Kirmes am Rhein eröffnet: Zwischen Zeitreise und Schleuderfahrt
VON SEBASTIAN QUILLMANN - zuletzt aktualisiert: 18.07.2009 - 21:25Zahlreiche Menschen drängen sich seit Samstagnachmittag auf den Rheinwiesen. Dort hat die Kirmes am Rhein eröffnet. Für viele Düsseldorfer und Zugereiste ist die Kirmes Pflicht. Sie haben sich lange gefreut auf Riesenrad, Alpina-Bahn und die anderen Fahrgeschäfte.
Mechthild Heukeroth (60) kuschelt sich an die Schulter ihres Mannes Karl-Heinz (62). Sie lehnen sich in die rot gepolsterten Sitze der Raupe zurück und lachen. Dann fährt das grüne Dach über dem Wagen zu. "Das war wunderschön wie vor 40 Jahren", schwärmt Karl-Heinz nach der Fahrt.
Mit 18 Jahren lernte er seine Frau auf der Cranger Kirmes kennen – und sie fuhren natürlich Raupe. Raupe fahren, das ist für Mechthild Heukeroth "eine Zeitreise". Sie streichelt die Hand ihres Mannes. "Was alles seit damals passiert ist. Wir haben zwei Töchter, zwei ganz tolle Schwiegersöhne – und ein liebes Enkelkind."
Nostalgische Kirmes-Erinnerungen haben aber auch junge Besucher. Julia und ihre Freundin Sabrina kommen aus der Geisterbahn "Daemonium". Die Teenager lachen. "Gruselig ist das nicht", sagt Julia. "Nicht mehr", ergänzt Sabrina. Sie hat Julia mit ins "Daemonium" genommen, weil es sie an ihre Kindheit erinnert. "Es ist lustig", sagt Julia. Gruseln würde sie sich aber wohl auch, "wenn ich nochmal fünf wäre."
Fahrgäste werden durchgeschüttelt
Sehr wohl geängstigt hat sich Jenet (13) auf dem Fahrgeschäft "XXL". "Das war so schlimm", sagt sie. "Man hat das Gefühl, als ob man jeden Moment da raus fällt." Ihr ist flau im Magen. Sie sitzt auf einer Treppe vor dem "XXL" und ihre Freundinnen Svenja und Michele streichen ihr übers Haar. Doch bald kann sie schon wieder lachen.
"Wir hoffen, sie hatten eine angenehme Fahrt", tönt es vom 52 Meter hohen Kettenkarussell "Star Flyer" herüber. Zeynep, die gerade eine Fahrt hinter sich hat, geht auf den Arm ihres Lebensgefährten Lothar gestützt. Ihr ist schwindelig. Ihre Augen tränen vom Fahrtwind. "Es ist sehr hoch und sehr windig", sagt sie. Lothar legt den Arm um sie. "Und man hat so wenig Sitzfläche", ergänzt er.
Premiere von "The Tower" verzögert
Vor der Attraktion "The Tower" stehen die Besucher etwas ratlos. "Was ist das hier? Und wann können wir da drauf?", fragt ein kleiner Kirmesbesucher seinen Opa. Doch er und die anderen Wartenden bleiben mit ihren Fargen allein.
Der 35 Meter hohe Doppelturm, in dem ein Café und zahlreiche Spiele untergebracht sind, war noch am Samstagnachmittag um 17 Uhr mit einem rot-weißen Band abgesperrt. Offenbar hatte die Attraktion bis dahin noch keine Freigabe vom TÜV bekommen. Matthias Ters, Sprecher der Betreiber-Firma, wollte dies allerdings nicht bestätigen. "Keine Zeit", sagte er und winkte ab.
Die erste Kirmes für Nick
Eine glückliche Kirmes-Premiere verlebt hingegen der kleine Nick aus Holland. Der neuneinhalb Monate alte Säugling genießt seine Reise in einem fliegenden Kinderkarussell-Elefanten auf dem Schoß von Oma Nelly. Er lacht und greift nach den Elefanten-Ohren, so dass die Oma ihn gut festhalten muss.
Nicks Familie kommt seit neun Jahren aus dem niederländischen Toburg zur Kirmes nach Düsseldorf, obwohl dort zeitgleich auch Kirmes ist. Aber die, sagt Nicks Vater, sei "zu teuer und längst nicht so schön".
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