Theater an der Kö feiert Geburtstag: Liebe, Schlager, Schaumgebäck
VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 23.08.2009 - 11:47Düsseldorf (RPO). Zum 15. Geburtstags des Theaters an der Kö gibt es ein interaktives Stück: Bei der „Schlagorette“ sind die Zuschauer ausdrücklich aufgefordert, mitzusingen. Autor Axel Beyer verknüpft darin bekannte Lieder mit bekannten Liebespaaren der Weltliteratur.
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Autor und Regisseur Axel Beyer
Ausdrücklicher Wunsch Das Publikum soll mitsingen. Die „Schlagorette“ mit 68 Evergreens ist eine Uraufführung zum 15. Geburtstag der Boulevard-Bühne. Es läuft bis zum 11. Oktober.
Kartenkaufen unter Tel. 0211322333, oder hier
Was macht ein Theater, wenn es neue Abonnenten werben will? Es veranstaltet einen Tag der offenen Tür. Weil so ein reizvoller Blick hinter die Kulissen den Besuchern das wohlige Gefühl intimer Nähe zu den sonst entrückten Schauspielern gibt. Und was macht das „Theater an der Kö“, wenn es seinen 15. Geburtstag feiern will? Es spielt ein Stück über ein Theater, das mit einem Tag der offenen Tür um Abonnenten wirbt und zu diesem Zweck eine Matinee veranstaltet. Alles klar soweit? Dann kann es losgehen mit „Barfuß im Regen“.
Auf der „Probebühne“ treten nacheinander an: ein beflissener Inspizient, von Reiner Heise mit viel Gespür und Komik umgesetzt. Eine stürmische Pianistin mit russisch-rollendem R, der Heike Beckmann resolute Konturen verleiht. Und schließlich die Stars der Szene, Doris Winter und Michael Sommer, ein ehemals verbandeltes, heute entzweites Schauspieler-Paar. Walther Plathe und Angela Roy machen das großartig. Souverän hantieren sie mit den Befindlichkeiten ihres Berufsstandes, lassen Eitelkeit, Selbstverliebtheit und Eifersucht durchschimmern.
Ein weiterer Akteur bleibt unsichtbar, meldet sich aber von Zeit zu Zeit mit lauter Stimme über die von der Decke baumelnde Mithöranlage: René Heinersdorff, ganz in seinem Element als allgegenwärtiger und selbstverständlich allwissender Theaterleiter.
Dann wäre da noch eine aufgescheuchte „Zuschauerin“ mit Tüllhütchen. Kommt die Handlung erst in Schwung, gibt es für Billie Zöckler, gewohnt drollig, kein Halten mehr. Auf der Bühne macht sie sich an Trommel und Bouzouki bald unentbehrlich. Und schon sind wir beim Hauptdarsteller, dem Schlager.
Autor und Regisseur Axel Beyer wilderte für seine „Schlagorette“ vornehmlich im ergiebigen Revier der 70er und 80er Jahre. Titelgebend war der Michael-Holm-Ohrwurm „Barfuß im Regen“ von 1974. Damit aus den Schlagern ein Theaterstück wurde, verknüpfte er das umfangreiche Liedgut mit bekannten Liebespaaren der Weltliteratur. Ob Romeo und Julia, Gretchen und Faust oder Hero und Leander: Erhabene Dichter-Zitate fließen übergangslos in Schlagertexte ein, die zunächst gesprochen, dann angesungen werden. Das ist recht vergnüglich, und erstaunt erlebt man, wie es so manches Melodram nach Noten mit der Literatur durchaus aufnehmen kann.
Nur kommt im ersten Teil die Musik eindeutig zu kurz. Der Wunsch ans Publikum, es möge doch einstimmen, verpufft, weil die Schlagerzeilen, kaum erkannt, alsbald zu Ende sind.
Nach der Pause wird ihnen mehr Raum gegeben, und die Lust am Mitsingen nimmt zu. Besonders bei „Immer wieder sonntags“ und dem meisterlich intonierten „dubbi dubbi dipp dipp“ bricht kollektive Heiterkeit aus. Willig zieht das Publikum auch mit, wenn es als Geräuschkulisse gebraucht wird. Man knistert, plätschert, tutet und säuselt, dass es eine wahre Freude ist. Haben wir eigentlich schon die Handlung der „Schlagorette“ erwähnt? Das ist nicht ganz leicht, weil sie über weite Strecken dürftig bleibt. Dem Spaß tut das wenig Abbruch.
So ergötzt man sich an den flinken Verkleidungen, den 68 alten Schlagern, die jeder kennt und mit denen jeder seine eigenen Erinnerungen weckt - von „Ein Schiff wird kommen“ über „Der Junge mit der Mundharmonika“ bis zum „Griechischen Wein“. Vor allem aber gefällt der bravouröse Einsatz von Angela Roy und Walter Plathe, deren Szenen viele köstliche und komische Momente haben. Zum versöhnlichen Schluss kommt sich das zerstrittene Paar über das viele Singen wieder näher.
Wir wissen es ja, die Liebe ist ein seltsames Spiel. Viel Beifall und Zugabe-Rufe für ein Stück wie sommerliches Schaumgebäck.
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