"Lord B" wurde eingeäschert: Kurioser Streit um toten Papagei
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 02.02.2011 - 07:39Düsseldorf (RPO). Seit Monaten prozessieren ein dänischer Vogelfreund und eine Düsseldorfer Ärztin vor dem Amtsgericht um die Gelbnacken-Amazone "Lord B". Doch bevor ein Urteil fiel, ist der Vogel angeblich verendet und eingeäschert worden. Nun soll der Däne nicht einmal die Asche bekommen.
Gerade mal elf Jahre war Star-Papagei "Lord B" alt geworden, als er im November 2010 tot von der Käfigstange fiel. Das behauptet zumindest die Düsseldorfer Ärztin, die "Lord" zunächst bloß in Pflege genommen und dann plötzlich für sich reklamiert hatte.
Vorbesitzer Hans-Hendrik Juhl – ein dänischer Umweltschützer, der bestritt, ihr den prächtigen Vogel je geschenkt zu haben – klagte seit September 2010 auf Herausgabe. Aber da trug die Ärztin plötzlich vor, "Lord" sei tot und bereits verbrannt worden. Als Juhl wenigstens die Überreste seines einst als Star gefeierten Papageien forderte, kam gestern vor Gericht heraus: Auch die Asche von "Lord B" sei längst verstreut. Das Gericht will trotzdem am 7.Februar weiter verhandeln.
Beim Hausbesuch verliebt
Rückblende: Jahrelang hatte Herrchen Juhl den bunten Papagei als Wappentier für sein dänisches Projekt zur Rettung tropischer Regenwälder eingesetzt. In Dänemark gilt "Lord B" nach etlichen Live-Shows bereits als Fernsehstar, sogar ein Lied wurde ihm dort gewidmet.
Als Juhl aber krank wurde und "Lord B" bei seiner Schwester in Düsseldorf in Pflege gab, begann der Streit. Die Ärztin der Schwester hatte bei einem Hausbesuch ihr Herz an den Vogel verloren und dessen Pflege übernommen. Als Juhl das Tier zurückforderte, musste er mit leeren Händen heimkehren und zog vor Gericht. Dort gab die Ärztin an, sie habe Juhl überzeugt, den Papagei (den sie "Lordi" nannte) bei ihr zu lassen. Sollte sie ihn herausgeben müssen, forderte sie fast tausend Euro für Futter- und Tierarztkosten.
Aber bevor darüber ein Urteil zustande kam, schickte die Ärztin Amtsrichter Marcel Dué die Todesnachricht und teilte mit, "Lordi" sei eingeäschert worden. Nun verklagte Ex-Herrchen Juhl die Ärztin auf Herausgabe der Asche und des Vogelrings seines einstigen Gefährten. Aber nicht mal die soll er erhalten.
Als Zeuge hat Martin Tepasz (30) vom Tierkrematorium Wesel gestern vor Gericht bestätigt, dass er im November 2010 auf Bitten der Ärztin einen Papagei (für 102 Euro) eingeäschert habe. Die Überreste des Vogels ("Da ist ja nicht viel dran") hätten in einen Fingerhut gepasst, vom Beinring sei – bei der Verbrennungstemperatur von über 800 Grad Celsius – nichts übrig.
Ob der verbrannte Vogel der berühmte "Lord B" war, konnte der Zeuge nicht sagen. "Wir haben mit vielen berühmten Tieren zu tun", so Tepasz. Auch die Überreste des als WM-Orakel berühmt gewordenen "Krake Paul" seien im Weseler Tierkrematorium verbrannt worden. Dessen Urne wird im Oberhausener Sealife-Aquarium immerhin als Andenken gehütet.
Dagegen bleibt wohl ewig ungeklärt, ob der eingeäscherte Papagei wirklich "Lord B" war. Dessen Asche will die Ärztin bei einem Spaziergang bereits in alle Winde verstreut haben. Kläger Juhl mag das nicht glauben. Also hört der Richter am 7.Februar die Tierärztin als Zeugin, die einst den Tod von "Lord B" festgestellt habe. Der Prozess (9 Uhr, Saal 2.100) ist öffentlich.
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