Düsseldorf: Kö-Bogen verunsichert Einzelhandel
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 19.03.2009Düsseldorf (RPO). Das städtebaulich einmalige Projekt hat eine Menge Streit und Diskussionen ausgelöst. Nun kommt ein neuer Konflikt hinzu: Unter den unmittelbar benachbarten Kaufleuten gibt es erhebliche Bedenken, seitdem sie gehört haben, dass in den Gebäuden neue Einkaufsflächen entstehen.
Wer an der Kö seine Waren verkauft, der äußert auch Kritik in gewisser Eleganz und mit Zurückhaltung. Claus Franzen, Mitinhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Geschäftes an Düsseldorfs Prachtmeile, formuliert seine Bedenken daher erwartungsgemäß zurückhaltend. Er, Franzen, sei schon erstaunt gewesen, als er zum ersten Mal hörte, wie viel Einzelhandel in den neuen Gebäuden des Kö-Bogens geplant sind: 20 000 Quadratmeter insgesamt.
Immerhin eine Fläche, die deutlich größer ist als das gesamte Sevens (dort hat man knapp 14 000 qm) und sich ungefähr im Umfang wie die Kö-Galerie bewegt. Natürlich habe man gewusst, dass es in dem nun langsam konkret werdenden Objekt Geschäfte geben wird – aber der Umfang sei so nicht erwartet worden.
Projekt Kö-Bogen
Erster Bauabschnitt Auf dem Jan-Wellem-Platz entstehen zwei Neubauten nach dem Entwurf von Daniel Libeskind. Der Verkehr zwischen Dreischeibenhaus, Schadowstraße und Heinrich-Heine-Allee wird durch Tunnel geführt. Die Vorarbeiten haben begonnen.
Zweiter Bauabschnitt Der Tausendfüßler wird abgerissen, der Verkehr durch Tunnel geleitet. Am Rand des Gründgens-Platzes und möglicherweise auf Höhe der Johanneskirche könnten neue Baufelder entstehen. Derzeit läuft dafür ein städtebaulicher Wettbewerb.
Dirk Henckel, Saturn-Chef in den oberen Etagen des Zentrums Sevens, schätzt das Ganze weniger mit Bedenken ein. Er sieht das neue Projekt in einem großen, städtebaulichen Zusammenhang. Ursprünglich hätte man doch von 12 000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche gesprochen, meint sich Henckel zu erinnern. Dass es nun 20 000 werden (einschließlich Gastronomie) will er jedoch zurückhaltend beurteilen.
Für ihn entsteht dort, im Übergangsbereich zwischen Schadowstraße, Jan-Wellem-Platz, Kö und Altstadt, ein völlig neues Gebilde, das eigentlich auch "nicht direkt Kö" ist, sondern gänzlich neue Schwerpunkte schaffe. Ob, wie und wo es Auswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel habe, werde sich erst zeigen, wenn es realisiert ist und feststeht, welche Branchen sich dort niederlassen.
Auf jeden Fall, so Henckel, sei das eine extrem attraktive, große Fläche, eine Filet-Lage mit einer hohen Frequenz von Kunden.
Harald Feit, Center-Manager der Schadow Arkaden, meint ebenfalls: "20 000 Quadratmeter sind viel!" Aber unterm Strich wertet er das Projekt positiv – weil es in diesem Bereich, in dem es künftig stehen wird, "noch mehr Kompetenz schafft". Auswirkungen sieht auch er im gesamten Umfeld, aber am stärksten für die obere Schadowstraße (gemeint ist der Bereich Richtung Wehrhahn).
Denn die Gebäude des Kö-Bogens sind für Feit Abrundung einer in diesem Areal entstandenen neuen Marktmacht: Escada, die Buchhandlung Mayersche Droste, neu gestaltete Gebäude wie Tommy Hilfiger, Peek & Cloppenburg, die noch jungen Schadow Arkaden – es sei ein Einkaufs-Ensemble entstanden, das neue Käuferströme schaffe und anderswo abziehe. Center-Manager Feit befürchtet: "Das wird für die obere Schadowstraße ganz schwer!"
Manche, die nicht genannt werden wollen, schätzen das ähnlich ein. Einige fürchten, dass die nach Süden ohnehin schwächer werdende Kö im nördlichen Teil übermächtig werden könnte. Wieder andere haben auch das Gebiet Schadowstraße/Wehrhahn im Blick. Die Kaufleute in diesen in den nächsten Jahren durch den U-Bahn-Bau ohnehin gebeutelten Straßen gerieten noch mehr unter Druck, es fehle ein attraktives Gegengewicht.
Einer, der ganz weit nach vorn schaut, dies aber nicht mit Namen tun möchte, sieht aus der derzeitigen Karstadt-Krise eine Chance entstehen: Sollte aus diesen Problemen ein Neuanfang für die Karstadt-Niederlassung an dem Übergang Schadowstraße/Wehrhahn kommen und man aus dem Kaufhaus, vielleicht sogar in Kombination mit Nachbarn, ein Einkaufszentrum machen, entstünde dort eine starke Konkurrenz zur nördlichen Kö – was wieder positiv für die gesamte Straße wäre, so die Einschätzung.
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