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Diskussionsrunde: Anwohner-Streit um längere Kirmes

VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 24.07.2009 - 07:50

Düsseldorf (RPO). Hochemotional wird über eine mögliche Verlängerung der Größten Kirmes am Rhein von neun auf 16 Tagen diskutiert. Die Oberkasseler Bürger verschafften bei der mobilen RP-Redaktion ihrer Wut Luft. Einige Anwohner sehen auch Chancen in einer längeren Kirmes.

Heftige Diskussionen bei der mobilen Redaktion. Schützen und Schausteller wurden von einigen Anwohnern heftig angegriffen.  Foto: RP, Andreas Bretz
Heftige Diskussionen bei der mobilen Redaktion. Schützen und Schausteller wurden von einigen Anwohnern heftig angegriffen. Foto: RP, Andreas Bretz

Nichts bewegt die Anrainer derzeit mehr als das Thema Kirmesverlängerung. St.-Sebastianus-Schützen und Schausteller würden gerne statt neun 16 Tage lang die Größte Kirmes am Rhein feiern. Viele Anwohner haben dafür kein Verständnis. Bei der mobilen Redaktion der RP gestern in Oberkassel prallten die Meinungen aufeinander.

Marianne Franke wohnt seit 70 Jahren in Oberkassel. "Die Kirmes gehört zu meiner Kindheit, und sie soll auch hier bleiben. Aber neun Tage sind genug." "Eine Verlängerung kann man den Anwohnern einfach nicht zumuten", meint auch Grünen-Politikerin Marlies Balkenhol, die in der Cheruskerstraße wohnt. "Nachts das Gröhlen bis fünf Uhr. Unsere Vorgärten werden zu öffentlichen Toiletten. Neun Tage kann man das aushalten – 16 Tage nicht."

Vor allem die Parkplatzsituation regt die Anwohner auf. "Vor unseren Häusern stehen Autos mit Kölner oder Mönchengladbacher Kennzeichen, und wir finden keinen Parkplatz", sagt Joachim von Richter aus Oberkassel. Die Absperrungen funktionieren nach Ansicht vieler Leser nur schlecht. "Es kann doch nicht sein, dass viele rückwärts durch die Einbahnstraßen die Absperrungen umfahren", regt sich von Richter auf.

Andere Anwohner, wie Birgit Feld, gehen einen Schritt weiter: Sie wollen die Kirmes am liebsten auf den Messeplatz verlegen. Dort wäre Platz genug für Autos und Fahrgeschäfte. Und Anwohner gäbe es dort ohnehin keine, lauteten die Argumente. Obendrein könne man das Fest immer noch "Kirmes am Rhein" nennen.

Das geht den Kirmesmachern entschieden zu weit. "Dann können wir ja gleich den Rosenmontagsumzug aufs Messegelände verlegen", schimpft Schausteller Oscar Bruch jun. "Ich finde diese Forderung schlicht unverschämt. Düsseldorf ist doch kein Luftkurort." Die Schausteller sehen die Kirmes als Großattraktion in Gefahr. "Die Umsätze der Schausteller sind zurückgegangen. Wenn wir die Kirmes nicht wirtschaftlich attraktiv halten, wird das Fest genauso veröden wie die große Kirmes in Hannover", mahnt der Vorsitzende der Düsseldorfer Schausteller, Bruno Schmelter. Er ist zuversichtlich, den Lärm in den Griff zu bekommen.

Philipp Grabensee versteht die Aufregung um die Verlängerung nicht: "Ich wohne und arbeite dirket an der Kirmes und empfinde das Ganze nicht als Lärmbelastung." Karin Diener hat Verständnis für die Betreiber der Fahrgeschäfte: "Ich bin für die Verlängerung. Die Kirmes muss wirtschaftlich bleiben. Die Veranstaltung ist ein Aushängeschild von Düsseldorf – und für eine attraktive Stadt muss man schon mal ein Opfer bringen", sagt die Anwohnerin.

Nina-Thea Ungermann von der Markgrafenstraße meint: "Bei 16 Tagen verteilt sich der Andrang besser. Selbst wenn insgesamt die Zahl steigt, werden ja nicht doppelt so viele Menschen kommen." Andere Anwohner machen Kompromissvorschläge. "Wenn die Veranstalter anbieten, täglich früher Schluss zu machen, könnte man über Verlängerung diskutieren", sagt Hanne von Schaumann-Werder. Schützenchef Lothar Inden hat signalisiert: "Darüber können wir nachdenken. Wir müssen uns an einen Tisch setzen."

Umweltschutzaspekte stellen die Deichwächter in den Vordergrund ihrer Kirmeskritik. "Der Landschaftsschutz erlaubt die Kirmes nur in der Länge, in der Bestandsschutz gilt, und das sind neun Tage und nicht mehr", argumentiert Deichwächter Helmar Lang. Besonders die Renaturierungen an den Wiesen seien "nur Kosmetik". Dem widersprach Schützenchef Inden vehement. "Die Wiesen werden von der Stadt nach der Renaturierung abgenommen. Mögliche Mängel können dann beseitigt werden", so Inden.

Einen fünfstelligen Betrag gäben die Schützen jährlich für die Wiederherstellung der Rheinwiesen aus. Eine erste Annäherung gibt es schon. Schützenchef, Deichwächter und Schausteller haben vereinbart, die Kirmeswiesen nach der Renaturierung gemeinsam zu inspizieren.

Alles zur Größten Kirmes am Rhein lesen Sie in unserem Special.

Quelle: RP

 
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