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Stefan H. Mühling im Interview: Kö-Bogen: "Der Ort ist einmalig"

zuletzt aktualisiert: 16.02.2009 - 15:06

Düsseldorf (RPO). Stefan H. Mühling ist Chef des Düsseldorfer Projektentwicklers "Die Developer", der nach einem Entwurf von Daniel Libeskind den Jan-Wellem-Platz bebauen will. Der Kaufvertrag für das Areal ist noch nicht unterschrieben, die Bankbürgschaft jedoch sicher, sagt der 43-Jährige.

Herr Mühling, Sie haben als Projektentwickler mit einem Entwurf des Star-Architekten Daniel Libeskind den Zuschlag für den Kö-Bogen bekommen. Wie fühlt man sich?

Mühling Das ist schon etwas ganz Besonderes, weil es wenig Gelegenheiten gibt, ein Grundstück, das diese Lage hat, zusammenzubringen mit einem Architekten von Weltformat. Wir sind sehr stolz, dass uns das gelungen ist und wir den Wettbewerb so oder so für uns entscheiden konnten.

Sie sagen so oder so: Am Ende waren Sie der einzige Bewerber. Wäre der Sieg nicht süßer gewesen, wenn Sie einen Mitbewerber gehabt hätten?

Mühling Auch wenn der Mitbewerber vor der Ziellinie aufgibt, kann das heißen, dass der Verbleibende gewonnen hat, weil er das beste Konzept hat. Wir wissen ja nicht, weshalb unsere Mitbewerber aufgegeben haben.

"Die Developer" sind ein sehr junges Unternehmen, Sie feiern am 1. April einjähriges Bestehen. Wie konnte es Ihnen gelingen, jemanden wie Daniel Libeskind ins Boot zu holen?

Mühling In unserem jungen Unternehmen stecken Jahrzehnte Know-how in Projektentwicklung. Sowohl in meinem Team, das aus drei erfahrenen Architekten besteht, als auch bei mir. Ich hatte zuvor fast zehn Jahre lang deutschlandweit das Projektentwicklungsgeschäft im Strabag-Konzern geführt. Das ist das Fundament für eine Partnerschaft einerseits mit der Stadt Düsseldorf als Grundstücksverkäuferin, das aber auf der anderen Seite auch einem Star-Architekten wie Libeskind die Sicherheit bietet, das Projekt gemeinsam zu realisieren.

Was hat Libeskind besonders gereizt?

Mühling Die Einmaligkeit dieses Ortes zwischen Königsallee und Hofgarten. Der Ort ist nicht nur einmalig für Düsseldorf, es gibt auch in Deutschland und in Europa nur wenige Grundstücke dieser Lage.

Die Vermarktung der Flächen hat bereits begonnen. Welche Nutzung ist denn konkret vorgesehen? Gibt es bereits Interessenten?

Mühling Jedes Thema, das wir rund um dieses Projekt aufgreifen, stößt auf nachhaltiges Interesse – auch die Nutzung. Um konkrete Namen zu nennen, ist es natürlich viel zu früh. Es ist auch noch zu früh, das Verhältnis verschiedener Nutzungsarten festzulegen.

Es wird kritisiert, dass der Einzelhandel mit fast 20 000 Quadratmetern zu dominant ist. Wird der Kö-Bogen zu Verdrängung führen?

Mühling Düsseldorf hat im Vergleich zu den Ruhrgebietsstädten in den vergangenen Jahren permanent an Bedeutung gewonnen. Und ich bin absolut sicher, dass der Kö-Bogen die Attraktivität des Einzelhandels-Standortes Düsseldorf nachhaltig stärken wird.

Sogar die FDP, die sich ja besonders stark für den Kö-Bogen engagiert hat, findet, dass der Anteil der Gastronomie zu gering ist. Warum ist das so?

Mühling Im Rahmen des von uns entwickelten Konzepts steht noch gar nicht fest, ob wir 700, 1500 oder wie viele Quadratmeter auch immer für Gastronomie vorsehen werden. Klar ist, dass die gastronomische Nutzung eine wichtige Rolle spielt. Denn unser Ziel ist eine 24-Stunden-Nutzung der Gebäude. Wenn wir in den nächsten Monaten auf jemanden treffen, der die Vision hat, Kultur und Gastronomie zu verbinden, sind wir gerne auch bereit, uns damit auseinanderzusetzen.

