Nur zwei Bewerber: Kö-Bogen: Trinkaus springt ab
VON DENISA RICHTERS UND MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008 - 10:31Düsseldorf (RPO). Gestern lief die Frist für die EU-Ausschreibung ab. Nur zwei Interessenten bewerben sich um die Bebauung des Jan-Wellem-Platzes. Überraschend: HSBC Trinkaus ist nicht darunter. Das Bankhaus war seit zwei Jahren der Favorit.
Die Überraschung war gestern am späten Nachmittag perfekt. „Nur zwei Bewerber haben ihre Unterlagen für den Kö-Bogen fristgerecht eingereicht“, sagte Gregor Bonin. Dabei handele es sich um „Die Developer“ aus Düsseldorf mit dem Star-Architekten Daniel Libeskind und die Frankfurter Bouwfonds MAB Development mit dem Architekten Jürgen Meyer. Das bedeutet, dass HSBC Trinkaus keine Bewerbung eingereicht hat und auch raus aus dem Verfahren ist.
Das Bankhaus galt seit Anfang 2007 als Favorit für das Projekt Kö-Bogen und wollte in den beiden Neubauten, die auf dem Jan-Wellem-Platz entstehen sollen, die stadtweit verteilten Mitarbeiter zentral unterbringen.
Noch am Mittwoch hatte Trinkaus-Sprecher Steffen Pörner versichert: „Wir sind der Auslöser der ganzen Geschichte, für uns gibt es überhaupt keinen Grund für einen Ausstieg.“ Zum Meinungswandel wurden keine Gründe genannt. „Ich werde es Ihnen gegenüber heute nicht kommentieren“, sagte der Vorstands-Vorsitzende Andreas Schmitz auf Anfrage unserer Zeitung. OB Dirk Elbers, der bereits am Vorabend von Trinkaus informiert worden war, gab sich optimistisch: „Ich bedaure, dass Trinkaus nicht dabei ist, aber wir sind ja nicht verheiratet.“
„Mit nur zwei Bewerbern droht das Verfahren zur Farce zu werden“
Es sei keine Entscheidung gegen den Standort, vielmehr spiele die Finanzkrise eine Rolle. Immerhin seien zwei hochkarätige Architekten im Spiel. Wichtig seien nun gute Architektur und ein finanzstarker Investor. Neben dem Kaufpreis von 47 Millionen müssen 120 Millionen Euro Bürgschaft hinterlegt werden. Deshalb war im Vorfeld Züblin abgesprungen. FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte die EU, die durch die Pflicht zur Ausschreibung das Verfahren verzögert habe: „Man braucht heute länger, ein Haus zu bauen, als eine Burg im Mittelalter.“
Ihr Kollege von der SPD, Günter Wurm, sieht nun die Chance, „dass der Investor sich für ein besseres Nutzungskonzept entscheidet“. „Für die Stadt wäre es jetzt gut, auf die Bremse zu treten und das Ganze zu überdenken“, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Iris Bellstedt. „Es ist fast ein Fingerzeig des Himmels, dass drei Mitbewerber abgesprungen sind“, kommentierte Hartmut Miksch, Präsident der Architektenkammer. Es sei zu überlegen, unter diesen Bedingungen das Projekt zu stoppen, um über die Gestaltungsmöglichkeiten noch einmal nachzudenken.
Der Kritiker des Kö-Bogen-Verfahrens hält es „für eine unglaubliche Haltung der Politiker, wenn sie das Ganze jetzt durchziehen, als ob sich nichts geändert hätte“. Ähnlich denken Mitglieder des Forums Kö-Bogen, das sich für einen offenen Wettbewerb eingesetzt hatte. „Mit nur zwei Bewerbern droht das Verfahren zur Farce zu werden, weil es keine richtige Auswahl gibt“, so Bruno Braun, Vorsitzender des Düsseldorfer Bundes Deutscher Architekten.
Zudem tue sich die Stadt keinen Gefallen, wenn sie unter den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an dem Projekt festhalte.
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