Künstler zeigen ihre Arbeit: Kultur(zu)stände beim Open Source Festival
VON JEAN-CHARLES FAYS - zuletzt aktualisiert: 07.08.2010 - 16:47Designer, Grafiker, Musiker, Fotografen und bildende Künstler präsentierten sich am Samstag auf dem Open Source Festival. Die Aktion "Kultur(zu)stände" sollte ihnen die Möglichkeit geben, einem breiteren Publikum bekannt zu werden.
Das brünette Haar berührt fast den 25-Zentimeter-Jeans-Rock. Dazu trägt Vero Lora Nylons und ein mintgrünes bauchfreies Shirt. So fühlt sie sich wohl, und das ist auch der Grund, warum sie sich beim Open Source Festival so wohl fühlt. "Der Open Source-Besucher ist eben anders als der ganz normale Düsseldorfer", sagt die 18-Jährige. "Die Leute sind hier sind eben entspannt und nicht so arrogant wie andere Düsseldorfer."
Vero Lora ist Verkäuferin beim Flingeraner Designer "Mischwarenladen", der zu den zwölf Kultur(zu)ständen auf dem Open Source Festival gehört. Lora war schon zweimal auf dem Open Source Festival, als es noch im Strandbad Lörick stattfand. Das Line-Up fand sie zunächst nicht so cool wie bei den vergangenen Malen, doch allein der Sound-Check am Samstagmorgen um elf Uhr hat gereicht, sie umzustimmen. „Tomte rockt echt“, sagt sie. Der Höhepunkt wird für sie aber die letzte Band des Abends, "Jahcoozi", die ab 21 Uhr auf der "Carhartt Bühne" spielen. „Die haben geile Drums und nen geilen Bass.“ Außerdem erinnere sie die Frau bei "Jahcoozi" an die Hip Hop-Künstlerin Mieze von M.I.A..
Aus 19 Bewerbungen für die Kulturstände beim Open Source Festival haben die Veranstalter gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Düsseldorf zwölf ausgewählt – Designer, Grafiker, Musiker, Fotografen und bildende Künstler.
Die zwölf Künstler sind: Galerie Slowboy (limitierte Sondersiebdrucke von Bands), Open Studio (T-Shirts mit fünf exklusiven Festivalmotiven), Galerie Nina Sagt (Weisheitenautomat, der Zeichnungen von Düsseldorfer Künstlern druckt), Modeladen Broke (Cartoonwand mit Pferdemotiven, durch die Besucher ihre Köpfe stecken können), Vintagemode New York Rio Tokyo (Mode und Schätze aus 50 Jahren), Modeshop Mischwaren (Autogrammstunde mit Tomte), Modelabel 667 (Modenschau mit der neuen Kollektion), A & O (T-Shirts und CDs aller teilnehmenden Künstler), Digital Pop Art (Pop Art-Kunst auf Leinwand und Fotografien der Besucher zum Mitnehmen), Robert Freund (Fotokunst mit Interaktion), Espadrij (Künstler gestaltet Schuhe) und das Label Fildpieces (Accessoires und Wassereis).
Loras Freundin Antonia Beeskow ist zum ersten Mal beim Open Source Festival, obwohl sie das Line-Up mit Tocotronic beim letzten Mal besser fand. Dieses Mal hat sie als Kundin im "Mischwarenladen" zu einem Paar Schuhe aber auch noch die Eintrittskarte bekommen und sich auf den Weg zur Grafenberger Rennbahn gemacht.
Die 17-Jährige, die ihre roten Strümpfe bis zu den Knien hochgezogen hat, freut sich auf die Düsseldorfer Band "Mighty Mammut Mouvement", die ab 15.30 Uhr auf der "Young Talent Bühne" spielen. Beeskow hat die Lokalheroen einmal persönlich auf einem Festival kennengelernt und seitdem sind sie Freunde.
