Dinge, die man erlebt haben sollte: Königsallee: Wo der Luxus lockt
VON SONJA SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 08.01.2012 - 09:18Düsseldorf (RP). Dass ein Spaziergang über die Kö zu den 55 Dingen gehört, die man in Düsseldorf erlebt haben muss, darf als unstrittig gelten. Schließlich kommen viele Besucher nur in die Landeshauptstadt, weil sie zur Königsallee wollen. Und wenn man Ausländer fragt, was sie mit Düsseldorf verbinden, fällt wohl den meisten als erstes die Edelmeile ein.
Mit ihren breiten Boulevards, dem Kö-Graben in der Mitte und der Allee von Kastanien und Platanen strahlt sie allen Veränderungen zum Trotz immer noch eine besondere Atmosphäre aus. Ein Umfeld, das auf Händler und Liebhaber von Luxusmarken eine starke Anziehungskraft ausübt. Und weil nichts bleibt, wie es ist – zumal unter dem hartem Konkurrenzkampf der Standorte – werden Neueroberungen gefeiert wie große Siege. Zuletzt die Ansiedlung der US-amerikanischen Szene-Marke Abercrombie & Fitch mit ihrer ersten deutschen Filiale. Die anhaltende Beliebtheit der neuen Shoppingadresse auf der stillen Seite der Kö, wie die Westseite auch genannt wird, lässt sich an der erzwungenen Warteschlange vor dem In-Geschäft ablesen. Holländische Klänge sind aus den Reihen der Wartenden eigentlich immer zu vernehmen.
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Wie überhaupt auf der Kö der Großteil der Menschen, die dort einkaufen und flanieren, nicht aus Düsseldorf stammt. In den Sommermonaten ist der Prachtboulevard beliebtes Ziel von reichen Arabern. Dann mieten sich Scheiche oft mit der gesamten Großfamilie in den ansässigen Nobelhotels Interconti, Breidenbacher Hof und Steigenberger Parkhotel ein. Die Geschäfte haben sich mit arabisch sprechenden Mitarbeitern auf den Ansturm eingestellt. Denn wenn ein Scheich seine Spendierhosen anhat, kann schon eine Menge zusammenkommen: 650 Kilo Kleider von der Kö schickte ein Hotel seinem Gast nach Dubai hinterher. Und auch die reichen Russen haben die Edelmeile für sich entdeckt. Man hört, die Designer-Kollektionen seien hier deutlich günstiger als in Moskau.
Die Zeiten, in denen nur die ganz Wohlbetuchten sich den Einkauf auf dem Boulevard leisten können, sind vorbei. In den vergangenen Jahren haben sich zum Ende hin, das auf den Graf-Adolf-Platz zuläuft, immer mehr Modeketten niedergelassen, die für Durchschnittsverdiener erschwinglich sind: Esprit, H&M, Benetton und Zara.
Dass die Luxusmeile trotzdem immer noch ihrem Namen gerecht wird und in der Modeszene Aufsehen erregt, dafür sorgt allen voran Eickhoff, ein Geschäft, in dem sich Prominente gerne einkleiden, bevor es zur Benefiz-Gala oder Preisverleihung geht.
So mustern sich besonders bei schönem Wetter die Passanten gegenseitig mit interessiertem Blick. Manches Gesicht erscheint einem bekannt, vielleicht aus der Zeitung, vielleicht aber auch nicht. Genauso viel Spaß, wie es macht, die edlen Roben, die streichholzdünnen Stilettos und die goldenen Täschchen samt ihrer Preise zu betrachten, bereitet es, die Kunden zu beobachteten. Wie ein junger Japaner mit halblangem hell gefärbtem Haar und einer engen schwarzen Hose übersät mit Reißverschlüssen bei Chanel eine großräumige Tasche aussucht, bietet Stoff für Geschichten. Ist er ein erfolgreicher DJ aus Tokio oder Sohn eines Top-Managers aus Oberkassel? Kauft er die Tasche für sich? Auf diese Weise ersetzt man, was der Kö fehlt: das Kino. Die Lichtburg wurde 2004 geschlossen, und noch immer trauern ihr viele Düsseldorfer hinterher.
Die Zeiten ändern sich, auch auf der Kö. Das zeigt auch der veränderte Umgang mit Pferdeäpfeln. 1851 war der Boulevard von "Kastanienallee" in "Königsallee" umbenannt worden. Auf diese Weise wollten die Düsseldorfer den König besänftigen, der auf eben dieser Straße mit einem Pferdeapfel beworfen worden war. Heute steht ein Fünf-Kilo-Sack mit gekörnten Pferdeäpfeln im Schaufenster in einer Seitenstraße. Für 19 Euro können Kunden von Manufactum damit ihren Garten düngen.
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