Status-Verlust?: Kunststadt Düsseldorf ohne Glanz
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 04.12.2008 - 07:24Düsseldorf (RPO). Seit fast einem Jahr müssen die Museen K20 und K21 ohne Direktor auskommen, und noch fast ein Jahr lang ist K 20 wegen Umbau- und Erweiterungsarbeiten geschlossen. Die Landeshauptstadt stand in der bildenden Kunst schon mal besser da.
Die Essener brauchen auf die bedeutendsten Stücke ihrer Kunstsammlung nicht zu verzichten, während ihr Museum Folkwang nach den Plänen des britischen Architekten David Chipperfield umgebaut und aufs Kulturhauptstadtjahr 2010 vorbereitet wird. Denn sie brauchen sich bloß in die Villa Hügel zu begeben, wenn es sie danach gelüstet, die Hauptwerke der Kollektion zu erleben.
Die Düsseldorfer müssten schon nach Japan fliegen, wenn sie Sehnsucht nach ihren Schätzen aus dem Museum K20 am Grabbeplatz spüren. Eine Auswahl aus dessen Bestand befindet sich auf Ausstellungstournee von Nagoya über Tokio nach Kobe. K20 ist wegen Erweiterung der Ausstellungsfläche eine Baustelle und erst Ende nächsten Jahres wieder ein Museum.
Man stelle sich vor, ein Warenhaus schlösse für anderthalb Jahre seine Pforten. Bis zur Wiedereröffnung hätte sich die Kundschaft längst anderweitig orientiert. K20 hält sich mühsam durch Ausstellungen, die in den Ableger K21 verlagert wurden, in Erinnerung. Ansonsten überlässt es das Feld der Kunstpräsentation kampflos den Mitbewerbern: dem Museum Ludwig in Köln zum Beispiel, den Essenern, Wuppertalern und dem ortsansässigen „museum kunst palast“.
Erschwerend kommt hinzu, dass es dem Eigner des Hauses, dem Land Nordrhein-Westfalen, noch immer nicht gelungen ist, einen Nachfolger für Armin Zweite zu finden, den langjährigen Direktor von K20 und K21. Am 1. Januar 2009 wird die Stelle ein Jahr lang unbesetzt sein – ein Armutszeugnis für die Landeshauptstadt; umso mehr, als dringend Entscheidungen im Hinblick auf die Wiedereröffnung des Museums Ende 2009 zu treffen sind. Wie soll die Schausammlung eingerichtet werden, wie die für 2010 geplante Beuys-Ausstellung?
Als vor sechs Jahren K21 im Ständehaus seine Arbeit begann, die Dependance von K20 für Kunst seit 1980, nahm die Kunststadt Düsseldorf einen bemerkenswerten Aufschwung. Als 2005 die Akademie-Galerie und 2007 das KIT („Kunst im Tunnel) am Rheinufer hinzukamen, schien Düsseldorf als Kunststadt vollends über die Konkurrenz in der üppig mit Kunst besetzten Region triumphieren zu können.
Der Ausfall von K20, dem angesehensten Kunst-Institut in Düsseldorf, trifft die Stadt allerdings hart. Denn dort wurde stets gezeigt, was wirklich zählt. Während das „museum kunst palast“ Achtungserfolge erzielte, schweifte der Blick doch immer wieder zum Grabbeplatz, wo das Programm internationale Ansprüche zu erfüllen pflegte. Die zeitweilige Schließung von K 20 lässt zudem spüren, dass die Kunststadt Düsseldorf vielleicht doch nicht so aufregend ist, wie sie in Hoch-Zeiten gefeiert wurde.
Die Kunsthalle, ebenfalls am Grabbeplatz gelegen, müsste eigentlich ein Ort sein, in dem man erleben kann, was in der Kunstszene der Stadt gegenwärtig vor sich geht. Stattdessen richtet dieses Haus den Blick seiner Besucher regelmäßig auf die Zeit seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zurück, als Palermo, Ruthenbeck & Co. in die Öffentlichkeit drängten. Kunst von heute dagegen muss sich mit der Enge des KIT begnügen.
Gut, wir wollen nicht nur mäkeln. Am 15. Dezember soll der lange ausgehandelte Vertrag unterzeichnet werden, der maßgebliche Werke und die Archive der Zero-Künstler unter dem Dach einer Stiftung vereint. Die noch junge „Julia Stoschek Collection“ versorgt ein Spezialpublikum mit Exquisitem aus den Bereichen Video, Fotografie und Installation. Und das Land NRW hat die ehemaligen Räume der Galerie Schmela erworben, um sie dem K20 zusätzlich zur Verfügung zu stellen.
Die beste Nachricht allerdings würde lauten: „K20 wieder geöffnet.“ Noch fast ein Jahr wird sie auf sich warten lassen.
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