ihrem Mann „normal“, nie ernst gemeint. Auch habe sie „nie“ mitbekommen, dass ihr Mann dem sechsjährigen Sohn drohte, er werde ihm die Finger abschneiden, wenn er sich beim Lesen verhaspelt hat. Gewalt, so die Angeklagte, sei in ihrer Familie kein Thema gewesen.
Indes, gab sie zu, sei sie doch einmal „durchgedreht“, habe ihre 13-jährige Tochter mit den schönen Haaren an einem Abend im Mai 2006 „rechts und links und immer weiter“ geohrfeigt. Da trafen sie und ihr Mann das Kind nahe der Charlottenstraße - und die 13-Jährige habe zu allen Fragen geschwiegen. Die Eltern fürchteten, das Kind habe sich prostituiert. Nach stundenlanger Misshandlung „haben mir meine Hände weh getan vom Schlagen“, so die Mutter. Als das Jugendamt das Mädchen am nächsten Tag aus der Wohnung holte, musste es fünf Tage in einer Klinik bleiben. Der Mann der Angeklagten, der als Soldat im Bosnien-Krieg desertiert war und sich nach Deutschland gerettet hatte, sagte zu den Vorwürfen kein Wort. Der Prozess wird heute mit der Vernehmung der Töchter fortgesetzt.
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