Uraufführung in Düsseldorf: Liebe auf Eis
VON ANNETTE BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 12:18Düsseldorf (RPO). In die „Glückssuche“, das Motto der Spielzeit, fügt sich die jüngste Produktion auf der kleinen Bühne des Schauspielhauses eher dissonant ein. „Warum tanzt ihr nicht?“ nach Geschichten des amerikanischen Schwarzmalers der Seele und literarischen Minimalisten Raymond Carver (1938 bis 1988) erlebte am Freitag die Uraufführung. Knapp über zwei Stunden wird das Publikum Zeuge von Paarkrisen, von lebensnah verschachtelten Anklagen, Zerwürfnissen, Abrechnungen und anderen Liebe-ist-unmöglich-Geschichten.
Die Zuschauer sitzen im Viereck um das zentrierte Geschehen. Es gibt keine erhobene Bühne, man ist auf Augenhöhe. Einzige Requisite ist ein Tisch mit Flaschen, Gläsern und Aschenbechern. Es wird nicht nur fast pausenlos geraucht, sondern geredet, gelogen, argumentiert, laut geträumt und hoffnungslos verworfen. „Wir sprechen über alles, aber nicht über unsere Situation“, heißt einer der symptomatischen Sätze, der die zynische Tonalität anschlägt, die in allen Geschichten mitklingt. Ein Jeder redet über Liebe, doch Glück ist abwesend, Angst omnipräsent. Angst vor dem Verlassenwerden, dem Betrug, der Verletzung, der Ich-Aufgabe, vor dem Alleinsein. Reden ist der Versuch einer Aufarbeitung, doch es bleibt bei verbalen Gefechten. Wenig Körperlichkeit und Gefühl dringen aus den schmerzversiegelten Körpern. Regisseur Oliver Reese, der die Bühnenfassung erarbeitet hat, lässt seine Darsteller konzentriert schnellsprechen und von Dramen berichten. Sie kommen aus der ersten Reihe und gehen dort wieder hin. So finden sie kurz zusammen, um sich schnell wieder in ihrer Paarung aufzulösen. So ähnlich wie bei „Short Cuts“, dem Robert-Altman-Film, der nach Carvers Kurzgeschichten ein Erfolg wurde. Rainer Galke, Daniel Graf, Urs Peter Halter, Esther Hausmann, Winfried Küppers, Horst Mendroch, Kathleen Morgeneyer und Lena Schwarz agieren fast blutleer in einem abgehackten Reigen. Das ist so gewollt, extra kühl – und etwas zu lang. Es gab großen Applaus.
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