Jugendgericht: Kö-Bettler zu Arrest verurteilt
zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 07:35Düsseldorf (RPO). Wer nicht freiwillig Geld gab oder einem 21-jährigen Bettler vermeintlich dessen "Revier" rund um die Kö streitig machte, der bekam Ärger. Dadurch war der junge Mann aus Rumänien gleich mehrfach aufgefallen und saß seit August deswegen sogar in U-Haft.
"Ich möchte nur rauskommen und nach Hause gehen", beteuerte er gestern, als er wegen fünf Anklagepunkten vor dem Jugendgericht stand. In vorweihnachtlicher Milde gewährte ihm die Richterin diesen Wunsch. Nach der Verurteilung kam der 21-Jährige auf freien Fuß.
Trotz Hausverbots in einem Kö-Café und in einer Porzellan-Boutique hatte der Angeklagte immer wieder Kunden beim Einkauf aggressiv angebettelt. Wer freiwillig kein Geld spendete, musste damit rechnen, dass der 21-Jährige gestikulierend plötzlich unverständliche Laute ausstieß, was wohl bedrohlich wirkte.
In zwei Fällen hatte er sich 2007 obendrein mit Verkäufern eines Obdachlosen-Magazins angelegt. So soll er mit einer Krücke in Richtung einer Frau ausgeholt, einen anderen Verkäufer soll er im Streit am Hals gepackt haben. "Kann sein", ließ er gestern im Prozess offen. Doch einem sehbehinderten Bettlerkollegen, der an der Kö Keyboard spielte, dessen Rucksack mit den Tageseinnahmen von rund 15 Euro gestohlen zu haben – das bestritt er energisch: "Den Rucksack hab' ich gefunden!"
Die Richterin ließ Milde walten, weil der 21-Jährige bisher nicht vorbestraft war, in Rumänien mit 15 bereits verheiratet wurde und jetzt zwei kleine Kinder zu ernähren hat. So kam es zwar zum Schuldspruch wegen zweifacher versuchter Körperverletzungen und der Unterschlagung des Rucksacks. Dafür verhängte das Gericht gegen den Angeklagten "mit erheblichen Reifeverzögerungen" vier Wochen Jugendarrest. Da der Mann inzwischen mehr als drei Monate in U-Haft saß, gilt die Strafe als verbüßt – und er durfte sich gestern nach dem Urteil auf den Heimweg nach Rumänien machen.
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