Die Ausstellung "Im Fluss der Zeit" ist ab Samstag zu sehen: Kunstsammlung zeigt erste Werkschau Altenbourgs
zuletzt aktualisiert: 12.12.2003 - 13:31Düsseldorf (dpa). Die erste umfassende Werkschau des Künstlers Gerhard Altenbourg (1926-1989) zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Zeichnungen, Aquarelle und Blätter in Mischtechnik, die der Thüringer in 40 Jahren fernab des offiziellen DDR-Kunstbetriebes geschaffen hat, belegen den außergewöhnlichen Rang dieses großen Einzelgängers der deutschen Nachkriegskunst. Die ab Samstag (bis 7. März 2004) am Rhein ausgestellten rund 120 Arbeiten präsentieren einen Künstler, der Anregungen aus Surrealismus, dadaistischem Witz und den rohen Sujets der Art Brut zu einer ganz eigenen Bildersprache umgeschmolzen hat.
Ein vom Drama des Krieges zerstörtes Menschenbild steht erkennbar am Beginn des Schaffens: "Mein Bruder, das fraßlüsterne Schwein" (1949), Bildnis eines Mannes mit schrundiger Stirn und schiefen Zähnen, spiegelt die Zerstörungen im Inneren des Pfarrerssohnes aus Thüringen. Der "Sterbende Krieger" oder das Riesenformat "Den Helden" (1961) zeigen Männerkörper, deren fein mit Tusche in Schraffuren zerlegte Haut transparent erscheint: Die nuancenreichen Strukturen lassen Assoziationen von Schützengräben oder Schlachtfeldern zu.
Die hügelige Heimatlandschaft des zeitlebens in Altenburg arbeitenden Künstlers zieht sich durch das Gesamtwerk. Das große Querformat "An der Hellwiese" (1955) lässt Bäume, Felder und Wiesen wie eine umschlossene Insel erscheinen, in deren Sicherheit sich der "inoffizielle" Künstler ebenso geborgen fühlt wie in der esoterischen Sprache seiner Gedichte. Die feine Tuschezeichnung "Oberweimar" markiert schon 1952 einen bildnerischen Rückzugs-Ort des Eigenbrötlers.
Eine Reihe sorgfältig illustrierter Künstlerbücher mit durchaus erotischen Anklängen ("Leck, leck, Schnäuzchen...") rückt Altenbourg in die Nähe mittelalterlich-klösterlicher Buchmaler. In den letzten Jahren vor seinem Tod an den Folgen eines Autounfalls während der "Wendezeit" 1989 vertauscht Altenbourg schwungvoll-abstrakte Strukturen ("Kinder der Nacht"/1982) und stärkere Farbigkeit gegen die groteske Erzählfreude vergangener Jahre.
Nach Düsseldorf wird die Ausstellung "Im Fluss der Zeit" in der Kunstsammlung Dresden (2. April bis 6. Juni) und München (7. Juli bis 5. September) zu sehen sein.
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