Ski-Weltcup: Langläufer am Rhein chancenlos
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 05.12.2011 - 07:45Düsseldorf (RP). Hanna Kolb klang patzig. Nein, sagte die Zollwachtmeisteranwärterin, sie könne sich keinen Vorwurf machen. Im Halbfinale des Langlaufsprints am Düsseldorfer Rheinufer war die 20-jährige Bayerin beim Start mit dem Stock in ihrer Bindung hängen geblieben und hatte dadurch das Gleichgewicht verloren.
Das Feld zog auf Nimmerwiedersehen davon, Kolb verpasste das Finale. Anders als die Athletin machte Bundestrainer Jochen Behle (51) einen Mangel an Erfahrung als Grund für dieses seiner Ansicht nach vermeidbare Missgeschick aus.
Kolbs Probleme passten ins Bild: Die deutschen Langläufer hatten keine Chance. Behle strengte sich mächtig an, die Dinge positiv zu bewerten. "Das war ein durchwachsener Renntag für uns", sagte der Bundestrainer nach den Weltcup-Einzelrennen. Mit dem Abschneiden seiner deutschen Schützlinge zwar "nicht unzufrieden, aber es wäre mehr drin gewesen."
Erleichtert zeigte Behle sich darüber, dass vier Herren die Qualifikation überstanden hatten. "Das hat es lange nicht gegeben." Doch Sprintspezialist Josef Wenzl – 2007 bislang einziger deutscher Sieger in Düsseldorf – verpasste den erhofften Top-Ten-Platz. Rang 17 war eine Enttäuschung. Gestern, als Wenzl im Team mit Routinier Jens Filbrich antrat, lief es noch schlechter. Die Jury disqualifizierte das deutsche Duo, weil Wenzl einen Kontrahenten über den Ski gefahren war. "Diese Entscheidung war nicht gerechtfertigt. Die Aktion war klar vor dem Zielkorridor", meinte Behle, "auch wir Deutschen haben hinten keine Augen."
Die Resultate von Düsseldorf bestätigten, dass sich die deutschen Skilangläufer schwer tun. Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi baut der Deutsche Skiverband (DSV) noch auf die "Generation 30 plus" mit Filbrich, Tobias Angerer und Axel Teichmann. In die Staffeln will Behle nach und nach junge Athleten einbauen. Das Problem: Es gibt zwar Talente, doch der Mittelbau mit etwas erfahreneren Athleten um die 25 Jahre fehlt.
Behles Planung reicht auch nur bis 2014. "Danach könnte Schluss sein, aber das weiß ich jetzt noch nicht." Behles Kontrakt beim DSV wird einmal pro Jahr verlängert, "per Handschlag und ohne großes Theater", wie der Bundestrainer berichtet. "Es gibt zwar auch eine schriftliche Vereinbarung, aber auf die lege ich eigentlich keinen Wert. Man sieht ja andernorts im Profisport, wie es heutzutage läuft. Da sind die Verträge oft nichts mehr wert."
Offen ist auch, ob vor Sotschi der Langlauf-Weltcup überhaupt noch einmal nach Düsseldorf kommt. Nächste Saison bekommt Québec/Kanada den Termin. Und für die drei Winter danach gibt es bislang nur eine Absichtserklärung zwischen den Verbänden und Düsseldorf.
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