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Kultur: Klaus Dinger: Ein Musik-Pionier

VON CLEMENS HENLE - zuletzt aktualisiert: 30.03.2012 - 10:39
Miki Yui und Andreas Ziegler haben die Ausstellung über den Musiker Klaus Dinger kuratiert. Foto: Hüskes,  Achim
Miki Yui und Andreas Ziegler haben die Ausstellung über den Musiker Klaus Dinger kuratiert. Foto: Hüskes, Achim

Düsseldorf (RP). Eine Ausstellung in der Galerie Slowboy in Oberbilk würdigt das Leben und Werk des Düsseldorfer Musikers Klaus Dinger. Seine letzte Freundin Miki Yui öffnete dafür sein umfangreiches Archiv. Er spielte in wegweisenden Bands wie Kraftwerk, Neu! und La Düsseldorf.

"Düsseldorf, du bist unsere Heimat, Heimat am Rhein", singen sanfte, leicht schräge Engelsstimmen. Mit dieser ironischen Hommage setzten der Musiker Klaus Dinger und seine Band La Düsseldorf 1976 der Stadt ein fast 14-minütiges musikalisches Denkmal aus kreischenden Gitarren, melodiösen Synthie-Sounds und einem treibenden, repetitiven Schlagzeug-Beat.

Vor vier Jahren starb Klaus Dinger kurz vor seinem 62. Geburtstag an Herzversagen. "Er ist friedlich eingeschlafen", erklärt Miki Yui, die letzte Lebensgefährtin von Dinger, mit einem traurigen Lächeln. Sie verwaltet nun das Erbe und das Archiv des Musikers, der mit La Düsseldorf in der für den Punk und New Wave wegweisenden Band Neu! spielte. "Klaus hat einfach alles aufgehoben und archiviert, sogar Blumensträuße, die so allmählich sehr welk geworden sind", sagt Yui.

Die größten Schätze hat sie nun zu einer Ausstellung über Dinger zusammengetragen. Neben der Schau in der Galerie Slowboy, Oberbilker Allee 290, in Oberbilk hat Yui auch einen Bildband mit den Lebensstationen von Klaus Dinger zusammengestellt. Die Fotos stammen zum Teil von Anton Corbijn oder Peter Lindbergh, der mit Dinger zusammen in einer Kommune lebte. Dass die Ausstellung über Klaus Dinger zustande kam, ist einem Zufall zu verdanken.

"Ich habe beim Zoll ein Paket abgeholt. Da stand Miki Yui neben mir und musste ein Paket voll mit Neu!-Devotionalien auspacken, da habe ich sie angesprochen", erklärt Andreas Ziegler, Macher der Galerie, die gleichzeitig ein Plattenladen, Siebdruckwerkstatt und Plattenlabel ist. Ausschnitthaft dokumentiert die Ausstellung das Leben des Ausnahmedrummers, der mit seinem punktgenauen, kraftvollen, sich ewig wiederholenden Schlagzeugspiel Generationen von Kollegen beeinflusste.

"Klaus hat getrommelt bis ihm die Hände bluteten", sagt Yui und deutet auf zerfetzte und Blut befleckte Trommelstöcke. Neben Fotos und Plakaten hat Yui aber auch skurrile Stück ausgewählt. So stehen einige alte Cola-Dosen auf dem Boden, denn "Claus hat eine Zeit lang wahnsinnig viel Cola getrunken", so Yui.

Angefangen hatte Dinger seine musikalische Karriere bei Krafwerk, den Übervätern der elektronischen Musik – zusammen mit seinem Neu!-Kollegen Michael Rohter. Mit Neu! brachte der Perfektionist Dinger drei Alben auf den Markt, die von der Kritik gefeiert und von den Konsumenten nicht verstanden wurden. "Sie waren ihrer Zeit einfach weit voraus, sie wollten sich vom amerikanischen Sound lösen", erklärt Yui, die heute mit Michael Rother das musikalische Erbe von Neu! betreut.

Dazu gehört auch das von Dinger entworfene Artwork. In einer Zeit, in der florale, psychodelische Muster die Plattencover bestimmten, schrieb Dinger mit pinken Druckbuchstaben Neu! auf das Cover. Ein schlichter und nüchterner Gegenentwurf zur blumigen Hippie-Zeit.

Seiner Heimatstadt blieb Dinger ein Leben lang treu. "Düsseldorf war für ihn extrem wichtig, daher hat er sich auch in seiner Musik so viel mit der Stadt beschäftigt", sagt Yui, die mit Dinger acht Jahre bis zu seinem Tod 2008 zusammenlebte. Die Ausstellung "Ihr könnt mich alle am Arsch lecken" ist daher eine verdiente Würdigung dieses Musik-Pioniers.

Quelle: RP/anch
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