Kirmesstreit: Marschmusik statt Chansons
VON JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 06.07.2007 - 08:26Düsseldorf (RPO). Wenn die Schützen ihren Zapfenstreich abhalten, muss beim Frankreichfest im Rathaus-Innenhof die Musik schweigen. Schützenoberst Günther Pannenbecker ärgert die Kollision der Kirmes mit dem Frankreichfest.
Schützenoberst Günther Pannenbecker ärgert die Terminkollision zwischen dem Fest seines St.Sebastianus Schützenvereins und dem Frankreichfest am übernächsten Wochenende. „Das muss man künftig überdenken“, sagte er gestern bei der Pressekonferenz, in der das Programm für das Schützen- und Heimatfest mit der Rheinkirmes vorgestellt wurde. Er erwarte vom Rathaus, wo die Termine koordiniert werden, mehr Verständnis für Tradition und Brauchtum. Das Frankreichfest sei eine Konkurrenzveranstaltung, die der Kirmes auf der gegenüberliegenden Rheinseite Besucher abspenstig mache.
Was hat Pannenbecker so erbost? Erst auf Drängen der Schützen habe die Destination Düsseldorf (DD) Rücksicht auf den Festumzug am 15.Juli genommen. „Die wollten im Rathaushof Musik spielen, während wir draußen unseren Zapfenstreich abhalten“, schimpft der 60-Jährige. Außerdem habe eine Kollision zwischen der Parade und einem Autokorso gedroht.
Dass Petra Schlieter-Gropp, die Organisatorin des Frankreichfests, lapidar gesagt habe, dass „wir uns schon irgendwie mit den Schützen arrangieren“, habe viele Schützen verärgert. „Wir sind nicht irgendwer. Ich vertrete 2000 Schützen, und da kann es nicht sein, dass wir in unserem Stadtteil, der Altstadt, Rücksichten auf andere Veranstaltungen nehmen sollen“, sagt Pannenbecker und betont: „Ich habe nichts gegen das Frankreichfest.“
Verantwortliche der DD, einem Zusammenschluss von Unternehmen, irritieren die Äußerungen des Schützenobersts. Seit Januar habe es mehrere Gespräche mit den Brauchtumsanhängern gegeben, um zu gewährleisten, dass die beiden Feste sich nicht gegenseitig beeinträchtigen. „Wir leiten unsere Oldtimer um, und die Musik bleibt während des Zapfenstreichs auch nicht gespielt“, sagt Sprecher Boris Neisser. „Was sollen wir noch tun?“
Unverständnis auch bei Christina Begale, Geschäftsführerin von Düsseldorf Marketing & Tourismus. „Es ist nicht fair, dass auf dem Rücken der Stadt ausgetragen wird, wenn sich zwei nicht mehr grün sind.“ Oberbürgermeister Joachim Erwin bezweifelt, dass sich die Feste Konkurrenz machen. „Ich verstehe die Schützen: Der Parade muss Rechnung getragen werden. Ein Autokorso hat da nichts verloren.“
Im vergangenen Jahr kam es ebenfalls zur Terminkollision - das Frankreichfest ist an den französischen Nationalfeiertag am 14.Juli gebunden. Allerdings gab es keine räumlichen Berührungen: Französisches Flair gab’s ausschließlich im Hof des Stadthauses an der Mühlenstraße. OB Erwin öffnet in diesem Jahr erstmalig den Rathaus-Hof fürs Frankreichfest.
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