Größte Kirmes am Rhein: Studieren am Eurostar
VON WOLFGANG BERNEY - zuletzt aktualisiert: 17.07.2007 - 09:06Düsseldorf (RPO). Ingenieure und Tüv-Prüfer schauen genau hin, wenn es um die Sicherheit der Fahrgeschäfte geht. Regelmäßig wird die Technik der Geräte überprüft. Bevor sie aufgebaut werden, durchlaufen sie einen intensiven Check.
Ein mulmiges Gefühl fährt bei vielen Kirmesbesuchern mit, wenn sie in diesen Tagen auf der Oberkasseler Rheinwiese in die Achterbahn klettern oder sich mit dem Kettenkarussell „Star Flyer“ in luftige Höhen wagen. Wie sicher sind die Geräte und was passiert bei einem Stromausfall? Der Sicherheitsprüfer vom Tüv ist in diesem Moment im Trubel auf dem Platz nicht auszumachen. Und dennoch: „Unsere Sicherheitsstandards sind die höchsten in Europa“, sagt Lothar Inden, Chef der Sebastianus Schützen.
Alle Nervenkitzel versprechenden Fahrgeschäfte sind, bevor sie an den Start gehen, mehrfach überprüft worden. Der Sicherheits-check beginnt lange vor dem Aufbau der Kirmes. Ehe ein neues Fahrgeschäft überhaupt gebaut wird, prüfen Ingenieure am Computermodell, wie die Fliehkräfte wirken, ob es Schwachpunkte gibt und welchen Spitzenbelastungen Menschen, die sich den atemberaubenden Spaß gönnen, ausgesetzt sind.
Kirmesbürgermeister Thomas König: „Diese Prüfung an den Modellen kann unter Umständen Monate dauern.“ Erst wenn die Ingenieure grünes Licht geben, wird die Anlage, zum Beispiel eine neue Achterbahn, gebaut. Zuständig für alle Kirmes-Fahrgeschäfte ist der Tüv München. Dort werden alle Geräte realistischen Bedingungen - mit Sandsäcken statt Menschen - ausgesetzt. Höchstbelastungen sind unter anderem starke Winde. Selbst neu entwickelte Geisterbahnen müssen auf den Prüfstand. Weniger die Geister als die technischen Finessen könnten im Kirmesgeschehen Ärger machen.
Ältere Fahrgeschäfte werden ebenfalls in München untersucht, im jährlichen Turnus. Mit dem Prüfstempel aus der bayrischen Hauptstadt können sie anschließend jede Kirmes bestehen.
Dennoch lassen sich bei den Vorbereitungen der „Größten Kirmes am Rhein“ immer wieder auch Düsseldorfer Tüv-Mitarbeiter auf der Festwiese sehen. Sie kontrollieren, ob der Aufbau allen Vorschriften entspricht. Thomas König: „In den ersten Tagen sind sie Dauergast auf der Oberkasseler Rheinwiese.“
Was aber passiert, wenn der Boden unter den schweren Fahrgeschäfte durch Dauerregen aufgeweicht wird? In den 80er Jahren hatte es nach tagelangem Regen vor der Kirmes-Eröffnung und aufgrund von Rhein-Hochwasser bei zahlreichen Besuchern Bedenken gegeben. Kirmesarchitekt König beruhigt: „Da kann nichts passieren. Die großen, schweren Anlagen haben wegen ihrer breiten Flächen nur geringe punktuelle Bodenbelastung.“
Also keine Sorge bei einer Fahrt mit dem Eurostar? Nicht ganz. Auch die besten Ingenieure können nicht verhindern, dass Menschen mit schwachem Kreislauf mit Schwindelgefühl und bleichem Gesicht aus den Gondeln wanken -sie sind schließlich keine Ärzte.
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