Wehrhahn-Linie blockiert Haltestellen: Kritik an Ersatzbussen für die 712
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 16:51Düsseldorf (RPO). Seit Montag können die Straßenbahnen zwischen Ratingen und der Schlüterstraße wegen des Umbaus von zwölf Haltestellen für die Wehrhahn-Linie nicht mehr fahren. Fahrgäste bemängeln besonders im Berufsverkehr vier Schwachpunkte der Übergangsregelung.
Die Wehrhahn-Linie wächst und erreicht die Außenbezirke: Weil die Haltestellen entlang der heutigen Linie 712 für die spätere U-Bahn-Linie U72 umgerüstet werden, verkehren seit Montag Ersatzbusse zwischen „Ratingen Mitte“ und „Schlüterstraße / Arbeitsagentur“.
Da die Rheinbahn im Vorfeld informationstechnisch „aus allen Rohren schoss“ (so Jens Gerber vom Marketing) – unter anderem mit 50.000 Hauswurfsendungen, Ständern an den Haltestellen sowie Informationsteams – ist das große Chaos bei der Umstellung ausgeblieben. Kunden bemängeln allerdings einige Schwachpunkte:
1. Ersatzhaltestellen: Mit 38.000 Fahrgästen pro Werktag ist die 712 nach der 701 die am stärksten frequentierte Linie. Für die Busse wurden Ersatzhaltepunkte eingerichtet. Soweit möglich, liegen sie in Höhe der Bahnhaltestellen am rechten Straßenrand. Das hat jedoch nicht immer geklappt, etwa an der Graf-Recke-Straße.
Besonders beim Umsteigen gibt es Probleme: Wer am Mörsenbroicher Weg vom 733er in den 712er Bus wechseln möchte, muss ein beträchtliches Stück in Richtung Rather Broich laufen. Die Alternative – mit dem 733-er bis zur Schlüterstraße fahren und dort umsteigen – ist wegen der dortigen versetzten Haltestellen für ältere und gehbehinderte Fahrgäste kaum attraktiver.
„Die Ersatzhaltestellen wurden in Abstimmung mit der Stadt eingerichtet, daran müssen wir uns halten“, sagt Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander.
2. Fahrpläne: Genaue Abfahrtszeiten für die Busse gibt es nicht. Für die Stoßzeiten (7 bis 10.30 und 15 bis 20 Uhr) ist ein Fünf-Minuten-Takt anvisiert (weil Busse weniger Fahrgäste aufnehmen können als Bahnen), in der Zeit dazwischen ein Zehn-, nach 20 Uhr ein 20-Minuten-Takt. Die Realität speziell im Berufsverkehr sieht anders aus: Mal kommt zehn Minuten gar kein Bus, dann drei auf einmal.
„Die Bahnen konnten im eigenen Gleisbett grüßend am Stau vorbeifahren“, sagt Lander. „Jetzt geraten die Busse voll hinein.“ Die Rheinbahn bedauere die Unannehmlichkeiten, „doch bis November müssen sich die Kunden darauf einstellen, dass die Fahrzeiten morgens etwas länger sind als vorher“. Der Rückweg funktioniert reibungslos – an der Schlüterstraße steht stets ein abfahrtbereiter Bus.
3. Engpass Simrockstraße: Wegen der Gleisarbeiten ist die Straße derzeit nur einspurig, die jeweils linke Spur ist für Baustelleneinrichtungen reserviert. Speziell stadteinwärts ist die rechte Fahrbahn so verengt, dass die Busse im Schrittempo vorbeimanövrieren müssen, was den Autoverkehr beeinträchtigt und Fahrgäste manchen Anschluss verpassen lässt.
Schert zusätzlich noch ein Baustellenfahrzeug aus, sind Staus programmiert. „Wir prüfen das. Wenn wir etwas verändern können, tun wir das“, so Lander.
4. Busse: 16 Omnibusse hat die Rheinbahn ausgeliehen, die früher bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahngesellschaft Bogestra liefen. Deren jeweils 18 Meter lange Gelenkbusse sind optisch und technisch überarbeitet worden. Fahrgäste sprechen dennoch von „Uralt-Bussen“ mit zerschlissenen Sitzen, in denen es teils nicht allzu angenehm rieche.
„Die Busse sind okay. Insgesamt ist es eine Übergangslösung mit gewissen Einschränkungen“, sagt Lander. „Hätten wir 16 neue Busse gekauft, die wir ab November nicht mehr gebraucht hätten, wäre sicherlich niemand zufrieden gewesen.“
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