Fernöstliche Köstlichkeiten: Lebensmittel aus der Heimat
VON GEORG AMEND UND CHRISTINE WAGENMANNS - zuletzt aktualisiert: 05.01.2011 - 08:16Düsseldorf (RPO). Für europäische Augen ist der Anblick im Shochiku gewöhnungsbedürftig. Die Verpackungen der Lebensmittel sind auffallend bunt, die Aufschriften sind ohne Japanisch-Kenntnisse unleserlich, die Auslage variantenreich. Etliche goldene Glückskatzen grinsen den Besucher beim Eintritt an. Fremd. Die Kasse rechts neben dem Eingang sieht aber noch sehr gewohnt aus.
Dafür gibt es allerhand typisch Fernöstliches zu kaufen. Komplette Gedecke – von der Teetasse über Suppenschale bis hin zum tiefen Löffel – sind zusammen verpackt, wer möchte, kann sich dazu noch mit extrem scharfen Küchenmessern versorgen. Eine Selbstbedienungstheke mit fertigem Sushi ist linker Hand aufgebaut, ab 19.30 Uhr gibt es 20, ab 19.45 Uhr 30 Prozent Rabatt auf die Ware – es ist schließlich alles frisch und schnell verderblich, deshalb muss möglichst alles noch verkauft werden. In einem Fernseher laufen japanische Zeichentrickfilme. Es folgen Fertigprodukte, bei denen der unwissende Besucher froh ist, dass es Bilder auf den Verpackungen gibt – nur so erkennt man, dass sich Kokosmilch in der Dose befindet.
Weniger exotisch ist die kleine Gemüseabteilung. Paprika, Zuckererbsen und Champignons erkennen auch deutsche Kunden ohne Erklärung. Der Geruch nach frischem Fisch wird dabei allerdings aufdringlich, denn direkt neben der Gemüse- und Früchteecke findet sich die Theke mit Meeresfrüchten. Bratwurst oder Hackfleisch sucht man vergebens. Dafür andere deutsche Produkte: Bier, zum Beispiel. Zwar gibt es auch das in der japanischen Ausführung, doch der deutsche Gerstensaft wird auch in Fernost ob seiner Qualität wertgeschätzt. Sake hingegen braut der Europäer nicht, daher ist die Abteilung des Reisweins im Shochiku gut bestückt. Ebenso typisch wie Sake ist für Japan der Reis – den gibt es aber nicht in Kochbeuteln à 200 Gramm, sondern in Säcken zwischen fünf oder zehn Kilo.
"Wir sind spezialisiert auf japanische Ware. Daher werden viel Fisch, Reis und japanischer Tee verkauft", erklärt Jenah Moon, die ihren Familiennamen sanft lächelnd mit "Wie englisch Mond" buchstabiert. Sie ist seit einem Jahr eine von 18 Angestellten im Shochiku, dessen Chef Yong-Taik Park ist. Bei der Zusammenstellung eines typisch japanischen Gerichtes kommt Moon unweigerlich auf Sushi zu sprechen: "Man braucht Essig, natürlich Fisch, Reis und Nuri. Das ist Seetang. Wasabi braucht man auch", so die Supermarkt-Mitarbeiterin. Jetzt müsste man nur noch mit Stäbchen essen können – bei Moon sieht es einfach aus, wenn sie die dünnen Holzstäbe zwischen Daumen und Zeigefinger hält und sie mit dem Mittelfinger dazwischen auf- und zuschnappen lässt. "Wir haben das von klein auf so gelernt."
Essigchips zu Birnen-Cider
Die Engländerin Becky Wiegand lebt seit 45 Jahren in Düsseldorf, und ihr ist Flöns mindestens so vertraut ist wie Minzsauce. Die in der Nähe von Liverpool aufgewachsene Mutter von vier Kindern freut sich aber hin und wieder auf ein Stück Heimat. Und das findet sie bei AB Foods – einem Spezialgeschäft für amerikanische und britische Lebensmittel an der Corneliusstraße.
2695 Engländer leben in Düsseldorf. Die Zahl der hier lebenden Amerikaner ist dagegen verschwindend gering – die Düsseldorfer Ausländerstatistik führt sie noch nicht einmal gesondert auf.
Das Geschäft an der Corneliusstraße bietet aber auch den "Amis" eine lukullische Heimat. Und hat sich mit seinem Angebot seit rund zehn Jahren eine Stammkundschaft aufgebaut. Die Kunden sind fast ausschließlich Engländer, die mit ihren Kindern kommen, oder Deutsche mit englischen Wurzeln.
Zutaten für Scones und Mince Pies wandern ebenfalls in den Einkaufskorb von Becky Wiegand. Doch wer denkt, dass Mince Pies einfache Minzplätzchen sind, der irrt. Die kleinen Tortletts werden mit einer Fruchtmischung gefüllt – dem Mincemeat. Diese Füllung besteht etwa aus Rosinen, Äpfeln, Kirschen und Zitronenscheiben.
Weiter geben Barbecuesoßen und Backmischungen für Pancakes Einblick in die transatlantischen Essgewohnheiten: Käse in Sprühdosen, Makkaroni und Käse, gesalzenes oder gesüßtes Mikrowellen-Popkorn und welches mit weißem oder gelben Käse. Bei Engländerinnen ist Cider – ein Apfelwein – sehr beliebt. AB Foods bietet ihn sogar mit Birnengeschmack an. Dazu essen die Briten gerne Essigchips.
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