Nach Brand: Kritik an Uniklinik
VON JUTTA LAEGE - zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 07:39Düsseldorf (RPO). Ein Rauchgasopfer konnte nicht behandelt werden. Die Rundum-Versorgung durch die Überdruckkammer an der Uni Düsseldorf müsse aber gewährleistet sein, meint Gesundheitsamt-Chef Heiko Schneitler. Das scheint nur möglich, wenn das Land einen Versorgungsauftrag erteilt.
Die Überdruckkammer Düsseldorf behandelt mit „hyperbaren Sauerstofftherapie“ (HBO) unter anderem Kohlenmonoxid- und Rauchvergiftungen sowie Tauchunfälle. An der Uni wurde auch schon ein verunglückter Bauarbeiter der Wehrhahn-Linie notversorgt. Durch den Überdruck in der Kammer kann beispielsweise giftiges Gas „herausgewaschen“ und durch Sauerstoff ersetzt werden.
Der Fall des Brandopfers von der Urdenbacher Dorfstraße, das per Helikopter nach Lüttich geflogen werden musste, weil die Behandlung seiner schweren Rauchvergiftung in der Druckkammer an der Düsseldorfer Uni nicht möglich war, wird ein Nachspiel haben. Der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler, erklärte: "Wir werden jetzt auf die Uni zugehen, und dafür sorgen, dass ein Prozedere geschaffen wird, in dem es keine Betriebsferien mehr gibt."
In der Nacht zu Freitag war ein 67-jähriger Mann von der Feuerwehr in letzter Sekunde aus seiner brennenden Wohnung gerettet worden. Weil er bereits sehr viel Brandrauch eingeatmet hatte und bewusstlos war, wollten die Notärzte ihn in die Sauerstoff-Druckkammer der Uni Düsseldorf bringen. Doch die war nicht besetzt, weil sie vom 19. Juli bis zum 3. August Betriebsferien hat. Auch die übrigen Druckkammern in Nordrhein-Westfalen verneinten die Anfrage auf Patientenaufnahme, so dass der Verletzte schließlich ins belgische Lüttich ausgeflogen werden musste.
Gestern meldete sich der Leiter der Druckkammer, Hartmut Strelow, zu Wort, um für Verständnis zu werben – und offenbarte gleichzeitig eine eklatant offene Flanke der Versorgung in NRW: "Wir gehören seit fünf Jahren zur Notfallversorgung in NRW, sind an 365 Tagen 24 Stunden einsatzbereit. Dabei haben wir vom Land überhaupt keinen Versorgungsauftrag." In diesem Sommer hat sein Team erstmals 14 Tage am Stück Urlaub. Strelow: "Wir haben diesen Zeitraum gewählt, weil aus unserer Erfahrung dann die wenigsten Notfälle passieren." Dass ausgerechnet diesmal auch keine andere Stelle in NRW bereit oder in der Lage war, den Patienten aufzunehmen, führt er darauf zurück, dass es sich bei den Kammern in Aachen, Münster und Minden um Privatkliniken handelt. "Es muss dringend etwas geschehen", darin ist sich Strelow mit Schneitler einig. Das Problem kann aus seiner Sicht aber nur der neue Gesundheitsminister Guntram Schneider lösen: "Wir sind eine universitäre Einrichtung, die einzige, die NRW-weit von allen Krankenkassen anerkannt ist. Wir können nur Maximal-Versorger sein, wenn wir vom Land einen Versorgungsauftrag bekommen und damit Zuschüsse, um Ersatzpersonal bezahlen zu können."
Seit Jahren fordern Strelow und auch die Notärzte zudem eine zweite Einrichtung nach Düsseldorfer Vorbild. "Wir haben zwei Intensiv-Plätze zur Beatmung und zwölf Sitzplätze in der Druckkammer. NRW hat aber 18 Millionen Einwohner." Die Notfälle in Düsseldorf lagen im ersten Halbjahr 2010 schon 30 Prozent über den Zahlen des gesamten Vorjahres, so Strelow: "Nicht auszudenken, wenn ein größeres Unglück passieren würde."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