IHK und Einzelhandelsverband haben keine Bedenken wegen der Größe der Verkaufsflächen, fordern aber hochwertigen Einzelhandel ...

Mühling Es kann natürlich nicht alles Luxus sein. Luxus ist zur Kö hin vorgesehen, ansonsten setzen wir auf wertige, großflächige Flaghip Stores in einer lebendigen Mischung mit kleinteiligen Konzepten. Ein besonderer Anreiz wird sein, die Möglichkeit neuer internationaler Konzepte, die noch nicht in Deutschland vertreten sind, im Kö-Bogen erstmals zu verwirklichen.

Der Rat hat Ihnen am 5. Februar den Zuschlag für das Grundstück Jan-Wellem-Platz erteilt. Ist der Kaufvertrag schon unterschrieben?

Mühling Nein. Der Ratsbeschluss hat erst die Voraussetzungen geschaffen, damit wir nun unsererseits die Voraussetzungen erfüllen können, um den Kaufvertrag in den nächsten Wochen abzuschließen.

Sie meinen die Bankbürgschaft von 120 Millionen Euro, die Bedingung ist. Warum dauert das Wochen?

Mühling Weil die Banken wegen der Finanzkrise strengere Sicherheitslinien eingezogen haben, die nacheinander abgearbeitet werden.

Es ist aber sicher, dass Sie die Bürgschaft bekommen?

Mühling Ja.

Für manche Ihrer Mitbewerber war die Bürgschaft einer der Gründe, aus dem Wettbewerb auszusteigen. Weshalb ist das für Sie kein Problem?

Mühling Es ist für uns ein ganz normaler Job, den wir machen können, weil wir ohne Belastungen aus den vergangenen Jahren unser Neugeschäft strukturieren.

Die SPD, aber auch der Handwerkskammer-Präsident Wolfgang Schulhoff fürchten, dass bei dem Kö-Bogen mit einem Volumen von 300 Millionen Euro trotz Bürgschaft die Gefahr einer Bauruine besteht. Können Sie solche Befürchtungen entkräften?

Mühling Natürlich. Die Stadt hat alleine durch das Verfahren sichergestellt, dass ausschließlich Bieter zugelassen wurden, die ihre Leistungsfähigkeit nachgewiesen haben. Das trifft auch für uns uneingeschränkt zu. Ich habe noch nie ein Projekt nicht fertig gebaut und bin mir absolut sicher, dass hier im Verbund mit unserem Partner, der Zech-Gruppe, ein erfolgreiches Projekt realisiert wird.

Auf Ihrer Homepage nennen Sie für Ihr Unternehmen als kurzfristiges Ziel den Markteintritt mit einem erfolgreichen Pilotprojekt. Ist das Ziel erreicht?

Mühling Ja, und zwar bereits mit dem Lighthouse, einem sehr schönen Projekt, das neben dem Kö-Bogen immer ein wenig untergeht. Das Lighthouse ist ein wichtiger Baustein in der Unternehmerstadt auf dem früheren Rheinmetall-Gelände in Derendorf.

Auf Ihrer Internetseite schreiben Sie auch: "Typischerweise veräußern ,Die Developer' ihre Projektentwicklungen noch in der Realisierungsphase." Heißt das, der Kö-Bogen wird verkauft, bevor er überhaupt fertig ist?

Mühling Wir gehen davon aus, dass wir den Kö-Bogen bei Fertigstellung an einen Investor, zum Beispiel einen offenen Immobilienfonds oder eine große Versicherung, veräußern werden. Das ist nicht aber nichts Ungewöhnliches bei solchen Projekten und war beispielsweise auch beim GAP 15, dem Benrather Karrée und dem Stadttor der Fall.

Wichtigste Frage: Wann geht es los mit dem Kö-Bogen?

Mühling Wir werden noch in diesem Jahr die planerischen Voraussetzungen schaffen. Anfang 2010 kann dann mit dem Ingenieurbauwerk, also Tunnel und Tiefgarage, begonnen werden. Ab 2011 folgt der Hochbau. Die Eröffnung des Kö-Bogens ist für Herbst 2013 geplant.

Quelle: RP

 
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