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Vor dem Kampf gegen Chambers: Klitschko lässt die Muskeln spielen

VON JUTTA LAEGE - zuletzt aktualisiert: 18.03.2010 - 07:29

Düsseldorf (RPO). Zum Schautraining kamen am Mittwoch rund 300 Gäste und Fans in die Mercedes-Niederlassung. Sie alle wollten den Schwergewichts-Weltmeister hautnah erleben. Der absolvierte ein souveränes Training und flirtete am Ende sogar noch ein bisschen mit den weiblichen Fans.

Auf einen Box-Riesen wie Wladimir Klitschko herunterzuschauen ist für durchschnittlich große Menschen unmöglich. Beim Schautraining gestern in der Mercedes-Niederlassung am Mörsenbroicher Ei war das anders. Rund 300 Box-Fans und Gäste des Hauses reihten sich am spiralförmig hochlaufenden Geländer in der Rotunde des Autohauses auf, um den unten im eigens dort aufgebauten Boxring trainierenden Zwei-Meter-Hünen live zu erleben.

Moderator Wolfram Kons formulierte das so: "So nah werden Sie dem Weltmeister vielleicht nie mehr kommen." Das Autohaus selbst erinnerte eher an eine Festung. 50 Sicherheitskräfte waren eingekauft worden, um für die Sicherheit Klitschkos und seines Gegners Eddie Chambers, der ihn am Samstag in der Esprit-Arena herausfordern wird, zu sorgen.

Zehn Minuten mit dem Seil

Das Schautraining diente als kleiner Vorgeschmack auf das vielumworbene Duell am Rhein, wenngleich die beiden Boxer gar nicht direkt aufeinander trafen. Aber das war den Zuschauern gleich. Höflich beklatschten sie den kleineren amerikanischen Herausforderer mit den flinken Fäusten, der zehn Minuten mit dem Trainingsseil tanzte und glaubwürdig demonstrierte, dass er fit wie ein Turnschuh ist. Klitschko betrat den Ring erst, als Chambers ihn schon verlassen hatte und, wie es sich für eine gute Dramaturgie gehört, mit der nötigen musikalischen Untermalung. "Can't stop" von den "Red Hot Chili Peppers" dröhnte aus den Boxen, als Klitschko sich in seinem roten Trainingsanzug mit lockeren Fausttechniken langsam warm boxte.

Rechts, links, rechts. Den Blick starr auf den imaginären Gegner gerichtet, kein Rufen oder Winken der Fans konnte ihn ablenken. Einer, der ihn mit ein bisschen Abstand vom Ring beobachtete, war RTL-Moderator Kai Ebel. "Mein Herz gehört dem Boxsport", verriet er. Nicht der Formel 1? "Die ist eher meine Arbeit."

Die Liebe zum Faustkampf komme nicht von ungefähr, so Ebel weiter. "Ich boxe selbst, seit ich 16 bin." Sein Tipp für den Kampf am Samstag: "Chambers hat in den ersten Runden Vorteile, weil er so schnell ist. Aber das Blatt wird sich wenden. Klitschko siegt in der achten Runde." Davon waren auch die übrigen Zuschauer beim Schautraining spätestens überzeugt, als der dreifache Weltmeister nach zehn Minuten Warmmachen seinen Trainingsanzug auszog. Darunter verbargen sich ein ärmelloses rotes Sportshirt, weiße Shorts und eine solche Masse Muskeln, dass manchem, vor allem weiblichem Fan, der Atem stockte.

"Geil, geil, geil", jauchzten Susi, Bini und Gitta im Chor. Die drei jungen Frauen waren extra aus Essen angereist und kamen voll auf ihre Kosten: "Was für Muskeln!" seufzten sie und kreischten wie bei einem Konzert, auf dass der Boxer sie doch wahrnehme. Doch Wladimir Klitschko ließ sich nicht beeindrucken. Er ging vielmehr auf Tuchfühlung mit seinem Trainer und Sparring-Partner Emmanuel Stewart. Der hielt ihm zwei Pratzen entgegen und ertrug mit bewundernswerter Gelassenheit wie Klitschko auf das Trainingsgerät eindrosch. "Da wirken schon mal Kräfte von bis zu 400 Kilo", ließ Moderator Kons das Publikum wissen.

Stewart blieb kühl auch wenn er mehrfach in den Seilen hing. "Ich arbeite mit Wladimir schon seit sieben Jahren", erklärte er. Und er trainierte schließlich schon mit Mike Tyson – was soll ihn da schon umhauen? Publikumswirksam turnte der Weltmeister schließlich noch mit dem kleinen Sean, Sohn eines Teammitglieds, durch den Ring, gab geduldig Interviews, machte artige Aufsager, wie sehr er die Stimmung in Düsseldorf genieße und sich auf den Kampf freue. Freundlich, verbindlich, souverän.

Und dann doch noch mit einem kleinen Flirt-Anflug, auf den das Trio aus Essen so gehofft hatte. Bini warf ihm ein rotes T-Shirt in den Boxring hinunter. Er signierte es mit einem Herz und warf es wieder hinauf – samt Blickkontakt. Binis Tag war jedenfalls gerettet.

Quelle: RP

 
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