Düsseldorf: Krebs erforschen und bekämpfen
VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 14.02.2009 - 10:45Düsseldorf (RPO). Jede Woche stellen wir besondere medizinische Leistungen privater Kliniken, großer Gemeinschaftspraxen und anderer Dienstleister im Gesundheitssystem in der Landeshauptstadt vor. Heute: das Brustzentrum am Luisenkrankenhaus.
Mahdi Rezai steckt voller Ideen. Das war nur einer der Gründe, aus denen der Senologe und Direktor des Brustzentrums am Luisenkrankenhauses sich vor mehr als elf Jahren entschloss, dem Krankenhaus Gerresheim den Rücken zu drehen und das Brustzentrum am Luisenkrankenhaus mit 50 Betten aufzubauen. "Was wir hier erreicht haben, hätten wir anderswo nicht geschafft", sagt der 55-Jährige. Zu schwerfällig sind ihm große Häuser. Er braucht Freiheit und Flexibilität. Mehr als 21 000 Patientinnen mit Brustkrebs haben Rezai und sein Team seitdem behandelt, vielen das Leben gerettet und vielen die Brust erhalten. Obwohl sich das Luisenkrankenhaus Privatklinik nennt, heißt das nicht, dass Kassenpatienten nicht behandelt werden. Derzeit liegt ihr Anteil bei 70 Prozent. Routine-Vor- und Nachsorge übernehmen die niedergelassenen Gynäkologen.
Resi Spielau (Name geändert) ist eine der Frauen, die Rezai ihr Leben verdanken. Vor 18 Jahren hatte sie einen Tumor in der rechten Brust. Rezai operierte sie und rekonstruierte die Brust mit Eigengewebe der Patientin. Onkoplastische Brustchirurgie nennt sich diese Methode, bei der der Tumor komplett entfernt, die Anatomie der Brust aber gewahrt wird. Nun, 18 Jahre später, ist Resi Spielau wieder in Behandlung: Ein Tumor hat ihre linke Brust befallen. "Es sind keine Metastasen, und der Tumor ist auch nicht wiedergekommen", sagt sie. "Es ist ein neuer. Ich scheine eine genetische Disposition für Brustkrebs zu haben."
Eines war für sie gleich klar, als sie ihre Diagnose bekam: Sie wollte sich auf jeden Fall wieder von Mahdi Rezai behandeln lassen – obwohl der inzwischen die Klinik gewechselt hatte. "Er hat damals nicht nur gut operiert", sagt sie. "Wir hatten bei der Nachbehandlung viele gute Gespräche. Er hat mir Leitsätze mitgegeben, die mir Jahre lang geholfen haben." Daher kam sie ins Luisenkrankenhaus.
Wieder konnte Mahdi Rezai die Brust so rekonstruieren, dass man äußerlich nahezu nichts sieht. "Das ist doch normal", sagt der Mediziner. "Ich beschäftige mich seit 27 Jahren nur mit Brustkrebs und seiner Therapie. Wir sind hochspezialisiert und konzentrieren uns auf das, was wir können: Mammakarzinome." Zwar stellt das Luisenkrankenhaus Belegbetten für Orthopäden, Neurochirurgen und HNO-Ärzte, doch diese Spezialisten anderer Fachbereiche kommen von außerhalb der Klinik.
2004 wurde das Luisenkrankenhaus als Brustzentrum zertifiziert, 2005 tat es sich mit dem Evangelischen Krankenhaus und dem Marienhospital zu einem kooperierenden Brustzentrum zusammen. Außer am Luisenkrankenhaus operiert Rezai daher regelmäßig auch an den beiden anderen Häusern. Die Mediziner im Luisenkrankenhaus nehmen an Studien teil. "Wir wollen, dass unsere Patientinnen die bestmögliche Versorgung und Zugang zu den neusten Medikamenten haben", so Rezai. Mit diesen und anderen Informationen werden die Patientinnen schon in der Brustsprechstunde versorgt. Bei einem Patientenkongress, der im Jahr 2000 erstmals stattfand, gibt es ebenfalls regelmäßig Hilfe und Information.
Ebenso rief Rezai die Düsseldorfer Brustkrebs-Konferenz ins Leben, ein Symposium, bei dem alle zwei Jahre mehr als 1000 national und international führende Mediziner aktuelle medizinische Strategien, Trends und Entwicklungen im Kampf gegen das Mammakarzinom vorstellen und sich untereinander austauschen. Ebenfalls im Jahr 2000 initiierten Uniklinik und Luisenkrankenhaus das Westdeutsche Brustzentrum (WBC), in dem Daten zu Brustkrebs gesammelt und dokumentiert werden. 253 Kliniken hinterlegten dort 2008 anonymisiert ihre Fälle.
Doch Rezai hatte noch weitere Projekte und Ideen: 2006 gründete er das German International Medical Center (GIMC). Es will eine Plattform sein für Medizinkommunikation und Austausch über Experten- und Forschungswissen zum Thema Brustkrebs. Unter dem Dach des GIMC entstand gemeinsam mit dem renommierten italienischen Senologen Umberto Veronesi auch die Europäische Senologie-Akademie. An dieser neuen Schule an der Lindemannstraße sollen Chef- und Oberärzte in Senologie und onkoplastischer Brustchirurgie weitergebildet werden.
Nächste Folge Neuro-Centrum an der Hohenzollernstraße 5
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