Trotz Jubiläum: Kö-Galerie in der Krise
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 15.09.2006 - 08:51Düsseldorf (RP). 1986 wurde sie eröffnet. Damals war sie bewunderter Tempel des Konsums auf höchstem Niveau, das 20-jährige Bestehen will man in den nächsten Tagen auch feiern. Aber in der Kö-Galerie gibt es Leute, denen nach Feiern gar nicht zumute ist. Denn die Galerie steckt in einer tiefen Krise.
Architekt Walter Brune, der das Bauwerk erdachte, baute und über Jahre gemeinsam mit seiner Frau Renate verwaltete, wollte Kritik an seinem Baby nie gelten lassen. Die Kö-Galerie, so der große Architekt, spiele in einer anderen Liga, unterliege nicht dem Zeitgeist, setze selbst Maßstäbe in Sachen Stil und Niveau. Von einem Renovierungsstau, gar von Modernisierung wollte Brune nie etwas wissen. Nun jedoch hat er verkauft – an ein Firmenkonglomerat, an dem unter anderem Merrill Lynch und der Einkaufs-Center Spezialist ECE beteiligt sind. Die neuen Eigner haben sich bislang noch nicht dazu geäußert, wie sie die Lage der Galerie einschätzen, aber jeder, der durch die Malls geht, kann die Probleme nicht übersehen.
Nichts außer verstaubten Möbeln Vor allem auf der oberen Etage klaffen unübersehbare Lücken – buchstäblich: ein Pelzladen hat die Schaufenster verhängt, eine Galerie, nur stundenweise am Samstag geöffnet, preist Werke Düsseldorfer Künstler eher unbekannter Namen an, ein Schönheitsinstitut namens Cosmomed erklärt per Aushang, man habe „vorübergehend geschlossen“, das Geschäft mit dem Titel „Haarschmuck“ ist zu, auch die Tür zur Bibliothecara lässt sich nicht öffnen.
In der Bar Galerie Treff ist nichts mehr außer verstaubten Möbeln, ein Schmuckgeschäft wirkt mit schütterer Auslage eher schmucklos, Post hinter der verschlossenen Tür kündet von mangelndem Interesse des Besitzers. Zudem sind mehrere Räume des oberen Geschosses nur scheinbar belegt: Um keine Lücken in der Schaufenster-Front zu offenbaren, wurden die Flächen den benachbarten Läden zur Verfügung gestellt und sie zeigen dort ihre Waren. Pharmazeut Jürgen Vollmer (61) bestätigt den Eindruck. Er schließt in drei Wochen seine Apotheke, die direkt am Zugang zur Grünstraße liegt. Der Grund: Die Miete sei zu hoch für das, was das Geschäft noch bringe. Am Anfang, vor 20 Jahren, sei das anders gewesen. Aber inzwischen sei die Zahl der Kunden deutlich zurückgegangen.
Mietsenkung abgelehnt
Noch schlimmer werde es bei ausgeweiteten Öffnungszeiten, wenn er sein Fachpersonal noch länger beschäftigen müsse. Außerdem leide die Galerie unter oft monatelangem Leerstand, Mieterfluktuation. In den umliegenden Büros sei die Zahl der Mitarbeiter reduziert worden. Das alles spüre er deutlich. Sein Vertrag laufe jetzt aus. Er sei an einer Verlängerung zu niedrigerer Miete interessiert gewesen, aber das habe man nicht akzeptiert. Nun übernimmt eine Apothekerin das Ladenlokal.
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