Nach zehn Tagen: Kita-Streik verärgert Eltern
VON ANANDA MILZ UND JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 07:41Düsseldorf (RPO). Der Kita-Streik dauert schon zehn Tage. Immer mehr Eltern beschweren sich bei der Stadt über die Situation, auch bei Arbeitgebern ist das Verständnis für die Fehlzeiten gering. Besonders hart trifft es alleinerziehende Mütter.
Straffes Organisieren und viel Improvisieren – das gehört seit zwei Jahren zu Stephanie Jogersts Alltag mit dazu. Nach der Trennung von ihrem Mann lebt sie mit ihren Kindern, den Zwillingen Jonas und Luca (5) und Tochter Maja (3), allein. Neben der Kinderbetreuung versucht die 36-Jährige auch beruflich wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen – dreimal pro Woche arbeitet sie vormittags auf 400-Euro-Basis.
Mal zur Oma, mal zum Ex-Partner
Mit den derzeitigen Kita-Streiks gerät der ohnehin anstrengende Balanceakt der Alleinerziehenden ins Wanken. "Unsere Kita war an mehreren Tagen geschlossen, und ich musste schauen, was ich mit den Kindern mache", berichtet Jogerst. Mal sei die Mutter aus Oberhausen angereist, mal habe sie die Kinder zu ihrem Ex-Mann mit auf die Arbeit geschickt, und wenn es gar nicht ging, dann sei sie eben zu Hause geblieben. Etwas, was bei ihr gleich doppelt schwer wiegt. "Zum einen bekomme ich dann kein Geld, zum anderen wird es für mich immer schwerer, meine kleine Stelle zu einem richtigen Job auszubauen", erklärt die dreifache Mutter ihre Situation.
Auch der Stadtelternrat sieht aufgrund der hohen Streikintensität eine Gefährdung der Arbeitsplätze. "Wie wir vom Jugendamt wissen, gibt es in der Tat Unternehmen, die sich über die Situation beschweren", sagt Ute-Milena Felix, stellvertretende Vorsitzende des Stadtelternrats. Nicht alle zeigten Verständnis für die Probleme von Eltern, die für ihre Kinder keine andere Betreuungsmöglichkeiten hätten. "Wer auf seine Familie nicht zurückgreifen kann, für den ist es im Moment richtig schwierig".
Nach Angaben der Stadt nehmen die Beschwerden von verärgerten Eltern generell zu. "Das größte Problem ist, dass sie im Voraus nicht wissen, wann und wo gestreikt wird", erklärt Stadtsprecher Michael Bergmann. "Es gibt keine Möglichkeit, im Vorfeld zu planen."
Der Stadtelternrat kann daher nur auf die Notdienste verweisen, bei denen Eltern auf jeden Fall Hilfe finden. Doch auch das sei keine Dauerlösung. "Es bringt einfach eine absolute Unruhe in den Alltag der Kinder", berichtet Jogerst, die gestern, am zehnten Streiktag, vom Notdienst Gebrauch gemacht hat. "Meine dreijährige Tochter hat heute Morgen geweint, und wollte gar nicht dableiben." Wer darf kommen, wer muss gehen – das verunsichere vor allem die Kleinen.
Von den 2700 Kindern, die gestern nicht in ihren üblichen Gruppen untergebracht waren, wurden von der Stadt 88 in Notplätze vermittelt. "Viele Kitas helfen sich unbürokratisch untereinander, so dass mehr Kinder versorgt werden können", sagt Bergmann. Doch sei die Notversorgung in einer fremden Kita pädagogisch kaum sinnvoll, erklärt der Stadtelternrat. "In den meisten Einrichtungen ist es üblich, unter Dreijährige erst nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungszeit überhaupt in die Gruppe aufzunehmen", sagt Felix.
Dennoch: Laut Verdi wird der Streik heute fortgesetzt. Am Dienstag sollen die Verhandlungen mit dem Verband der kommunalen Arbeitgeber weitergehen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





