Düsseldorf: Lindenstraßen-Stars im Theater an der Kö
VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 29.05.2010 - 14:02Düsseldorf (RPO). Gleich die erste Szene von "Schöne Geschichten mit Mama & Papa" wird zur großen Bühne für ein famoses Paar. Dolores Velasco hat sich in einer Wolke von Weltschmerz verfangen. Seufzend sitzt sie im nüchternen Wartezimmer ihres Arztes. Leber, Nieren, Augen, Herz – alles bedrohlich aus dem Tritt.
"Kein Medikament schlägt bei mir an", klagt sie. Doch wer ihr kokettes grünes Hütchen sieht, die schlanken Beine, den kurzen Rock, hegt insgeheim den Verdacht, dass unter der damenhaften Fassade ein Vulkan brodelt. Fehlt bloß noch einer, der ihn entzündet. Zunächst scheint es abwegig, als käme der zweite Patient dafür infrage. Begleitet von seinem Sohn, fällt Fernando Cano dramatisch hustend und jammernd auf den Stuhl: "Ich bin gelähmt!"
In Marianne Rogée und Joachim Hermann Luger trumpfen im "Theater an der Kö" zwei Komödianten auf, deren enorme Spiellust die Zuschauer vom ersten Moment an mitreißt. Das Stück des spanischen Autors Alfonso Paso stammt von 1960, wirkt aber erstaunlich frisch. Schnell wird seine Botschaft klar: Was Mutter und Vater am dringendsten brauchen, ist ein Rezept gegen die Einsamkeit. Und tatsächlich, kaum haben sie sich vorsichtig angenähert, blühen die beiden Hypochonder regelrecht auf. Bei nächtlichem Gelage, einer tüchtigen Portion Gras in der Wasserpfeife und einem verzückten Tanz entdecken sie genussvoll und leicht beschickert ihre neu erweckten Lebensgeister.
Damit werden sie zum Gegenpol ihrer gar zu vernünftigen Kinder. Die beflissenen Lehrer Manuela und Ricardo verfolgen die Wandlung ihrer Eltern mit Empörung bis Verachtung. Sie maßregeln und bevormunden die enthemmten Alten, überdecken damit aber nur ihre eigene Unfähigkeit zu allmächtigen Gefühlen. Jeannine Burch und Stefan Gebelhoff spielen das junge Paar ohne Fehl und Tadel. Mit Charme geben Marianne Rogée und Joachim Hermann Luger dem Affen ordentlich Zucker.
Sie nutzen die Steilvorlagen ihrer Rollen weidlich aus, überschreiten aber nie die Grenze zur Peinlichkeit. Wenn er im schneeweißen Kaftan und mit flatterndem Turban sein gediegenes Wohnzimmer zur orientalischen Höhle umdekoriert oder sie zum Schleiertanz die Hüften wiegt, sind das köstlich inszenierte Momente voller Selbstironie. Beide Schauspieler kennt man seit Jahrzehnten aus der "Lindenstraße". Doch welche Überraschung: Als flotter Fernando offenbart der brave "Vater Beimer" geradezu verwegene Facetten. Der Abend unter der Regie von Geriet Schieske ist Vergnügen pur, das Wechselspiel der Generationen amüsant zu verfolgen.
Info "Schöne Geschichten mit Mama & Papa" läuft bis zum 11. Juli im "Theater an der Kö" in den Schadow Arkaden. Termine: Dienstag bis Samstag 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr. Karten: Tel. 0211 322333, www.theateranderkoe.de
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







