Düsseldorf: Leere Schulen wegen Schweinegrippe
VON STEFANIE WINKELNKEMPER UND THOMAS BUSSKAMP (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009Düsseldorf (RPO). In vielen Klassen herrscht ein Ausnahmezustand. Sie müssen zusammengelegt werden, weil ungewöhnlich viele Schüler fehlen. Das Schulamt lädt nun für den 1. Dezember erneut alle Rektoren zum Grippe-Gipfel.
Das ist Christel Marx in ihrer zehnjährigen Amtszeit noch nie passiert: Die Rektorin der Benzenberg-Realschule muss Klassen zusammenlegen, weil kaum noch Schüler zum Unterricht kommen. Gestern wurde die Jahrgangsstufe zehn sogar komplett für einen so genannten "Studientag" nach Hause geschickt. "Das ist eine völlig neue Situation. Normal fehlen um diese Jahreszeit maximal zwei Schüler pro Klasse", sagt sie. Inzwischen sind rund 30 Prozent aller Schüler krank und neun von 36 Lehrern.
Stefanie Conradi, Klassenlehrerin der 5 B, fühlt sich selbst noch fit, aber vermisste zuletzt 19 Kinder in ihrer Klasse. Gestern fehlten "nur" noch neun. "Das Virus schlägt klassenweise zu", sagt sie und hofft, dass bald alles überstanden ist.
Die meisten kämen nach vier bis fünf Tagen zurück. Manche Schüler würden aber auch mit sichtbaren Anzeichen von Krankheit zum Unterricht kommen und sagen: "Aber wir haben doch heute Sport." Davon rät die Schulleitung dringend ab, um nicht noch mehr Kinder zu infizieren. Die Benzenberg-Realschule sagte gestern sogar ihren Adventsbasar, der für den 21. November geplant war, ab und verschiebt ihren Tag der offenen Tür auf den 23. Januar 2010.
Damit steht sie nicht alleine da. Schulrätin Martina Nussbaum bestätigt, dass die Krankenstände deutlich steigen. "Wir wollen aber keine Unruhe stiften und gehen mit dem Problem sorgfältig um", sagt sie. Das Schulamt hat deshalb gestern Einladungen an die Rektoren für eine erneute Grippe-Besprechung am 1. Dezember verschickt. Das Gesundheitsamt sitzt mit im Boot. "Wir wollen dort alles besprechen, was derzeit an den Schulen brennt", sagt Martina Nussbaum.
Viel Idealismus verlangt
Noch scheinen die Schulen unterschiedlich stark von der Grippewelle betroffen. An einigen fehlen 20 Schüler, an anderen die Hälfte. Besonders problematisch sei die Situation in manchen Grundschulen, die schwangere Lehrerinnen haben, die vor der Schweinegrippe geschützt werden müssen, sagt Stadtsprecher Michael Bergmann. Weiterhin gelte aber die Vorgabe des Ministeriums, dass keine Schule geschlossen wird, da das Virus ohnehin nicht mehr aufzuhalten sei.
"Daran hat bei uns auch noch keiner gedacht", erklärt Uwe Heidelberg, Konrektor der Benzenberg-Realschule. Wie viele andere Verantwortliche bastelt er an individuellen Lösungen und sammelt jeden Morgen von den Lehrern Zettel ein, wie viele Schüler zum Unterricht gekommen sind.
Entsprechend plant und legt er zusammen. "Das ist immer wieder spannend", sagt er. Und Rektorin Christel Marx spricht von viel Idealismus, der den Lehrern zurzeit abgefordert werde.
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