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Staatssekretärin kritisiert Düsseldorfer SPD: Kortmann: „Ich bin bereit“

VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 05.03.2007 - 08:29

Düsseldorf (RPO). Karin Kortmann, Bundestagsabgeordnete aus dem Süden der Stadt, hat in Berlin Karriere gemacht. Die Staatssekretärin will aber nicht nur kritisieren, was bei der Düsseldorfer SPD passiert ist, sondern jetzt auch Verantwortung übernehmen. Der RP sagt sie, wie das gehen könnte.

Karin Kortmann ist Ende März 2007 zur Vorsitzenden der Düsseldorfer SPD gewählt worden.  Foto: RP, W. Gabriel
Karin Kortmann ist Ende März 2007 zur Vorsitzenden der Düsseldorfer SPD gewählt worden. Foto: RP, W. Gabriel

Frau Kortmann, Sie sind als parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium die meiste Zeit in Berlin oder reisen durch die Welt. Wie blickt man da auf den Mikrokosmos SPD Düsseldorf?

Kortmann Ich muss nicht das Internet einschalten, um zu wissen, was in Düsseldorf passiert. Ich habe ein dichtes Informationsnetz in die Partei hinein, schließlich bin ich Teil der Partei und kann den Job in Berlin nur machen, weil ich von der Basis gewählt worden bin. Deshalb bin ich in Düsseldorf präsent und stelle mich auch Diskussionen zu unangenehmen Themen, etwa am 13.März zur Gesundheitsreform. Wegducken gibt es nicht.

Sie haben sich zu den Vorgängen der vergangenen Wochen in der Partei und der Ratsfraktion mehrmals von Berlin aus deutlich und kritisch gemeldet. Warum?

Kortmann Weil ich das Verfahren nicht in Ordnung fand, für das sich der geschäftsführende Parteivorstand entschieden hat: Nämlich Gudrun Hock gegen Fraktionschef Günter Wurm ins Rennen zu schicken und davon ihre erneute OB-Kandidatur abhängig zu machen. Entscheidungen dieser Tragweite müssen auf breiterer Basis entschieden werden.

Bei manchen Genossen kamen die Ratschläge aus der Ferne nicht gut an. Ist die Konsequenz, dass Sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen?

Kortmann Ich konnte die Kritik nicht verstehen. Denn ich halte es für selbstverständlich, dass ich mich als Mandatsträgerin zu den Dingen äußere, die hier passieren. Nur Kommentare abzugeben, ist aber tatsächlich zu wenig. Wenn die SPD in Düsseldorf will, dass ich in herausgehobener Position Verantwortung übernehme, werde ich deshalb nicht nein sagen.

Wären Parteivorsitz und Ihre Arbeit als Staatssekretärin zu vereinbaren?

Kortmann Ja, aber nur unter zwei Bedingungen: Erstens muss insgesamt ein Vorstandsmodell zustande kommen, das von der gesamten Partei getragen wird und in dem Vertrauen und Teamarbeit die Grundlage bilden. Zweitens ist ein gutes und klares Miteinander von Fraktion und Partei notwendig. Dieses Scharnier muss neu geölt werden.

Zwischen Partei und Fraktion ist in den vergangenen Jahren, vor allem aber rund um die Fraktionswahl vor einer Woche viel Porzellan zerbrochen worden. Lässt sich diese Einheit überhaupt so schnell herstellen?

Kortmann Als Pädagogin sage ich: Es ist wichtig, dass es wieder ein Wir-Gefühl in der Partei gibt. Als Politikerin sage ich: Ohne Einigkeit gibt es keinen Erfolg, keine Macht. Macht bedeutet für mich in Anlehnung an die Publizistin Hannah Arendt, die Fähigkeit, sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen politisch zu handeln. In der Jugendverbandsarbeit habe ich gelernt, Basis- und Integrationsarbeit zu leisten. Ich gehe nicht mit dem Kopf durch die Wand, will aber, dass die Partei wieder machtvoller auftritt.

Wann fällt die Entscheidung?

