Lausward: Kohlekraftwerk gestoppt
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 23.04.2010 - 18:31Düsseldorf (RPO). Die Stadtwerke ziehen ihren Antrag bei der Bezirksregierung zurück. Die Planung für einen Gasblock auf der Lausward läuft auf Hochtouren. Die Entscheidung wird als Schritt in eine zukunftsträchtige Energiepolitik begrüßt.
Die Stadtwerke Düsseldorf haben sich offiziell von dem Bau eines Kohlekraftwerks auf der Lausward verabschiedet. „Wir werden den Genehmigungsantrag bei der Bezirksregierung zurückziehen“, erklärte Stadtwerke-Vorstand Rainer Pennekamp nach einer Sitzung des Aufsichtsrates.
Stattdessen konzentriert sich der Energieversorger auf die Planung eines modernen Erdgaskraftwerks, dessen Wärme gleichzeitig zum Erzeugen von Fernwärme genutzt wird. Die wirtschaftlichen Aspekte des etwa 350 Millionen Euro teuren Kraftwerks und des Einkaufs des Brennstoffes Erdgas werden intensiv geprüft, ebenso wie die technische Realisierung. Die Stadtwerke rechnen damit, dass im ersten Halbjahr 2011 die Investitionsentscheidung getroffen wird.
Das Kraftwerk
Bis 2000 wurden auf der Lausward 930 Megawatt Strom erzeugt. Dann wurden drei Kohleblöcke stillgelegt, ein 100-Megawatt-Gasblock gebaut. Zusammen mit dem letzten Block E liegt die Leistung bei 520 Megawatt.
Mittelfristig muss der veraltete Block E ersetzt werden. Mit dem Bau des neuen Gaskraftwerks mit Kraft-Wärme-Kopplung könnte Anfang 2012 begonnen werden. Spätestens Anfang 2015 würde es ans Netz gehen.
Erneuerbare Energien
Außerdem wollen die Stadtwerke mittelfristig in erneuerbare Energien im dreistelligen Millionenbereich investieren. „Wir werden in Kürze eine Tochtergesellschaft gründen, die das Engagement der Stadtwerke bei Wind- und Sonnenenergie bündelt“, so Pennekamp. Außerdem wollen die Stadtwerke weitere Biomasse- und Biogas-Anlagen für Kunden bauen.
Im zurückliegenden Jahr hatten die Stadtwerke zwar intensiv ein Gaskraftwerk als Alternative geplant, den Antrag für das Kohlekraftwerk aber nicht zurückgezogen. Das hatte Umweltschützer und Politiker misstrauisch gemacht. Sie befürchteten, dass die Stadtwerke wieder auf Kohle umschwenken würden, obwohl der Rat sich einstimmig gegen diese Technik ausgesprochen hatte.
„Natürlich haben wir die Ablehnung der Politiker neben Wirtschaftlichkeit, Planungssicherheit und technischen Aspekten bedacht. Ein wirtschaftliches Erdgaskraftwerk ermöglicht es, alle Interessen zu integrieren“, sagte Stadtwerke-Sprecher Juan Cava Marin.
Die endgültige Absage an das Kohlekraftwerk bewertet der Bund Umwelt- und Naturschutz (Bund) als großartigen Erfolg der Anti-Kohlekraftwerk-Bewegung. „Wir sehen uns in unserem Widerstand bestätigt, Kohlekraftwerke haben keine Zukunft“, sagt Dirk Jansen, NRW-Geschäftsführer des Bund. Wie er halten auch die Grünen die „längst überfällige Entscheidung“ als einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen, umweltfreundlichen und zukunftsträchtigen Energieversorgung, die Düsseldorfs Klimaschutzbemühungen unterstütze.
Die CDU begrüßt die Entscheidung der Stadtwerke als wegweisend. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Planungen für das Gaskraftwerk schnell und zielstrebig fortgesetzt werden“, sagte Ratsherr Rüdiger Gutt.
Günter Wurm (SPD legt Wert darauf, dass in Düsseldorf auch künftig Strom selbst erzeugt wird. Von einem guten Weg der Stadtwerke weg von der Kohle spricht Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Das sei im Sinne der Stadt und zeige, dass eine Zusammenarbeit für eine zukunftsweisende Energiepolitik mit den Stadtwerken möglich sei.
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