Der "Mischwarenladen"-Besitzer David Holtkamp ist mit seinem Klamottenladen bereits das vierte Mal beim Open Source Festival, weil er die Veranstalter kennt. Der 34-Jährige sagt: „Die Zielgruppe von Open Source und Mischwarenladen sind deckungsgleich. Wir sind beide interessiert an netten Leuten mit neuen Trends.“ Für sein Publikum hat er heute Festival-Preise gemacht und sein Angebot um bis zu 50 Prozent reduziert. „Daher sind die Sachen heute für 15 bis 25 Euro zu haben, und ab 18 Uhr laden wir hier auch noch zur Autogrammstunde mit Tomte und Bonaparte ein.“
Grenzen zwischen den Genres verwischen
Holtkamp teilt sich seinen Stand mit dem unabhängigen Plattenladen „A&O Medien“. Der Geschäftsführer Carsten Wien ist bereits seit der Geburtsstunde des Open Source Festivals 2006 auf dem Gelände. Bei ihm können alle Bands ihre Platten vorbeibringen und sie von ihm verkaufen lassen. In dieses Angebot schließt er ausdrücklich auch die lokalen Bands ein, die noch keinen Plattenvertrag haben.
Er sagt: „Ich finde die Idee von Open Source toll. Mit diesem Festival für geschmackvolle Musik erscheint Düsseldorf wieder auf Deutschlands Festival-Landkarte.“ Toll findet der 45-Jährige auch den Trend, dass die Grenzen zwischen den Genres verwischen und nicht mehr nur Elektro, sondern auch Hip Hop und Rock gespielt wird.
Die Kunstgaleristin "Nina sagt." aus Bilk hat den Wunsch des Veranstalters Philipp Maibaum, auch das Publikum miteinzubeziehen, wohl am besten umgesetzt. Sie bietet an ihrem Stand „Take Away Art“ in Form eines Kunstautomaten an.
Als Besucher Benjamin Ellenberger oben eine Münze reinschmeißt und auf einen Knopf drückt, ruckelt der zwei Meter hohe weiße Automat und von unten steigt Dampf auf. Wie bei einem Getränkeautomaten kommt unten die Ware raus. In diesem Fall ist es keine Cola, sondern ein Kunst-Bild, das aussieht wie ein Tier. Ellenbergers Freundin Melanie Schmitz sagt: „Das sieht aus wie meine Katze. Ich werde ihr das Bild über den Fressnapf hängen.“
Entworfen haben die 103 verschiedenen Motive der Visual Artist George Popov, der Illustrator Albert Naasner und der Künstler Max Fiedler, auch bekannt als „Mexer“. Popov: „Wir möchten den Besuchern die Interpretation der Kunstwerke selbst überlassen.“
An dem Kunstautomaten hat der Schlosser Mirko Podkowik drei Monate gebaut. Stolz sagt er: „Das ist alles analog. Wir verzichten vollkommen auf digitale Medien.“ Das sei Teil des Kunstwerks. Als Besucher Ellenberger sich von hinten angucken möchte, wie das Kunstwerk funktioniert, verweigert das Podkowik. „Das ist geheim.“
Geheimnisvoll sehen auch die Models des Fotokünstlers Robert Freund aus. Der 20-jährige Kaoru und die 17-jährige Karyu haben sich im „Visual Kei“-Stil gekleidet. Kaoru erklärt: „Dieser Stil hat seinen optischen Ursprung in Japan.“ Es sei eine Gegenbewegung zum uniformen japanischen Lebensstil. Das Laienmodel aus einem Dorf bei Wuppertal trägt langes blondes Haar mit blonden Strähnen, eine zerrissene weiße Hose und Schuhe mit mindestens 20 Zentimeter Absatz. Das sei heutzutage die Mode, die man zu „J-Rock“ trage. Das ist japanischer Rock, eine Musikrichtung zwischen Metal und Rock’n Roll. Für RP ONLINE fotografiert Robert Freund das Paar in seinem für ihn so typischen minimalistischen Stil, der alles Überflüssige auf seinen Bildern weglässt.
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