Wettbewerb ist entschieden: Libeskind baut den Kö-Bogen
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 15.01.2009 - 21:36Donnerstag endete die Abgabe-Frist für die Bebauung des Jan-Wellem-Platzes. Nachdem der Frankfurter Investor mit dem Architekten Jürgen Mayer H. aufgegeben hat, ist nur noch ein Interessent im Boot: „Die Developer” mit Star-Architekt Daniel Libeskind. Damit ist der Wettbewerb entschieden.
Erst Nervosität, dann Jubel im Rathaus: Bis gestern zum frühen Nachmittag war nicht sicher, ob zum Ablauf der Frist zwei, einer oder gar kein Entwurf für das wohl wichtigste städtebauliche Projekt der nächsten Jahrzehnte abgegeben wird. Denn mit dieser Abgabe ist die Pflicht verbunden, den ersten Bauabschnitt des Kö-Bogens, der eine Bebauung und Untertunnelung des Jan-Wellem-Platzes vorsieht, auch verbindlich zu verwirklichen. Und in Zeiten der Finanzkrise ist es nicht selbstverständlich, dass ein Investor bereit ist, mindestens 46 Millionen Euro für ein Grundstück und weitere rund 300 Millionen Euro für die Realisierung des Projekts auszugeben.
Daniel Libeskind
Am 12. Mai 1946 in Lodz, Polen, geboren; lebt in New York. Wichtigste Projekte Jüdisches Museum Berlin, „Freedom Tower” auf dem Gelände des von Terror-Attacken zerstörten World Trade Centers in New York, Westside bei Bern
Zustimmung gilt als Formalie
Doch am Ende konnten die Verantwortlichen im Rathaus aufatmen. Der Düsseldorfer Projektentwickler „Die Developer” hat fristgerecht den Entwurf des New Yorker Star-Architekten Daniel Libeskind abgegeben. Der bisherige Mitbewerber, die Frankfurter Bouwfonds MAB Development, hatte Stadtplanungsdezernent Gregor Bonin telefonisch abgesagt. Damit war auch der Entwurf des in der Fachwelt hochgelobten Berliner Architekten Jürgen Mayer H. vom Tisch und das Rennen vorzeitig entschieden. Da die CDU-FDP-Mehrheit das Projekt unterstützt, gilt die Zustimmung des Rates quasi als Formalie.
Deshalb ist nun erstmals in dem strengen Vergabeverfahren öffentlich gemacht, welche Ideen Libes-kind für diesen sensiblen Bereich entwickelt hat. Die Gebäude nehmen die geschwungenen Formen des Schauspielhauses auf. Die Glasfassade zum Hofgarten spiegelt die Vertikale des Dreischeibenhauses wider, durchbrochen von Grünflächen. „Es ist fantastisch, dass wir an dieser Stelle einen Architekten von diesem Weltruf haben”, sagte Oberbürgermeister Elbers sichtlich erfreut. Dies werde weitere hochrangige Architekten nach Düsseldorf ziehen. „Ich bin sehr froh, dass in diesen Zeiten ein verbindliches Angebot mit solch hervorragender Architektur hereinkommt”, betonte Bonin.
„Mehr kann man innerhalb eines Jahres als junges Unternehmen nicht erreichen”, sagte Developer-Chef Stefan Mühling, der mit der Zech Group einen finanzkräftigen Investor im Boot hat. Welche Mieter in fünf Jahren einziehen werden, stehe noch nicht fest.
Jubelstimmung auch bei den Mehrheitsfraktionen: „Ich freue mich sehr, das wird ein großer Wurf für die Stadt”, sagte CDU-Fraktionschef Friedrich Conzen. „Es ist ein toller Tag für diese Stadt”, sagte FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie sei von Beginn an begeistert gewesen von Libeskinds Entwurf, „weil man daran sieht, was man mit vorgegeben Rahmenbedingungen machen kann”.
Neben der Größe und künftigen Nutzung der 26 Meter hohen Gebäude, hatte die Stadt auch auf ökologische Konzepte gepocht. Libeskind will die Bauten sogar mit einem eigenen Blockheizkraftwerk mit Energie versorgen. Bei den Grünen überwiegt dennoch die Skepsis: „Die ökologische Bauweise ist zwar begrüßenswert”, so Clara Deilmann, „wir werden dennoch nicht zustimmen, weil wir das Projekt nach wie vor für überdimensioniert halten.” Ähnlich argumentiert die SPD: „Das Gebäude hat sicherlich mehr Charme als die vorherigen Pläne”, sagt Fraktionschef Günter Wurm. Es handle sich dennoch um eine verfehlte Stadtplanung. Ein von rot-grün unterstütztes Bürgerbegehren gegen den Kö-Bogen war gescheitert.
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