Kortmann Ich habe bisher nur signalisiert, dass ich da bin, wo immer die Partei mich als hilfreich ansieht. Mein Wahlkreis hat am Freitag dafür votiert, mich als Vorsitzende vorzuschlagen. Daraus leite ich aber keinen Automatismus ab. Wichtig ist, ein Gesamtvorstandsmodell zu finden, in dem sich alle Strömungen und Gliederungen der Partei wiederfinden. Darin bin ich mir auch mit meinem Staatssekretärs-Kollegen Michael Müller und der Landtagsabgeordneten Claudia Nell-Paul einig. Da wir drei uns gut verstehen, bin ich sicher, dass wir einiges dazu beitragen können, die Partei zu einen.

Welche Gruppen müssten denn bei so einem Team vertreten sein?

Kortmann Tragende Säulen aus dem bisherigen Vorstand, junge Leute sollten gefördert werden, die Arbeitsgemeinschaften - von Arbeitnehmerschaft über Frauen bis Jusos - sollten vertreten sein, ebenso gleichrangig die Ortsvereine aus dem Norden und Süden, und es muss eine personelle Vernetzung mit der Fraktion geben.

Sie sagen, Teile des bisherigen Vorstands müssen vertreten sein. War der nicht schuld an der Misere?

Kortmann Ich bin absolut dagegen, abzustrafen. Wir brauchen Ruhe und können auf bestimmte Kompetenzen nicht verzichten. Dazu gehören für mich beispielsweise die Ratsfrau Petra Kammerevert, Sprecher Benno Jacobs. Markus Weske ist als Kassierer und als Bindeglied zur Landtagsfraktion wichtig.

Ist Fraktionschef Günter Wurm für Sie ein guter Partner?

Kortmann Ja. Er steht für eine Politik, der ich viel abgewinnen kann. Denn die SPD wird bei der Wahlentscheidung nicht durch das Kontra wahrgenommen, sondern durch gute Sachpolitik. Partei und Fraktion sind zwar zwei parallele Strukturen, die sich aber nicht paralysieren dürfen.

Parteivorsitz und Spitzenkandidatur in einer Hand - sinnvoll?

Kortmann Wenn man als Person schlagkräftig sein will, ist das eine ideale Kombination. Jetzt wählen wir aber erst einmal den Parteivorsitz, dann machen wir den nächsten Schritt.

Könnten Sie sich vorstellen, als OB-Kandidatin anzutreten?

Kortmann Die Frage stellt sich für mich im Moment überhaupt nicht. Ich bin in der Bundespolitik. Ich sehe auch weder Handlungsbedarf noch Grund zur Eile. Es reicht, wenn wir den Spitzenkandidaten 2008 benennen.

Derzeit wird über das richtige Familienbild diskutiert. Sie sind Mutter und Karrierefrau, die aber Hunderte Kilometer entfernt arbeitet. Wie geht das?

Kortmann Mit einem Mann, der seine Vaterrolle zu mehr als 100 Prozent ernst nimmt. Unser Familienmodell heißt Aufgabenteilung. Mein Mann ist Mitarbeiter der Bischofskonferenz und hat seine Arbeitszeit reduziert. Wir haben stets darauf geachtet, dass immer einer von uns beiden für die Kinder da ist. Bei der Familie mache ich keine Kompromisse: Den Job kann ich wechseln, die Familie nicht. Und deshalb ist meine Familie auch Privatsache.

Was reden die Kinder denn über den Job Ihrer Mutter, die Politik?

Kortmann Als mein Sohn meine Ministerin Heide Wieczorek-Zeul kennengelernt hat, sagte er: „Wow, ist die rot.“ Und Müntefering fand er richtig gut. Neulich fragten sie mich, was ich von OB Erwin halte. Ich sagte, ich würde eine andere Politik machen, er sei aber sehr fleißig. Ich rede nicht schlecht über andere Politiker, auch nicht über politische Konkurrenten. Wir können nur mit guter Sachpolitik überzeugen.

Denisa Richters führte das Gespräch

Quelle: RP

 
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