Demo vor dem Landtag: Kohlosaurus gegen Kraftwerk
VON TAMARA HECK - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008 - 08:17Düsseldorf (RPO). Unter dem Motto „Zukunft statt Kohle“ zogen gestern Natur- und Umweltschutzorganisationen zum Protest vor den Landtag. Ziel ist es, den Bau des Kohlekraftwerks auf der Lausward zu verhindern.
Der blaue Himmel färbt sich schwarz, als aus dem riesigen „Kohlosaurus“ Luftballons mit der Aufschrift „CO2“ aufsteigen. Das Tier, dessen Bauch einem riesigen Kraftwerk-Schlot ähnelt, steht als Zeichen gegen die urzeitlichen Energietechniken, die zu Umweltverschmutzung und einem hohen Ausstoß von Kohlendioxid führen.
So sehen zumindest die Umweltaktivisten das geplante Steinkohlekraftwerk auf der Lausward. Dessen Bau wollen sie verhindern. Aus Protest gegen die Pläne des Landes zogen sie gestern vor den Landtag.
Am Aktionsbündnis beteiligen sich unter anderem der Naturschutzbund (Nabu), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und das „Aktionsbündnis Sauberer Strom am Rhein“, kurz: Astr(h)ein.
„Das Kraftwerk ist klimapolitisch fatal und für Düsseldorf völlig überflüssig“, sagt Dirk Jansen, Landes-Geschäftsführer des BUND. Zudem stehe die Anlage im Widerspruch zum Luftreinhalteplan der Stadt.
„Düsseldorf braucht keine neuen Energiequellen“, sagt Christoph Bautz, Vertreter des Online-Kampagnen-Netzwerkes Campact. Er geht davon aus, dass der deutsch-französische Konzern EnBW (Energie Baden-Württemberg) sein Netzwerk ausbauen will, um konkurrenzfähiger gegenüber der RWE und Eon zu sein. Die EnBW hält mehr als 50 Prozent der Anteile an den Düsseldorfer Stadtwerken.
Stadtwerke-Sprecher Juan Cava Marin widerspricht dieser Behauptung: „Das geplante Kraftwerk ist ein Ersatz für den Erdgasblock Emil, der nach 40 Jahren seinen Dienst getan hat. Wir brauchen die Anlage, um Düsseldorf Versorgungssicherheit zu bieten und nicht abhängig von anderen Energiezulieferern zu sein.“
Reiner Priggen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, sagt, dass Düsseldorf nach dem Abschaffen der Subventionierungen des Kohlebergbaus wieder einen Schritt zurück gehe. Statt in Kohlekraftwerke mit einem hohen Kohlendioxid-Ausstoß solle Düsseldorf besser in moderne Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung investieren. Diese Technik ermöglicht es, die Abwärme, die sonst nicht genutzt wird, in Energie umzuwandeln. Zudem stoßen Gaskraftwerke nur ein Drittel so viel CO2 aus wie Steinkohlekraftwerke.
Cava Marin erklärte im Gespräch mit der RP, dass die neue Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung arbeite und die Energie in die Fernwärme geleitet würde. Zudem sei das Kraftwerk effizienter und stoße eine halbe Million Tonnen weniger Kohlendioxid aus als die jetzigen Anlagen. „Wir achten auf die Umwelt, aber die Entscheidung für eine Energiequelle ist immer auch ein Mix aus den Aspekten Umwelt, bezahlbare Energie für den Kunden und Wirtschaftlichkeit“, so Cava Marin.
Ob die Stadtwerke das Kraftwerk letztendlich bauen wollen, wird voraussichtlich im Dezember entschieden. Dirk Jansen hat indessen schon angekündigt, Klage einzureichen.
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