Größte Kirmes am Rhein: Kleinstadt auf Rädern
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 06.07.2007 - 08:37Düsseldorf (RPO). In einem rasanten Tempo entsteht innerhalb weniger Tage auf den Oberkasseler Rheinwiesen die Kirmes-Stadt. Für die mehr als 300 Schausteller bedeutet der Aufbau der Fahrgeschäfte eine logistische Herausforderung.
Ein Baukran, mehrere turmhohe Gerüste, Bretterstapel-aber kein Wasser: Gestern erinnerte die Wildwasser-Bahn noch an ein überdimensioniertes Puzzle. Mehrere tausend Einzelteile des Fahrgeschäfts lagen auf den Oberkasseler Rheinwiesen. Ob die Arbeiter sie richtig zusammengesetzt haben, stellt sich in den nächsten Tagen heraus: Nur wenn die Fundamente richtig verbaut sind, passt in 25 Metern Höhe die letzte Schraube.
„Es gibt zwar Baupläne für das Gerüst, aber die brauchen wir nicht“, sagt Daniel Löwenthal, der den korrekten Aufbau der Anlage überwacht. Mit 90 Lkw-Ladungen werden die insgesamt 1800 Tonnen schweren Bauteile auf die Rheinwiesen transportiert und dort von Löwenthals Mitarbeitern zusammengesetzt. Ein eingespieltes Team: „Der komplette Aufbau dauert zweieinhalb Tage.“
In einem rasanten Tempo basteln die mehr als 300 Schausteller an ihrer Kirmes-Stadt. Am Samstag, 14. Juli, soll alles fertig sein: Dann eröffnet die größte Kirmes am Rhein. Noch vor wenigen Tagen parkten nur vereinzelte Laster und Wohnmobile am Rheinufer zwischen Oberkasseler- und Rheinkniebrücke, heute stehen hunderte Wohnwagen inmitten der ersten aufgebauten Fahrgeschäfte. Für die Schausteller bedeutet der rasante Aufbau eine logistische Herausforderung. Oft müssen weite Strecken zurückgelegt und die zahlreichen Einzelteile passend zusammengesetzt werden.
Schnell muss es in jedem Fall gehen: Jeder Tag, der für Auf- und Abbau draufgeht, ist ein Tag ohne Einnahmen. Toni Thoma ist daher zwei Wochen vor Kirmesbeginn aus Pforzheim angereist. Der Besitzer eines kleinen Kinder-Autoscooters ist in diesem Jahr zum 20. Mal auf der Rheinkirmes vertreten. Für ihn wie für viele andere Schausteller ist die große Düsseldorfer Kirmes einer Höhepunkte im Kirmes-Jahr. „Die Lage der Kirmes gegenüber dem Altstadt-Rheinufer ist fantastisch“, schwärmt Thoma.
Ihn verbindet mit der Rheinkirmes eine persönliche Geschichte: Hier lernte er seine heutige Ehefrau kennen, hier wurden zwei seiner vier Kinder getauft. „Die älteste Tochter hilft in den Ferien beim Kirmesgeschäft mit“, sagt Thoma. Das letzte Mal zuhause an der Mosel war er vor zwei Wochen-aber nur kurz. „Wir haben das Geld zur Bank gebracht, und sind wieder los gezogen.“ Das ständige Reisen sei Segen und Fluch zugleich. „Wenn die Kasse stimmt, macht der Job Riesenspaß“, sagt Thoma.
Derweil hat Klaus Philip Sorgen. Im strömenden Regen versucht er, mit Hilfe eines Nivelliergerätes und hydraulischer Hubwagen sein Kinder-Karussell zu justieren. Beim Aufbau störe ihn der Regen nicht sonderlich, „aber wenn die Besucher kommen, will ich schönes Wetter“, sagt Philip.
Inzwischen ist die Wildwasser-Bahn nahezu fertig aufgebaut, auch die Achterbahn Eurostar und das Riesenrad stehen schon. Zwischen den bunten Buden laufen emsige Arbeiter hin und her-die Kirmes-Stadt ist vor ihrem Start zum Leben erwacht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







