Dauerbaustelle: Ladensterben am Wehrhahn
VON JULIANE KAELBERLAH - zuletzt aktualisiert: 31.05.2011Düsseldorf (RPO). Immer mehr Geschäfte auf der Straße schließen: Die Dauerbaustelle für die Wehrhahn-Linie engt den Fußweg an vielen Stellen ein, Dreck und Lärm schreckt die Kunden ab. Baugerät versperrt die Sicht auf die Geschäfte.
Hinter der Galeria Kaufhof, die Straße Am Wehrhahn hinauf, beginnt ein trostloses Stück Fußgängerzone. "Die Straße war nie schön, aber jetzt ist es richtig schlimm", sagt Andrea Mai, die sich gerade in einer Bäckerei ein Brötchen gekauft hat. Normalerweise kauft sie hier nicht ein. "Das ist mir zu dreckig und zu laut – außerdem haben viele Geschäfte eh zu." Was sie bemängelt, ist seit Beginn der Bauarbeiten der Wehrhahn-Linie Alltag für die Anlieger: "Geschlossen" oder "Wir geben auf" prangt auf Schildern in immer mehr Schaufenstern.
Die neue U-Bahn
Bereits im November 2007 startete der Bau der 3,4 Kilometer langen Wehrhahn-Linie. Die Bauarbeiten der 3,4 Kilometer langen Linie sollen in etwa drei Jahren enden, 2015 wird der Fahrbetrieb voraussichtlich aufgenommen. Als Ansprechpartner für Geschäftsinhaber und Anwohner gibt es für jeden Abschnitt einen eigenen Anliegerbeauftragten.
Die Straße verwaist langsam
"Ich fühle mich hier so langsam wie der letzte Mohikaner", sagt George-Michele Baydono, der am Wehrhahn einen Juwelierladen betreibt. Seit Jahren beobachtet er, wie die Straße mit den vielen Einzelhandelsgeschäften verwaist. Sein Laden lebt nur von Stammkunden. "Früher sind hier auch Touristen entlanggelaufen, die Umsatz brachten", erzählt er. "Jetzt kommt niemand mehr zufällig vorbei. Es ist einfach nicht attraktiv." Auch das beliebte Eiscafé Paradies steht seit kurzem fast leer: Übrig sind nur noch einige Stühle und die dicke Kühltruhe. "Wenn ich das sehe, könnte ich heulen", sagt Ursula Westermann. Die Eigentümerin des Hauses Nummer 35 lebt schon 56 Jahre am Wehrhahn. Sie frühstückte häufig im Café, kannte die Besitzer. "Uns geht hier die Nachbarschaft verloren", sagt Westermann. Ihre Mieter, die im Erdgeschoss des Hauses 54 Jahre lang einen Laden für Babysachen besaßen, sind lange weg. "Der Lärm durch den Bohrer, der Dreck – da kommt doch niemand mehr gern zum Einkaufen", sagt sie.
Die Stadt bemüht sich um Schadensbegrenzung: Auf ihrer Homepage können Ladenbesitzer ein Formular herunterladen und dort die Verluste durch die Baustellen eintragen. Wird der Antrag bewilligt,erstattet sie den Gewinnausfall.
Michael Koch hat sich etwas anderes ausgedacht: Auf den Plakaten, die in seinem Schuhladen hängen, steht nicht "Geschlossen", sondern "Baustellenrabatt". "Anders geht es gar nicht mehr", sagt er. "So bleiben die Leute wenigtens stehen und gucken." Ein guter Meter Holzplanken trennt sein Geschäft von der Baugrube. "Es ist einfach zu eng", sagt er. Schon im vergangenen November sollte der Zaun verschwunden sein. Koch ist für die neue U-Bahn, ärgert sich aber, dass die Stadt auf ihn und die anderen Händler "nicht zugeht".
"Die Arbeiten auf der Straßenmitte enden erst 2013", sagt Andrea Blome, Leiterin des Amts für Verkehrsmanagement. "Aber in diesem Jahr werden die Leitungen an den Häusern fertig verlegt. "Das bringt Entlastung." Für Anlieger wie Ursula Westermann ist das kein Trost: "Bis die neue U-Bahn die Gegend hier wieder aufwertet, ist die Straße wahrscheinlich tot."
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