Serie - Schulporträts (13): Kreativ im Namen Goethes
VON ALEXANDRA VAN DER VELDEN - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008 - 12:28Düsseldorf (RPO). Welche Schule ist die beste für mein Kind? Welche Schwerpunkte finden sich wo? Die Rheinische Post stellt die weiterführenden Schulen in Düsseldorf vor. Heute das Goethe Gymnasium an der Lindemannstraße.
Goethe ist in der Schule an der Lindemannstraße überall präsent. „Nicht nur in unserem Logo findet er sich wieder“, sagt Renate Glenz, die das Goethe-Gymnasium seit 21 Jahren leitet. Und sie erläutert: „Goethe war ein umfassend gebildeter Mensch. Im Faust heißt es ja: Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen. Es ist unser Wunsch, dass auch die Schüler diese Perspektive einnehmen.“
Die jungen Menschen sollten lernen, die verschiedenen Bereiche des Lebens zu vernetzen und zu einem Ganzen zusammenzufügen, beschreibt sie den Ansatz. Lebendig, kreativ, vielseitig und international soll die Ausbildung sein. Darauf legt Glenz großen Wert. Schon in den Klassen 5 und 6 haben Goethe-Schüler deshalb durchschnittlich zwei Stunden mehr Englisch-Unterricht.
Bilinguales Abitur möglich
Rund 20 Prozent der Absolventen machen am Goethe bilinguales Abitur. „Wir sind rechtsrheinisch das einzige Gymnasium, an dem das möglich ist.“ Mit vier Partnerschulen in Frankreich, den USA, Großbritannien und den Niederlanden gibt es Austauschprogramme. Auch Schülersprecher Martin Dübner hat davon schon profitiert: „Ich habe das als Bereicherung empfunden und heute noch Kontakte in die USA“, sagt der 18-Jährige, der die Stufe 12 besucht.
Um das Interesse für andere Länder und Kulturen zu wecken, gibt es an der Schule ständig ausländische Gast-Lehrer. „Wir hatten jetzt Kollegen aus Ungarn und aus Südamerika hier“, erzählt Glenz. Am Goethe kann man Englisch, Französisch, Latein, Spanisch und Chinesisch lernen. Einzigartig in Düsseldorf: Auch Türkisch wird angeboten.
Doch Sprachen sind nur ein Schwerpunkt des Gymnasiums, das 1911 gebaut wurde und bald 100-Jähriges feiern kann. Ein weiterer liegt im künstlerischen Bereich. Für die Sparten Theater, bildende Kunst, Musik und Tanz hat sich die Schule kompetente Kooperationspartner ausgewählt. „Wir arbeiten unter anderem mit dem Tanzhaus NRW, dem Forum Freies Theater und dem Düsseldorfer Schauspielhaus zusammen“, erzählt Glenz.
Das Goethe-Theaterfestival „Maskerade“ ist inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die eigene Inszenierung des „Don Carlos“ wird sogar im Kleinen Haus aufgeführt. Von der Tontechnik bis zu den Kostümen wird alles selbst gemacht. „In der sogenannten Premieren-Klasse schreiben die Schüler selbst Theaterkritiken und begleiten die Entstehung einer Inszenierung – vom Programmheft über das Bühnenbild bis zur Premiere“, erzählt Glenz. In der Stufe 5 ist Tanz verpflichtend. „Da sind die Jungen anfangs immer skeptisch“, sagt die Direktorin. „Aber später sind sie meistens ganz begeistert.“
Jungen hat es bis in die 1970er Jahre auf dem Goethe übrigens gar nicht gegeben. Es war eine reine Mädchenschule. 1983 wurde sie offiziell mit dem Rethel-Gymnasium zusammen gelegt. „Diesen Zusammenschluss verdanken wir einem aktiven Ehemaligenverein“, sagt Glenz. Auch der Förderverein engagiere sich sehr. „Es gibt zum Beispiel gemeinsame Arbeitskreise der Eltern“, sagt Bernhard Jacob, der Schulpflegschaftsvorsitzende. Ihm war der bilinguale Zweig des Gymnasiums wichtig, als er die Auswahl für sein Kind traf. Stolz ist die Schule auf die Kooperation mit dem Stahlzentrum an der Sohnstraße. „Das ist kein reines Sponsorentum“, sagt Glenz. „Die Schüler helfen zum Beispiel bei der Stahl-Messe und erhalten im Gegenzug Bewerbungs-Training.“
Dem Zeitalter der Ganztagsschule sieht das Goethe als eines der wenigen Gymnasien gelassen entgegen. Gerade hat der Umbau begonnen. „Wir bekommen eine Mehrzweckhalle, einen Anbau mit neuen Räumen und eine Cafeteria“, sagt Glenz, die hofft, dass zum 100-jährigen Bestehen alles fertig sein wird.
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